"Liebling, sie haben die Playstation 3 geschrumpft!" ist der erste Gedanke wenn man die PS Vita in Händen hält. Die neue tragbare Konsole von Sony erscheint am 22. Februar in Österreich und soll die veraltete PSP im Kampf gegen Tablet ablösen. Vollgepackt mit Technik, versteht sich. "Kick Ass" also für Super Mario und Angry Birds? NEWS.AT hat sich den neuen Handheld angesehen.
Die Herkunft der PS Vita lässt sich nicht leugnen: Der Handheld für satte 300 Euro sieht bei flüchtiger Betrachtung nicht viel anders aus als die Ur-PSP von Sony. Mit ähnlichem Mix aus Metall und Plastik wurde das vorerst nur in schwarz erhältliche Gehäuse offensichtlich auch bewusst diesem Design angepasst. Die Verarbeitung zeigt sich durchaus hochwertig, die Spaltmaße tendieren gegen Null und auch nach ausgiebigem Betrieb gibt es am rund 260 Gramm schweren Gerät nichts, das knarzen oder wackeln würde.
Funktional aber nicht ganz so positiv fallen die Slotabdeckungen für die proprietären Speichermedien (Memory Card und Spiel-Cartridges) und den Multifunktions-Anschluss auf: Nur mit Plastiklaschen fest verankert muss man seine Fingernägel bemühen, um die Einrastmechanik auszuhebeln. Das hätte man bestimmt schöner lösen können.
Albewährte Eingabe...
Das hybride Bedienkonzept der PS Vita spricht sowohl Gelegenheits- als auch Vielspieler an. Letztere werden sich zunächst über die Tatsache freuen, dass sie im Prinzip einen vollwertigen PS3-Controller in Händen halten. Lediglich bei den Schultertasten wurden zwei Buttons "wegrationalisiert", dafür sind die vorhandenen zwei ungleich besser erreichbar und haben wie die anderen Tasten auch einen angenehmen Druckpunkt.
Endlich einen Platz spendiert bekommen hat der von der Community beanstandete zweite Analogstick auf der rechten Seite. Generell schmiegt sich die PS Vita gerade bei Erwachsenen zwischen die Handflächen als gäbe es keinen anderen Platz dafür. Wer auf hohem Niveau jammern möchte, könnte noch anmerken, dass Aktionstasten an der Front rechts eine Spur zu klein sind. Ergonomisch steht spielerischen Marathonläufen dennoch nichts im Weg.
...mit innovativer Ergänzung
Ergänzend bzw. alternativ dazu lässt sich die PS Vita via kapazitivem OLED-Multi-Touchscreen auf der Vorderseite und Touchpanel auf der Rückseite des Geräts bedienen. Damit lassen sich dreidimensionale Fingergesten wie Berühren, Greifen, Führen, Schieben und Ziehen ausführen, was nicht nur Gelegenheitsspielern den Einstieg erleichtert, sondern komplett neue Spielkonzepte ermöglicht.
Ähnlich verhält es sich mit Kameras auf Vorder- und Rückseite, die Augmented Reality Games ermöglichen. Durch ein Sechs-Achsen-Sensoren-System kann Software auch mittels Neigen, Kippen oder Drehen der Konsole beeinflusst werden. Für den Aufpreis von 50 Euro gibt es übrigens auch ein 3G-Modell der PS Vita, das zusätzlich zur WLAN-Konnektivität der Standard-Version über SIM-Karten-Slot und GPS Sensor verfügt.
Viel Power, tolles Bild
Für das Innenleben hat Sony bei der PS Vita geklotzt und nicht gekleckert: Vierkernprozessor, 512 MB Arbeitsspeicher sowie ein eigener Grafikprozessor mit eigens dafür abgestellten 128 MB Videospeicher können sich sehen lassen. In all ihrer Pracht übrigens erst dank eines berührungsempfindlichen 5-Zoll-OLED-Bildschirms, der bei einer Auflösung von 900x544 Pixeln den eingangs erwähnten Playstation-3-Effekt hervorruft.
Am Bildschirm gibt es kaum etwas auszusetzen: Knackige Farben, keine Pixelfehler, gleichmäßige Ausleuchtung und sehr geringe Blickwinkelabhängigkeit sorgen dafür, dass man dem Bildschirmgeschehen weitgehend bei jedem Umgebungslicht folgen kann. Wird die Lichteinstrahlung gar zu direkt, kann einem das spiegelnde Display mitunter dann doch einen Strich durch die Rechnung machen. Insgesamt bietet die PS Vita aber eine ausgezeichnete Bildqualität.
Akustisch sollte man im Idealfall von der Kopfhörerbuchse Gebrauch machen. Die Lautsprecher sind für ein tragbares Gerät und dessen kleinem Klangkörper zwar ganz passabel, das volle Audio-Potenzial wird aber erst durch hochwertige Kopfhörer ausgeschöpft.
Durchschnittlich ausdauernd mit eigenwilligem Format
Nur durchschnittlich mithalten kann bei all dem Aufgebot der fix verbaute Akku der PS Vita: Zwar lässt sich das Gerät eine gefühlte Ewigkeit im Standby-Modus betreiben, unter Volllast und bei aktiviertem WLAN kann es aber auch vorkommen, dass man nach rund drei bis vier Stunden einen Boxenstopp an der Steckdose einlegen muss. Bei der gebotenen Leistung ist das einigermaßen verständlich, aber dennoch ein Faktor, den man im Hinterkopf behalten muss (etwa bei längeren Reisen).
Da kein expliziter Massenspeicher auf der PS Vita verbaut ist, muss man mit Speicherkarten-Formaten von Sony vorliebnehmen, um Inhalte wie Spiele, Add-Ons, Musik, Filme oder Demos konsumieren zu können. Bei den Vollpreis-Spielen (30 und 50 Euro) leuchten die eigenen Cartridges noch ein und machen im Gegensatz zum einstigen Universal-Media-Disc-Format gewissermaßen noch Sinn. Dass bei den reinen Speicherkarten auf ein proprietäres Format von Sony gesetzt wurde und nicht beispielsweise auf SD-Karten ist ärgerlich, weil die Karten nur maximal 16 GB fassen, deutlich mehr kosten (20-50 Euro) und anfangs auch schlechter verfügbar sind.
Crossbar adé, volle Anbindung an PSN
Bei der Benutzeroberfläche müssen sich PSP- und/oder PS3-Besitzer von der bisherigen Crossbar-Menüführung verabschieden. Aufgrund des Touchscreens wurde sie durch eine Struktur mit sogenannten "Bubbles" ersetzt, die weitgehend mit der Logik aktueller Smartphone-Menüs korreliert. Das System entpuppt sich in der Praxis weitgehend als recht intuitiv und hat den Vorteil, viele Eigenschaften individualisieren zu können.
Playstation-Veteranen freuen sich zusätzlich über die volle Integration ins Playstation Network (PSN), inklusive Mehrspieler-Partien, Trophäen-
Unterstützung und Playstation Store. Nicht zuletzt die Anbindung an den Shop und die Abwärtskompatibilität der PS Vita ermöglichen es, bereits zum Start auf ein Angebot von über 600 Spielen zugreifen zu können. "Echte" PS Vita-Titel wird es ab 22. Februar aber auch schon gut zwei Dutzend geben, darunter starke Marken wie Uncharted, Wipeout, FIFA, Ridge Racer oder Virtua Tennis.
Last but not least sei noch das "Cross-Play"-Feature zu erwähnen, das jetzt schon ermöglicht, was Nintendo für die Wii U erst angedeutet hat: Spiele und Anwendungen, die diese Funktion unterstützen, wie beispielsweise Wipeout 2048, können direkt zwischen PS 3 und PS Vita gespielt bzw. ausgeführt werden.
NEWS.AT-Fazit
Mit der PS Vita hat Sony ein durch und durch überzeugendes Stück Technik ins Rennen geschickt. Wer gerne und viel unterwegs spielt, wird keinen vollwertigeren Konsolen-Ersatz finden als diesen tragbaren Power-Riegel: Sowohl im Schlagabtausch mit dem direkten Konkurrenten Nintendo 3DS als auch im Vergleich zu "latenteren" Rivalen in Form von Smartphone und Tablet behält die PS Vita die Oberhand. Für Spielspaß-Garantie sorgt nicht nur das pralle Hardware-Paket, sondern vor allem der smarte Mix aus innovativen und bewährten Eingabemöglichkeiten. Nicht zuletzt ein überraschend gutes Angebot an Start-Titeln lässt die Mitbewerber im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Neben proprietären Speicherkarten und durchnittlichem Akku stellt somit der hohe Preis ab rund 300 Euro wohl den einzigen wirklich Wermutstropfen dar.
Einen detaillierten Überblick zu den ersten Spielen können Sie rechtzeitig vor dem Launch der PS Vita auf NEWS.AT nachlesen!