Proteste gegen Mohammed-Karikaturen halten an: Jetzt auf Urlaubsinsel Sri Lanka!

Dänische Flagge von Demonstranten beschmutzt Zeitung "Jyllands-Posten" will sich jetzt zurückhalten

In mehreren asiatischen Ländern ist es auch am Freitag wieder zu Protesten gegen die umstrittenen Mohammed- Karikaturen gekommen. In der philippinischen Hauptstadt Manila verbrannten einige Hundert Demonstranten eine auf Pappe gemalte dänische Flagge und forderten von Dänemark eine Entschuldigung. Die Proteste erfassten auch die südasiatische Urlaubsinsel Sri Lanka.

In der Hauptstadt Colombo demonstrierten nach dem Freitagsgebet mehr als 1000 Muslime. Augenzeugen berichteten, Demonstranten hätten eine große dänische Flagge auf der Straße ausgebreitet und seien darüber gelaufen. 15 muslimische Organisationen in Sri Lanka haben zum Protest aufgerufen.

Ägyptische Zeitung veröffentlicht Bilder von Jesus und Kalif Ali
Die unabhängige ägyptische Zeitung "al-Fagr" hat vor dem Hintegrund des Karikaturenstreits auszuloten versucht, was in Ägypten möglich ist: Sie veröffentlichte eine ganze Serie Bilder, die allerdings nicht den Propheten Mohammed, wohl aber Jesus und den Kalifen und Mohammed-Schwiegersohn Ali zeigen.

Die Quellen für diese Darstellungen sind solide genug, dass man dem Herausgeber Adil Hamude schwerlich einen Strick drehen kann. Sie sind Büchern arabischer Christen und iranischer Schiiten entnommen. "Prophetenbilder: Die Christen verehren sie und die Muslime machten sie schon vor den Europäern", titelte er.

Bemerkenswert an Hamudes Begleittext war auch die nüchterne Feststellung, dass "es nicht wahr ist, dass die dänischen Zeitungen mit diesen Herabwürdigungen begonnen haben". Was sie gedruckt habe, komme einem "Tropfen im Meer gleich", schreibt Hamudeh - und verweist auf neuseeländische und britische Mohammed-Spottzeichnungen, die er im Internet gefunden habe. "Vielleicht waren die Bilder der 'Jyllands-Posten', die diese Krise ausgelöst haben, sogar weniger schlimm", fasst er zusammen. "Al-Fagr" bedeutet "Morgenröte", auch die 89. Koran-Sure heißt so.

Zahlreiche Proteste in der Türkei
In der Türkei haben nach dem Freitagsgebet Gläubige in zahlreichen Städten gegen die umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed protestiert. Dabei wurden dänische, aber auch Flaggen anderer Länder verbrannt. Die meisten Proteste verliefen ohne Zwischenfälle. In Istanbul nahm die Polizei neun Demonstranten fest.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan rief unterdessen Staatsmänner in aller Welt dazu auf, zu einem Abbau der Spannungen beizutragen. Gemeinsames und verantwortungsvolles Handeln sei nötig, "um den Weltfrieden und unsere gemeinsamen Werte zu bewahren", heißt es in einem Brief, den Erdogan an die Regierungen aller Länder verschickte, mit denen die Türkei diplomatische Beziehungen unterhält.

Verletzte bei Protest in Bangladesch
Bei einer Demonstration gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in Bangladesch ist es zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Mindestens 50 Menschen wurden dabei nach Berichten von Augenzeugen in der Hauptstadt Dhaka verletzt. Zu den Ausschreitungen sei es gekommen, als Polizeibeamte mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die islamistischen Demonstranten vorgingen.

Tausende bei Proteste in Bangladesch und in Malaysia
In Bangladesch und in Malaysia demonstrierten am Freitag jeweils einige Tausend Muslime gegen die Karikaturen. Zu größeren Ausschreitungen kam es nicht. In Kuala Lumpur zogen Demonstranten vor die dänische Botschaft.

Erster Protest in Serbien
Der Protestwelle gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen haben sich am Freitag zum ersten Mal auch Moslems in Serbien-Montenegro angeschlossen. Eine Protestkundgebung wurde in Novi Pazar, dem Verwaltungszentrum der südwestserbischen Region Sandschak, abgehalten, wo die Mehrheit der in Serbien-Montenegro lebenden Moslems ansässig ist.

Einige hundert Demonstranten haben sich kurz vor 13.00 Uhr im Stadtzentrum eingefunden, um an einem Protestmarsch durch die Stadt teilzunehmen, meldeten Belgrader Medien. Vertreter der islamischen Glaubensgemeinschaft in Novi Pazar distanzierten sich von der Protestkundgebung.

"Jyllands-Posten" will kein Benzin mehr ins Feuer gießen
Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" (JP) hat indessen eine zurückhaltende redaktionelle Linie beim Streit um die Mohammed- Karikaturen angekündigt. In einem Brief an die Leser in der Freitagsausgabe erklärte Chefredakteur Carsten Juste: "Angesichts des Aufruhrs, der von den Mohammed-Zeichnungen ausgelöst worden ist, wird Jyllands-Posten nichts unternehmen, wodurch neues Benzin ins Feuer gegossen wird."

Juste hatte am Vortag den JP-Kulturchef Flemming Rose in einen unbefristeten Zwangsurlaub geschickt, nachdem dieser im Fernsehen den Abdruck von geplanten iranischen Holocaust-Karikaturen in "Jyllands- Posten" angekündigt hatte. Rose hatte vor viereinhalb Monaten die von Muslimen in aller Welt heftig kritisierten zwölf Mohammed- Karikaturen als Aktion gegen einen aus seiner Sicht zunehmenden Hang zur Selbstzensur gegenüber dem Islam veröffentlicht.

(apa/red)