ProSiebenSat1-Deal ist geplatzt: Ayel Springer Verlag verzichtet auf Übernahme

Die Sendergruppe sucht nach einem neuen Käufer

Der monatelange Kampf um die Übernahme von ProSiebenSat.1 ist vorbei: Der Springer-Verlag hat am Mittwoch aufgegeben. Springer-Sprecherin Edda Fels begründete die Entscheidung mit zahlreichen Risiken, die "in der Summe" zu hoch gewesen seien. ProSiebenSat.1-Großaktionär Haim Saban und Vorstandschef Guillaume de Posch zeigten sich enttäuscht. Die CSU bedauerte den Verzicht, während SPD, Grüne und Gewerkschaften von einem Sieg der Medienvielfalt sprachen.

Es wären "auf Grund der zahlreichen zahlreichen wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten eines möglichen Klageweges oder eines möglichen Ministererlaubnisverfahrens für alle Beteiligten unzumutbare Risiken entstanden", begründete der Verlag seinen Schritt. Er reagierte damit auf die Untersagung der 2,5 Mrd. Euro schweren Übernahme durch das deutsche Kartellamt vom 23. Jänner, nach der lediglich der Klageweg oder der Antrag auf Ministererlaubnis als letzte Möglichkeiten zur Umsetzung des Vorhabens geblieben wären.

Fels sagte, "besonders hoch" erscheine das wirtschaftliche Risiko einer Neuauflage des Übernahmeangebotes an die "außenstehenden" ProSieben-Aktionäre wegen des möglichen Kursanstiegs der Aktie. Sowohl der Ausgang des Antrags auf Ministererlaubnis als auch des Klagewegs seien überdies offen.

Fels erklärte, das Verfahren sei für Springer mit keinerlei finanziellen Risiken verbunden gewesen. Es gebe keine Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Verkäufer, und die Anwalts- und Beratungskosten "in niedriger zweistelliger Millionenhöhe" würden durch ein Zinssicherungsgeschäft nahezu ausgeglichen. Springer will nun Engagements in digitalen Märkten und im Ausland prüfen.

Saban wollte sich alle Optionen offen halten. "Wir sind enttäuscht, dass das Axel-Springer-Geschäft keine Zustimmung fand, aber wir bleiben überaus zufrieden mit der Entwicklung von ProSiebenSat.1 und mit unserem Investment", teilte der US-Investor in Los Angeles mit. Ein Sprecher lehnte jede Stellungnahme zu einem Bericht ab, Saban habe bereits Gespräche mit dem französischen Sender TF1 und der skandinavischen SBS Broadcasting eingeleitet. (apa/red)