Pröll plädiert für Bus und Bahn statt Auto:
EU & Österreich mit nachhaltigem Tourismus

Ziel: Via Bahn von Wien nach Bregenz in fünf Stunden Werfenweng als Paradebeispiel für Umwelt-Tourismus

Pröll plädiert für Bus und Bahn statt Auto:
EU & Österreich mit nachhaltigem Tourismus

Die Europäische Union und deren derzeitiger "Ratspräsident" Österreich wollen in Zukunft mehr auf "umweltfreundlichen Tourismus" setzen. Am Montag wurde dazu die zweitägige Fachkonferenz "Umweltfreundlich Reisen in Europa. Herausforderungen und Innovationen für Umwelt, Verkehr und Tourismus" in Wien eröffnet. Ziel sei es, betonte Österreichs Umweltminister Josef Pröll, eine Trendwende zu erreichen: Hin zu umweltfreundlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn und weg vom Auto.

"23 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in der EU stammen vom Verkehr", sagte Pröll am Montag bei einer Pressekonferenz im Gardesalon in der Wiener Hofburg. "Tendenz steigend: Allein die in Urlaub und Freizeit gefahrenen Kilometer werden sich ausgehend vom Jahr 1998 bis 2010 beinahe verdoppeln." Pröll will sich im Rahmen Österreichs Ratspräsidentschaft für folgende Maßnahmen einsetzen: "Die Verschärfung der Abgaswerte für PKW und die Forcierung der Biokraftstoffe." Unterstützung signalisierte auch Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach.

Erste Schritte und weitere Pläne
Mit dem mehrspurigen Ausbau der Westbahn werde dahingehend bereits ein wichtiger Schritt gesetzt. Ziel müsse sein, mit der Bahn von Wien nach Bregenz in fünf Stunden fahren zu können. "Dann ist die Bahn wieder konkurrenzfähig zum Flugzeug. Denn ein wichtiger Faktor beim Reisen ist die Zeit", sagte Gorbach. Hochgeschwindigkeitszüge wie etwa der TGV in Frankreich seien in Österreich angesichts der schwierigen Topographie derzeit allerdings nicht einsetzbar. Die Frage, ob seine Pläne, in Österreich auf mehreren Autobahnabschnitten 160 km/h zulassen zu wollen, nicht dem Öko-Tourismus-Gedanken widersprechen würden, verneinte Gorbach: "Die Flexibilisierung des Tempos gestattet es uns, auf die Umwelt zu reagieren. Werden Grenzwerte erreicht, drosseln wir natürlich die Geschwindigkeit." Gorbach könne sich weiters vorstellen, künftig in die "Überkopfanzeigen" auf Autobahnen auch umweltrelevante Daten einfließen zu lassen.

Österreichisches Paradebeispiel: Werfenweng
Gemeinsam mit 16 anderen europäischen Gemeinden bildet Werfenweng das Netzwerk "Alpine Pearls". Alle Orte gehen neue Wege bei der Gestaltung ihres touristischen Angebots und verbinden Erholung mit sanfter Mobilität. U.a. stellt die Gemeinde zwei Elektroautos - für die es Stromtankstellen gibt - sowie einige Elektro-Roller und Elektrofahrräder für Gäste ohne Auto zur Verfügung. Speziell für bahnreisende Wintergäste aus dem Raum Wien/Ostregion gibt es einen Gepäckdienst: Die Koffer werden zwei Tage vor Antritt der Reise aus Wien abgeholt, bei Ankunft findet man die Gepäckstücke im Zimmer vor. Das gilt auch für die Rückreise. Die Koffer werden bei Samstag-Abreise dienstags in Wien zugestellt. Die Maßnahmen greifen, wie Pröll erläuterte: "Die Gästezahlen in Werfenweng steigen bei gleichzeitigem Verkehrsrückgang. Damit ist bewiesen, dass man Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung entkoppeln kann." (APA/red)