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Prediger Gülen zur Rückkehr aus den USA in die Türkei bereit

Einstiger Erdogan-Vertrauter wirft Staatschef "Paranoia" vor

Der islamische Prediger Fethullah Gülen ist zu einer Rückkehr in die Türkei bereit, sollten die USA dem Auslieferungsgesuch aus Ankara zustimmen.

Gülen, den die türkische Führung für den Putschversuch am 15. Juli verantwortlich macht, sagte dem ZDF "heute-journal" laut einer Vorabmeldung vom Freitag, wenn die USA zu der Forderung aus Ankara nach einer Überstellung "Ja sagen", werde er seine restlichen Tage von der türkischen Regierung "gepeinigt" in der Türkei verbringen.

"Eine internationale Organisation soll die Sache untersuchen", sagte Gülen weiter. Der türkischen Führung sei es allerdings bislang nicht "gelungen, irgendetwas Handfestes vorzuweisen". Vielmehr sei der Vorwurf, er sei für den gescheiterten Umsturz verantwortlich, ein Mittel, um seine Bewegung zu schwächen. "Man hat nur einen ernst zu nehmenden Vorwand gebraucht", sagte Gülen.

Der Prediger, ein einstiger enger Weggefährte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, lebt seit langem im US-Exil. Schon Mitte August hatte er in einem Beitrag für die Zeitung "Le Monde" eine "internationale Untersuchung" zu dem Umsturzversuch gefordert. "Sollte auch nur ein Zehntel der gegen mich erhobenen Vorwürfe bestätigt werden, verspreche ich, in die Türkei zurückzukehren und die schwerste Strafe auf mich zu nehmen", schrieb er damals.

In dem am Mittwoch in den USA geführten ZDF-Interview ging Gülen mit Erdogan nun hart ins Gericht und warf ihm "Paranoia" vor. "Ich glaube, er zittert und schlottert vor Angst", sagte Gülen. Der Staatschef sei "von der Macht vergiftet", und "schädlich für die Türkei".

Der Putschversuch am 15. Juli war gescheitert; seither geht die türkische Regierung mit großer Härte gegen vermeintliche Gegner vor. Zehntausende Menschen wurden festgenommen, ihrer Posten enthoben oder versetzt - die meisten von ihnen allein wegen einer angeblichen Nähe zur Gülen-Bewegung.

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