Präsidentschafts-Wahl: Stimmzettel in
Costa Rica sollen neu ausgezählt werden

Arias nur 0,4 Prozent vor Freihandels-Gegner Solis

Wegen des extrem knappen Ausgangs der Präsidentschaftswahl in Costa Rica sollen die Stimmen neu per Hand ausgezählt werden. Das Ergebnis werde deshalb erst in bis zu zwei Wochen bekannt gegeben werden können, sagte der Vorsitzende des Obersten Wahlrates, Oscar Fonseca, am Montag in der Hauptstadt San Jose.

Nach seinen Angaben betrug der Vorsprung des Sozialdemokraten Oscar Arias vor seinem Konkurrenten Otton Solis von der Mitte-links-Partei der Bürgeraktion (PAC) nach Auszählung von knapp 90 Prozent der Stimmen nur 3648 Stimmen. Die Organisation Transparency International forderte den Wahlrat auf, nationale und internationale Beobachter die Neuauszählung überwachen zu lassen.

Arias von der Partei der Nationalen Befreiung (PLN) lag nach den vorliegenden Auszählungsergebnissen mit 40,5 Prozent hauchdünn vor Solís, der 40,3 Prozent erreichte. Wenn ein Kandidat in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl mehr als 40 Prozent der Stimmen erhält, reicht ihm nach costaricanischem Wahlrecht die einfache Mehrheit zum Sieg. 35 Prozent der 2,5 Millionen Wahlberechtigten beteiligten sich nicht an dem Urnengang.

Bei der am Sonntag gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahl erhielt Arias' PLN vorläufigen Ergebnissen zufolge 25 der 56 Sitze, Solís 17 oder 18. Großer Verlierer der Wahl ist die christsoziale Partei PUSC, die bisher mit Abel Pacheco den Staatspräsidenten stellte. In den vergangenen Jahrzehnten hatten sich PLN und PUSC an der Staatsspitze abgelöst. Dieses Zwei-Parteien-System wurde durch Solís' Partei durchbrochen. Der Friedensnobelpreisträger Arias war bereits 1986 bis 1990 Staatschef von Costa Rica. Er war 1987 für seine Bemühungen um Frieden in Mittelamerika mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden.

Solis, der unter Arias als Minister diente, wandte sich im Jahr 2000 gegen den Rechtsschwenk von dessen Partei und gründete seine eigene Gruppierung. Im Wahlkampf prangerte er Pachecos und Arias neoliberale Politik an und wandte sich unter anderem gegen das Freihandelsabkommen für Zentralamerika (CAFTA) mit den USA.

(apa/red)