Präsidentin Tarja Halonen im Porträt: Vom Arbeiterkind zur ersten Frau Finnlands

Sie gilt als das moralische Gewissen des Landes

Seit nunmehr fast genau sechs Jahren steht sie an der Spitze Finnlands. Tarja Halonen hat es weit gebracht. Vom einfachen Mädchen aus dem Helsinkier Arbeiterbezirk Kallio schaffte sie es als Anwältin für den Gewerkschaftsbund SAK zur Abgeordneten der Sozialdemokraten (SDP) ins finnische Parlament und später als Ministerin in die Regierung. Im Jänner 2000 schlug sie den ehemaligen Ministerpräsidenten Esko Aho knapp in der Stichwahl und zog als erste Frau in der Geschichte in den Präsidentenpalast am Helsinkier Hafen ein.

Halonen galt über weiter Strecken ihrer Amtszeit als das beliebteste Staatsoberhaupt, das Finnland je hatte. Es gelang ihr mit ihrer leutseligen und durchaus bodenständigen Art, ihren Landsleuten eine Identifikationsplattform zu bieten, die weit über das klassische linke Wählerpotenzial hinaus ging. In ihrer Funktion als Mitwirkende an der Außenpolitik Finnlands wirkte sie stets umsichtig und führte, wenn notwendig, ihren Standpunkt medienwirksam ins Treffen.

Halonen kümmerte sich vorrangig um die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sowie um Menschenrechtsangelegenheiten; zuletzt verstärkt auch um die Probleme der Globalisierung. Dadurch erlangte sie Anerkennung als das moralische Gewissen Finnlands. Wegen ihres Einsatzes für die Rechte Homosexueller warf ihr vor drei Jahren der mittlerweile wegen Medikamentenschmuggels und Waffenbesitzes verurteilte Rechtspopulist Tony Halme an den Kopf, eine "Lesbe" zu sein. Dieser Ausritt schadete jedoch ausschließlich Halme selbst.

Erst in dem Ende 2005 einsetzenden Wahlkampf um die zweite Amtszeit begann ihr Stern plötzlich zu verblassen. Halonens Umfragewerte, die zeitweise sogar bei über 90 Prozent Zustimmung zu ihrer Amtsführung gelegen waren, sanken kontinuierlich. Ihr erklärtes Ziel, die Wiederwahl im ersten Durchgang am 15. Jänner verfehlte sie relativ klar. Mit 46,3 Prozent der Wählerstimmen fuhr sie jedoch immer noch ein mehr als respektables Ergebnis ein.

Der klare und kurzfristig einsetzende Rückgang ihrer Umfragewerte überraschte die meisten Politikwissenschaftler und Kommentatoren. Als Grund vermuteten viele den im Vergleich zu ihrem bürgerlichen Gegner in der Stichwahl, Sauli Niinistö, unbeholfen und antiquiert wirkenden Wahlkampf der 62-jährigen Halonen, die sich ihrer Sache über lange Strecken wohl auch ein wenig zu sicher schien.

Tarja Halonen wurde am Heiligen Abend des Kriegsjahres 1943 als Tochter eines Bauarbeiters und einer Heimpflegerin in Helsinki geboren. 1979 zog sie als Abgeordnete ins Parlament ein. In verschiedenen Regierungen bekleidete sie über 13 Jahre hinweg nacheinander das Amt einer Gesundheits-, Justiz- und schließlich Außenministerin, bevor sie kurz nach der Jahrtausendwende Präsidentin wurde. Halonen, die aus der lutherischen Kirche Finnlands ausgetreten ist, heiratete ihren langjährigen Weggefährten, den Sozialprofessor Pentti Arajärvi, erst im Jahr nach ihrem Amtsantritt als Präsidentin. Aus einer früheren Beziehung hat Halonen eine erwachsene Tochter. (apa)