Potenzielle Sharon-Nachfolger in neuer Kadima-Partei: Olmert und Mofaz Favoriten

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon ist Spitzenkandidat der von ihm gegründeten Partei Kadima (Vorwärts) bei den Parlamentswahlen im März. Als Nachfolge-Anwärter sind im Gespräch:

EHUD OLMERT
Vizepremier und derzeit amtierender Regierungschef:
Der 60-Jährige ist 2003 in die Regierung eingetreten, nachdem er zehn Jahre Likud-Bürgermeister von Jerusalem gewesen war. Er wurde zu Sharons engstem Verbündeten im Likud, der früheren Partei des Ministerpräsidenten. Er half dabei, den parteiinternen Aufstand unter Kontrolle zu halten, der sich gegen Sharons Gaza-Rückzugsplan richtete. Olmert hat sich wiederholt vage darüber geäußert, dass Israel den Palästinensern bedeutende Teile des Westjordanlandes übergeben solle. Er steht seither im Ruf, eine weniger harte Linie in dem Konflikt mit den Palästinensern zu vertreten. Als Sharon im November die Kadima gründete, gehörte Olmert zu den Ersten, die ihm in die neue Partei folgten.

SHAUL MOFAZ
Verteidigungsminister:
Der 1948 im Gründungsjahr Israels geborene Mofaz ist seit 2003 Verteidigungsminister. Zuvor war er fünf Jahre lang Generalstabschef. Während seiner 35-jährigen militärischen Karriere nahm er an mehreren Spezialeinsätzen teil, 1976 auch an der spektakulären Flugzeuggeisel-Befreiungsaktion in Entebbe in Uganda. Mofaz gilt in Sicherheitsfragen als Verfechter einer harten Linie und ordnete gegen aufständische Palästinenser gezielte Luftangriffe und Häuserzerstörungen an. Israel wurde dafür international kritisiert, die von Selbstmordanschlägen traumatisierten Bürger des Landes unterstützten aber seine Taktik. Trotzdem gehörte Mofaz zu den vehementesten Verfechtern eines Rückzugs aus dem Gaza-Streifen und ist für Verhandlungen über einen palästinensischen Staat, sofern palästinensische Extremistengruppen entwaffnet werden und die Palästinenserführung ihren Sicherheitsapparat mit dem Ziel reformiert, Recht und Ordnung durchzusetzen.

ZIPI LIVNEH
Justizministerin:
Die 47-jährige Politikerin ist die einflussreichste Frau in der direkten Umgebung Sharons. Sie stammt aus einer bekannten ultranationalistischen Familie, unterstützt aber im Prinzip die Rückgabe von besetztem Land an die Palästinenser. Sie betrachtet dies gegen die Verfechter eines "Groß-Israel" als pragmatischen Weg, die jüdische Mehrheit in Israel zu sichern. Als Justizministerin hat sie sich stark für ausländischen Druck auf die palästinensische Regierung eingesetzt, um Extremistengruppen wie Hamas Jihad zu entwaffnen und zu zerschlagen.
(apa)