Post geht an Börse: Europäische Postaktien für Anleger bisher eher etwas enttäuschend!

Nur geringe Kurssteigerung bei TNT & Deutscher Post Begriff "Volksaktie" wird in Deutschland vermieden

In Europa notieren seit 1998 bzw. 2000 zwei bis dahin staatliche Post-Monopolisten an der Börse: die niederländische TNT und die Deutsche Post. Obwohl sich beide mittlerweile zu weltweit agierenden Dienstleistern entwickelt haben, haben ihre Aktionäre, die von Anfang an dabei waren, bisher kaum Kursgewinne einstreifen können und mussten sich mit Dividendenzahlungen zufrieden geben.

Im Sommer 1998 kam die niederländische Post, die zuvor den milliardenschweren Kauf des Logistikkonzerns TNT durchgezogen hatte, in ihrer heutigen Form an die Börse. Die Transaktion erfolgte als Abspaltung von der KPN, die heute ein reiner Telekomkonzern ist. Jeder KPN-Aktionär erhielt damals auch eine TNT-Aktie, was einen Wert von etwa 22 Euro repräsentierte. Heute, siebeneinhalb Jahre später, notiert das Papier bei lediglich etwa 26,30 Euro.

Deutsche Post: 1,2 Euro Kurssteigerung in 4 Jahren
Ähnlich das Bild bei der Deutschen Post, wo erst 2005 wieder der Ausgabepreis von 21 Euro (November 2001) erreicht worden ist. Das Papier notierte am 11. Jänner bei 22,20 Euro. Immerhin hat der Konzern, der weltweit 380.000 Mitarbeiter beschäftigt, aber von Beginn an Dividenden gezahlt, Tendenz steigend. Wurden für das Jahr 2000 noch 0,27 Cent an die Aktionäre ausgeschüttet, waren es im vergangenen Jahr (für 2004) 0,50 Cent pro Stück. Auf Basis des Schlusskurses des vergangenen Jahres entspricht dies einer Dividendenrendite von etwa 2,4 Prozent.

Während die Deutsche Post bei ihrem "Going Public" Ende 2000 noch als breit gestreute "Volksaktie" - sozusagen für Börse-Einsteiger - vermarktet wurde, verzichtet man in Deutschland in der Privatisierungsdiskussion mittlerweile auf diesen Begriff: Beim IPO der deutschen Postbank Mitte 2004 verwehrte sich Deutsche Post-Chef Klaus Zumwinkel explizit dagegen und auch in der Debatte um eine (verschobene) Teilprivatisierung der Deutschen Bahn wurde der Begriff eher vermieden.

Hintergrund dürfte die Performance der einst als Volksaktie gepriesenen Deutschen Telekom sein, mit deren Absturz viele Milliarden an (Klein-)Anlegergeldern vernichtet wurden. Noch heute liegt die Deutsche Telekom unterhalb bzw. an ihrem Ausgabepreis 1996. Im vergangenen Jahr wies die einstige Volksaktie die (beinahe) schlechteste Performance im Aktienindex DAX auf. (apa)