Polen könnte € als letztes Land einführen: Wegen mangelndem politischen Wille

Experten rechnen "vielleicht erst mit 2013"

Polnische Experten befürchten, ihr Land könnte als letzter der neuen EU-Staaten der gemeinsamen Währung Euro beitreten. Grund dafür sind die mangelnden Anstrengungen zur Konsolidierung des Haushaltes. Für die polnische Wirtschaft ist das keine gute Nachricht: Die Übernahme des Euro würde sowohl den Exporteuren helfen als auch mehr Investitionen ins Land bringen.

"Auf Grund des Mangels an politischem Willen, die Lage der Staatsfinanzen bald zu verbessern, erwarten wir einen Beitritt zur Euro-Zone erst 2012 oder 2013", sagte Maciej Reluga, Chef-Ökonom der Bank BZ WBK der Tageszeitung "Rzeczpospolita". Auch Kollege Piotr Kowalczyk von der Kredyt Bank sagt, niemand glaube derzeit an einen baldigen Beitritt zur gemeinsamen Währung.

Selbst die Politiker schrauben die Erwartungen inzwischen zurück. "Wir sollten dem Euro so schnell wie möglich beitreten, aber unsere Möglichkeiten sind leider begrenzt", erklärte Finanzministerin Zyta Gilowska vor kurzem. Sie erwarte, Polen werde erst "in etwa drei Jahren" zur Aufnahme von Verhandlungen bereit sein.

Nur Polen führt derzeit keine Gespräche mit EU
Als einziges der neuen EU-Mitglieder führt Polen bisher keine Gespräche mit der EU über eine Einführung des Euro. Polen verfehlt die Maastricht-Kriterien insbesondere beim Haushaltsdefizit. Für das heurige Jahr hat das Parlament zwar noch kein Budget verabschiedet, aber das von der Regierung geplante Loch von 32,6 Mrd. Zloty (8,4 Mrd. Euro) dürfte kaum kleiner ausfallen. Es würde damit 3,2 Prozent des BIP ausmachen - die Maastricht-Kriterien setzen aber drei Prozent als Obergrenze.

"Für uns als exportierende Firma ist ein schneller Beitritt zum Euro sehr wichtig", sagt Stanislaw Sroka, Geschäftsführer von Transsystem, ein Hersteller von Stahlstützkonstruktionen. Denn so würden zum Beispiel die Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos wegfallen. Als "schwarzes Szenario" bezeichnet Ryszard Petru, Chef-Ökonom der Bank BPH, die Vorstellung, Polen könne als letztes der neuen EU-Mitglieder dem Euro beitreten. Die gemeinsame Währung mache es leichter, ausländische Direkt-Investitionen ins Land zu holen, so Petru. Auch Leszek Balcerowicz, Präsident der Nationalbank, ist dieser Ansicht: "Wenn Litauen und die Slowakei früher beitreten, dann wird ausländisches Kapital eher in diese Länder fließen", erklärte er.

Von den zehn EU-Mitgliedern, die 2004 der Gemeinschaft beitraten, haben bereits sieben den Europäischen Wechselkursmechanismus WKM-2 eingeführt. Dieser Mechanismus bindet die Landeswährung durch einen Leitkurs an den Euro und erlaubt eine Abweichung von 15 Prozent. Vor einem Beitritt zur Euro-Zone muss ein Land mindestens zwei Jahre am WKM-2 teilnehmen. Bereits im kommenden Jahr 2007 wollen Slowenien, Litauen und Estland den Euro einführen, 2008 auch Lettland. Die Slowakei peilt 2009, Tschechien und Ungarn peilen 2010 als Beitrittsdatum an.
(apa)