Maximilian Fürnsinn, Propst des 900 Jahre alten Stiftes Herzogenburg, leitet die Konferenz aller Männerordensoberen Österreichs. Mit Sorge beobachtet der Augustiner-Chorherr den Konflikt der Amtskirche mit Helmut Schüllers Pfarrer-Initiative. Kardinal Schönborn kündigte Entscheidungen in Kürze an, Sanktionen nicht ausgeschlossen.
NEWS:
Herr Propst, Kardinal Schönborn selbst ist Dominikaner, also auch ein Mönch. Was würden Sie ihm denn quasi als Ordensmannkollege raten?
Maximilian Fürnsinn:
Eigentlich habe ich ihm nichts zu raten. Meine Intention wäre, die herrschende Pattstellung aufzubrechen, daraus einen positiven Prozess zu gestalten. Ein konstruktives Gespräch über die pastorale Situation in Österreich. Wir sollten einen ungeschminkten Blick auf die Realität werfen.
NEWS:
Sie stimmen, abgesehen vom Begriff Ungehorsam, inhaltlich-sachlich mit der Pfarrer-Initiative überein?
Fürnsinn:
Ein Teil dieser Anliegen ist berechtigt und insgesamt differenziert zu sehen.
NEWS:
Schönborn deutete Sanktionen gegen Schüller & Co an.
Fürnsinn:
Ich würde keine Sanktionen erteilen, wäre aber sehr froh, würde man das Wort Gehorsam nicht mehr verwenden, sondern dafür den Begriff kritische Loyalität einsetzen. Dorthin sollte die Pfarrer-Initiative einen Schritt machen. Zudem: Wenn man den Ungehorsam so hinaufschraubt, ist das auch ein Schlag ins Gesicht der Orden. In Österreich gibt es an die 7.000 Ordensleute, die den Gehorsam gelobt haben, er gehört zu ihrer Lebensgestaltung. Kein blinder Gehorsam, sondern eben kritische Loyalität!
NEWS:
Schönborn sucht die Entscheidung, weil sonst die Gefahr der Irritation der Gläubigen bestünde, sagt er. Ist das so?
Fürnsinn:
Die Realität spricht eine andere Sprache. Wenn 80 Prozent der Gläubigen die Anliegen der Pfarrer-Initiative befürworten, dass man darüber spricht, ist das unglaublich wichtig. Diese massive Diskussion ist für mich gar nichts Negatives! Sie zeigt doch Lebendigkeit in der Kirche und auch, dass viele Menschen Sorge haben um diese Kirche und wollen, dass sie den Schritt in die Moderne vollzieht.
NEWS:
Der Kardinal meint auch, es sei eine Illusion, zu glauben, dass eine liberalere Kirche ihr wieder viel größere Akzeptanz beschere, also vollere Gotteshäuser, so wie seinerzeit in den 1950er- und 1960er-Jahren. Hat er Recht?
Fürnsinn:
Nein. Diese Ideologie von der kleinen Herde teile ich nicht. 70 Prozent der Österreicher sind Christen, das sind viele. Auf diese Menschen muss man bauen, auf sie zugehen, sie in den Blick nehmen, in ihnen Verantwortung wachrütteln, uns von ihnen ansprechen lassen, von ihnen lernen, ihren jeweiligen Lebensformen Platz geben. Ich denke, es darf nicht sein, dass die Mehrheit der Katholiken ihre Heimat verliert. Das ist unglaublich wichtig. Siehe die Orden ihr Beitrag zum Leben der Kirche ist enorm: bis zu 50 Prozent aller Pfarren werden von Ordensmännern geleitet, und wir haben 70.000 Schüler. Die Orden tun sehr viel, dass die Struktur der Kirche Österreichs noch relativ hält.
Kommentare
diese anordnung des oberornanierer schönborn - vertreibt noch die letzten volknahen priester !bin noch römisch katholisch aber wie lange noch ?schade das solche priester vom vatikan aus der kirche geekelt werden !wenn ich da an den unvergesslichen kardinal könig denke dem kann der ar...kriecher schönborn wohl nieh das wasser reichen !amen
Katholiken und Ihr wahres Problem... Das Problem der Katholischen Kirche ist einzig und alleinig dass, dass Sie an althergebrachten
Dogmen, die schon seit Jahrhunderten keinen Sinn mehr ergeben festhalten.
Eine Frau könnte genauso gut wie ein Mann als Priester dem Priesteramt dienen.
Auch im alten Judentum kannte man bei höhergestellten Persönlichkeiten die Scheidung. Diesen wurden dann aber nach der Scheidung keine Sakramente ähnlich unseren Sakramenten verweigert.
Eine Wiederverheiratung geschiedener Personen sollte auch kein Problem darstellen.
Was ist wenn ein Priester oder Ordensmann eine Frau liebt? Ist es wirklich ehrlich wenn die katholische Kirche hunderte "uneheliche" Kinder stillschweigend mit unterstützt und dann noch von Zölibat redet? Ein Priester soll auch eine Familie haben können. Warum nicht? etc. etc.
Re: Katholiken und Ihr wahres Problem... So lange immer wieder erzkonservative Kirchenführer, siehe Ratzinger oder Schönborn, ernannt werden, wird sich in der Kirche nichts ändern. Selbst dann wenn fortschrittliche Kräfte die Oberhand gewinnen sollten, wird es noch Jahrzehnte dauern bis es weibliche Priester in der rk.Kirche geben wird. Denken wir daran wie lange es gedauert hat bis Mädchen zum Ministrieren zugelassen wurden.