Peinliche Blamage für Real Madrid:
1:6-Debakel im Cup bei Real Saragossa

Diego Milito mit vier Treffern Star des Abends Madrid trat im Semifinal-Hinspiel mit allen Stars an

Nach dem historischen Cup-Debakel von Real Madrid war Iker Casillas konsterniert. "Nicht einmal im Training habe ich jemals so viele Tore kassiert", klagte der Teamkeeper nach der blamablen 1:6-Pleite im Halbfinal-Hinspiel des spanischen Fußball-Cups auswärts gegen Real Saragossa sein Leid. Im zweiten Halbfinal-Hinspiel gewann Espanyol Barcelona daheim gegen La Coruna durch ein spätes Tor von Pandiani (90.) mit 2:1.

Dabei war Casillas im Estadio de La Romareda, wo die Aragonier im März 2005 von Austria Magna aus dem UEFA-Cup-Achtelfinale geboxt worden waren, bei weitem nicht der Schuldige an der höchsten Niederlage des "Weißen Balletts" seit sieben Jahren - 1999 unterlagen die Madrilenen in einem Cup-Match ebenfalls in der Fremde FC Valencia sogar 0:6.

Der Kommentator des Madrider Sportblattes "Marca" brachte es am Donnerstag so auf den Punkt: "Ich hätte alle Real-Spieler vom Platz genommen." In der Stadt des Erzrivalen und Meisters FC Barcelona, der vorher im Viertelfinale auch an Real Saragossa gescheitert war, spottete eine Zeitung derweil genüsslich: "Das Ergebnis klingt eher nach einem Satzsieg im Tennis."

Zwar lieferte das Star-Ensemble insgesamt eine miserable Leistung ab - im Angriff klappte nichts, und die Abwehr glich einem löchrigen Käse. Andererseits spielten die Hausherren, die die Rekordserie Barcas nach 18 Partien gestoppt hatten, überragend. Star des Abends war der Argentinier Diego Alberto Milito, dem innerhalb von 19 Minuten Hattrick (14. bis 33.) gelang und später noch Treffer (55.) Nummer 4 erzielte.

Mehr Tore gegen Real Madrid durch einen Spieler hatte es in Spanien Fußball-Geschichte zuletzt vor fast 50 Jahren gegeben: In der Saison 1947/1948 traf Esteban Echevarría für Real Oviedo fünf Mal. Zwei Treffer steuerte Ewerthon bei, das Ehrentor erzielte Julio Baptista in der ersten Hälfte beim Stande von 0:3.

Milito war angesichts seiner Top-Leistung fast benommen und brachte kaum ein Wort heraus. "Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen", stammelte er, ehe er den von seinem Kameraden signierten Ball des Spiels unter dem Arm mit nach Hause nahm. "Bestialisch", "zauberhaft", "kolossal", "fast übermenschlich" habe Real Saragossa gespielt, schrieb die Presse.

"Desaströs", "skandalös", "abgründig" sei dagegen die Reals Leistung gewesen. "Real Madrid hat Totalschaden erlitten", schrieb die Zeitung "El Mundo". Dabei hatten die "Königlichen", so schien es, nach sieben Siegen in Serie in Liga und Cup ihre Krise überwunden. Aber Real-Trainer Juan Ramon Lopez Caro ist ein gläubiger Mann. "Ich vertraue auf Gott", sagte er nach der Blamage. "Nur wer feige ist, sollte denken, dass der Cup für uns gelaufen ist." Saragossa-Coach Víctor Munoz vermochte sich freilich ein süffisantes "wir-sind-ganz-optimistisch" nicht zuverkneifen.

(apa)