Papst-Attentäter muss wieder hinter Gitter: Ali Mehmet Agca jetzt wieder festgenommen!

Italienische Haftstrafe falsch auf türkische gerechnet Agca leistete bei der Verhaftung keinen Widerstand

Acht Tage nach seiner Haftentlassung ist der türkische Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca wieder festgenommen worden. Polizisten hätten Agca am Freitag in Istanbul gefasst, sagte Stadt-Gouverneur Muammer Güler dem türkischen Nachrichtensender NTV. Kurz zuvor hatte das Kassationsgericht in Ankara Agcas Entlassung als rechtswidrig eingestuft und seine erneute Inhaftierung verfügt.

Die vorzeitige Haftentlassung war von einem Istanbuler Gericht auf der Grundlage von Amnestie-Regelungen aus dem Jahr 2002 beschlossen worden. Das Justizministerium hatte dagegen Einspruch eingelegt.

Agca habe bei der Festnahme keinen Widerstand geleistet, es habe keine Probleme gegeben, sagte Gouverneur Güler. Der 48-Jährige sei zum Hauptquartier der Polizei gebracht worden. Die Entscheidung des Kassationsgerichts zu seiner erneuten Inhaftierung sei einstimmig gefallen, berichtete Anadolu. Das Kassationsgericht war von Justizminister Cemil Cicek angerufen worden.

Agca hatte seit 2000 in der Türkei eine Strafe für den Mord an dem türkischen Journalisten Abdi Ipekci sowie für zwei Bankraube verbüßt. Zuvor saß er wegen des Attentates auf Papst Johannes Paul II. 19 Jahre lang in Italien im Gefägnis. Agca hatte den Papst am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Nach der Haftentlassung in der vergangenen Woche wurde Agca von den Militärbehörden medizinisch untersucht und ausgemustert. Damit entfiel die Verpflichtung zur nachträglichen Ableistung des Militärdienstes.

Die türkischen Medien veröffentlichten in den vergangenen Tagen mehrere Briefe Agcas, die als Belege für seine geistige Verwirrung gewertet wurden. Agca unterzeichnete demnach mehrere Briefe mit "Der Messias", er bot seine Dienste bei einem Anschlag auf Terroristenführer Osama bin Laden an und behauptete, er habe einen Vorschlag des Vatikans abgelehnt, ihn zum Kardinal zu ernennen.

Der Chef der Schweizer Garde, Elmar Mäder, wies unterdessen darauf hin, dass der im vergangenen Jahr gewählte Papst Benedikt XVI. leichter vor Anschlägen zu schützen sei als sein Vorgänger. Benedikt XVI. suche bei Begegnungen mit Gläubigen weniger Kontakt mit der Menge, die Besucher würden besser überwacht, sagte Mäder am Freitag der italienischen Agentur ANSA. Die Schweizer Garde ist für den Schutz des katholischen Kirchenoberhaupts verantwortlich. Die direkten Leibwächter des Papstes müssen mindestens acht Jahre in der Schweizer Garde gedient haben.

(apa/red)