Panik und Angst in Millionenstadt: Erdbeben
der Stärke 6,4 erschütterte Südgriechenland

Auswirkungen bis an sizilianische Küste zu spüren Offiziell drei Verletzte, zahlreiche Gebäudeschäden

Die Menschen in Griechenland sind mit dem Schrecken davon gekommen: Ein starkes Erdbeben hat am Sonntag fast das ganze Land spürbar erschüttert. Etliche Gebäude, vor allem auf der Insel Kythera, wurden beschädigt. Offiziell gab es aber nur drei Verletzte. Auf Kreta hätten sich drei Menschen an Glassplittern geschnitten, berichtete der staatliche Rundfunk. Griechische Seismologen hatten bei dem Beben eine Stärke von 6,9 gemessen. Es ereignete sich jedoch in großer Tiefe unter dem Meeresboden.

"Wenn ein solches Beben in der Nähe einer bewohnten Region geschehen würde, wüssten wir nicht, was vorne und hinten ist", sagte sichtlich erleichtert ein Seismologe im griechischen staatlichen Fernsehen (NET). Eine Flutwelle gab es nicht nach dem Beben, das auch in Ägypten, in Süditalien sowie im Südosten der Türkei und auf Zypern zu spüren war. Das Epizentrum lag nach Angaben des seismologischen Instituts von Athen 215 Kilometer südwestlich der griechischen Hauptstadt rund 70 Kilometer unter dem Meeresboden zwischen der Halbinsel Peloponnes und der Mittelmeerinsel Kreta.

Am schwersten getroffen wurde nach Angaben des Zivilschutzes auf der Insel Kythera das Dorf Mitata, das nahe am Zentrum des Bebens liegt. Nach offiziellen Angaben stürzten im Dorf der größte Teil der Kirche sowie vier Häuser ein. Weitere 50 Häuser wurden schwer beschädigt. "Das Beben dauerte lange und war sehr stark", berichtete ein Polizist. Der Seismologe Wassilis Papazahos riet den Bewohnern der beschädigten Häuser, nicht hineinzugehen, bevor die Gebäude nicht statisch geprüft seien. "Ein Nachbeben ist nicht auszuschließen", sagte er weiter.

Nach Berichten von Augenzeugen schwankten in Athen und in anderen Städten Südgriechenlands die Häuser. Die Erschütterungen dauerten in der Hauptstadt etwa 20 Sekunden. Nach Rundfunkberichten versetzte das Beben Millionen Menschen in fast allen Landesteilen in Angst und Schrecken. Tausende liefen auf die Straßen. Die Telefonverbindungen brachen vorübergehend zusammen, da Millionen von Menschen nach dem Erdstoß Kontakt zu Verwandten und Bekannten aufzunehmen versuchten. Am Sonntagnachmittag hatte sich jedoch die Lage in fast allen Landesteilen wieder beruhigt.

Griechenland wird jährlich mehrmals von Erdbeben erschüttert. Deshalb müssen die meisten Häuser erdbebensicher gebaut sein. Der Einhaltung der Bauregeln ist nach Ansicht der Seismologen zu verdanken, dass die Zahl der Opfer im Vergleich zu Nachbarländern in Griechenland gewöhnlich klein bleibt. Die jetzt betroffene Region zwischen Kreta und der Halbinsel Peloponnes liegt an einem rund 1.000 Kilometer langen tektonischen Graben, der im Süden der Türkei beginnt und bis ins Ionische Meer reicht. Entlang dieses Grabens stoßen die afrikanische und die europäische Platte aufeinander. Dadurch kommt es immer wieder zu Erschütterungen. Im Jahre 1903 hatte ein Erdbeben der Stärke acht die gleiche Region erschüttert.

(apa/red)