Pamuk-Prozess eingestellt: Nebenkläger will Entscheidung des Gerichts anfechten

Pamuk wegen "Beleidigung Türkentums" vor Richter EU hatte Verfahren gegen den Schriftsteller kritisiert

Pamuk-Prozess eingestellt: Nebenkläger will Entscheidung des Gerichts anfechten

Der Prozess gegen den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk ist geplatzt, bestätigt der Anwalt Kemal Kerincsiz, der als Vertreter der Nebenklage aufgetreten war. Der zuständige Richter im Istanbuler Stadtteil Sisli habe entschieden, das Verfahren einzustellen, sagte Kerincsiz der Nachrichtenagentur AFP. Der Anwalt kündigte an, er werde noch im Laufe des Tages vor dem Obersten Berufungsgericht der Türkei in Ankara Einspruch gegen die Einstellung des Prozesses einlegen.

Mit einer Entscheidung der Berufungsrichter sei frühestens in einigen Monaten zu rechnen. Am Sonntag hatten türkische Medien die bevorstehende Einstellung des Verfahrens gemeldet.

Pamuk musste sich wegen des Vorwurfs der "Beleidigung des Türkentums" vor Gericht verantworten, weil er im Interview eines Schweizer Magazins gesagt hatte, in der Türkei seien 30.000 Kurden und eine Million Armenier getötet worden. Die EU hatte das Verfahren scharf kritisiert. Bei der Prozesseröffnung am 16. Dezember des vergangenen Jahres entschied das Gericht in Sisli, auf eine Genehmigung des Justizministeriums für das Verfahren zu warten.

Justizminister Cemil Cicek hatte dem Gericht am Sonntag jedoch mitgeteilt, dass er nach den im vergangenen Sommer in Kraft getretenen Reformgesetzen keine Befugnis habe, sich in das Verfahren einzumischen. Darauf habe der Richter nun entschieden, den Prozess einzustellen, sagte Kerincsiz. (apa)