Palästinenser sehen keine großen Auswirkungen durch Sharons Krankheit

Informationsminister erwartet keinen Politikwechsel

Der schwere Schlaganfall des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon wird nach Ansicht der palästinensischen Autonomiebehörde keine unmittelbaren Auswirkungen auf das palästinensisch-israelische Verhältnis haben. Vor den israelischen Parlamentswahlen erwarte er keinen Politikwechsel, sagte der palästinensische Informationsminister Nabil Shaath in der Nacht auf Donnerstag in Gaza, "auch wenn Sharon krank ist und (der stellvertretende Ministerpräsident Ehud) Olmert bis zu den Wahlen in Israel am 28. März übernimmt".

Nach Ansicht von Yasser Abed Rabbo, Mitglied im Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), sind die Auswirkungen der Krankheit Sharons auf den Nahost-Prozess noch schwer absehbar. "Mit oder ohne Sharon, was jetzt kommen wird, wird jenes, was seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten in den letzten fünf Jahren geschehen ist, nicht wert sein", sagte Rabbo. Er wies zugleich darauf hin, dass Sharon die Palästinenser mit "eiserner Faust" behandelt habe.

Für Osama Hamdan, ein führendes Mitglied der radikalislamischen Hamas, hätte Sharons Abwesenheit im Amt schwere Auswirkungen sowohl innenpolitisch in Israel als auch in den Palästinensergebieten. Er forderte die palästinensische Führung auf, sich auf die kommenden Entwicklungen vorzubereiten.

Mitglieder militanter Gruppen, vor allem Aktivisten des Islamischen Jihad, zeigten sich erfreut über den schlechten Gesundheitszustand Sharons. Das palästinensische Volk werde "niemals traurig sein über die Krankheit", sagte ein Dschihad-Führer.
(apa)