Osteuropa zieht sich besser aus der Affäre:
Krise betriff Arbeitsmärkte nur temporär

Exportindustrie ist stärker von der Krise betroffen Für Slowakei bleibt BIP-Wachstum dennoch kräftig

Osteuropa zieht sich besser aus der Affäre:
Krise betriff Arbeitsmärkte nur temporär

Auf den Arbeitsmarkt der zehn neuen Mitgliedstaaten wird sich die internationale Finanzkrise nur vorübergehend auswirken, erklärte Osteuropa-Experte Peter Havlik vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit werde nicht erwartet, denn die meisten dieser Staaten kämpften bereits mit einem Arbeitskräftemangel. Die Situation sollte sich ab 2010 entspannen, wenn wie prognostiziert die globale Wirtschaftskrise weitgehend überwunden sein soll.

So rechnet das WIIW etwa in der Slowakei heuer mit einer Arbeitslosenquote von 10 Prozent, die für die beiden kommenden Jahre um einen Prozentpunkt auf 11 Prozent zulegen soll. In der letzten Prognose vom Juli hatten die Wirtschaftsforscher für 2008 und 2009 mit einer Arbeitslosenquote von 10 Prozent gerechnet, während für 2010 ein Rückgang um 1 Prozentpunkt erwartet wurde. Auch das massiv von der Finanzkrise betroffene Ungarn soll am Arbeitsmarkt kaum etwas von der Krise spüren: Heuer rechnet das Institut mit einer Arbeitslosenrate von knapp 8 Prozent, 2009 sollen es knapp 9 Prozent werden und 2010 wieder knapp 8 Prozent.

Im Schnitt wird die Arbeitslosenrate der zehn neuen EU-Ländern nach der jüngsten WIIW-Prognose in den kommenden beiden Jahren auf 8,2 Prozent steigen. Heuer soll sie 7,3 Prozent betragen und damit um 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert liegen. Im Vergleich dazu rechnet man in der EU-15 mit einem etwas höheren Anstieg der Arbeitslosenzahlen. 2007 betrug die Arbeitslosenquote 7 Prozent, heuer sollen es 7,1 Prozent werden, während im kommenden Jahr 8,1 und 2010 8,4 Prozent erwartet werden.

Exportindustrie wird härter getroffen
Einen größeren Einfluss wird die Krise aber in einzelnen exportorientierten Branchen wie etwa Auto- und Autozulieferindustrie haben. "Dieser Sektor steckt besonders in Schwierigkeiten", erklärte Havlik. Besonders jene Länder, die einen großen Anteil der Autoexporte an den Gesamtausfuhren haben wie etwa Polen, wo der Anteil 2007 bei knapp über 20 Prozent lag, spüren die Krise besonders.

Noch größere Anteile des Autoabsatzes an den Exporten hat nur die Slowakei mit 25 Prozent. Dennoch rechnet das WIIW für die Slowakei mit relativ hohen Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Nach 10,4 Prozent im Vorjahr werden für heuer 7 Prozent erwartet. 2009 soll sich das Wachstum auf 5 und 2010 auf 4 Prozent verlangsamen. Es werden noch immer neue Autowerke in Betrieb genommen. Für 2009 rechnet der WIIW-Experte für die Slowakei, Zdenek Lukas, mit der Produktion von rund 800.000 Fahrzeugen, früher ging man von 1 Mio. neuen Fahrzeugen aus.
(apa/red)