ORF-Erfolg bei Bundesliga-Rechten: Bericht
darf statt 90 Sekunden 7,5 Minuten dauern

VwGH: Pro Spiel dürfen 90 Sekunden gezeigt werden ATVplus: "Wert der Zweitrechte für uns jetzt Null"<br>Bundesliga-"Vize" Pucher: "Mittlere Katastrophe"

Der Österreichische Rundfunk (ORF) darf künftig von der österreichischen Fußball-Bundesliga 90 Sekunden pro Spiel und nicht wie bisher 90 Sekunden pro Spieltag berichten. Das ergibt maximal eine Verfünffachung der bisherigen ORF-Berichterstattung, jedenfalls sind es nun in Summe siebeneinhalb Minuten.

Dies melden am Mittwoch die Internet-Seite des Verwaltungsgerichtshofs http://www.vwgh.gv.at sowie die Donnerstag-Ausgabe des "Kurier".

Abgelehnt wurde vom VwGH "die Auffassung des Bundeskommunikationssenates, dass unter Ereignis die jeweilige Spielrunde zu verstehen sei. Vielmehr ist das einzelne im Rahmen der Bundesliga ausgetragene Spiel als das das Kurzberichterstattungsrecht begründende Ereignis gemäß Paragraf 5 FERG (Fernseh-Exklusivrechtegesetz, Anm.) anzusehen."

Die Erstrechte für die Fußball-Bundesliga liegen bei Premiere, Zweitverwerter ist der Privatsender ATVplus, der derzeit frühestens ab 22:00 Uhr über die Fußballspiele des Tages berichten darf. Dem ORF ist dies dagegen sofort nach Spielende erlaubt.

ATVplus-Chef Franz Prenner kündigte im "Kurier" nun an, nach einer "Nachdenkpause" über das weitere Vorgehen in Sachen Fußball entscheiden zu wollen. "Der Wert der Zweitrechte ist in dieser Form für ATVplus auf Null gesunken", sagte Prenner. Alexander Wrabetz vom ORF zeigte sich mit dem Urteil dagegen naturgemäß zufrieden.

Bundesliga-"Vize" Pucher: "Mittlere Katastrophe"
Die Reaktion der Bundesliga auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs fiel wenig überraschend negativ aus. In einer Presse-Aussendung argumentierten die Liga-Verantwortlichen, dass den Vereinen der Bundesliga die wirtschaftliche Existenzgrundlage entzogen werden könnte. Die TV-Rechte würden im Falle einer Ausdehnung der bisherigen "Kurzberichterstattung" durch den ORF unmittelbar nach Spielende extrem an Wert verlieren, hieß es seitens der Liga.

Insbesondere wäre es künftig für die Bundesliga nur mehr äußerst schwer möglich, die für die Vereine lebensnotwendigen Erträge aus der Zweit- und Drittrechte-Verwertung zu erzielen. "Es besteht die Gefahr für die Bundesliga und ihre Vereine, dass in Österreich künftig aus den TV-Rechten entgegen der Internationalen Entwicklung weit weniger Mittel zu lukrieren sein werden", erklärte Bundesliga-Vorstand Georg Pangl und fügte hinzu: "So wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Vereine massiv eingeschränkt."

"Wir werden in den nächsten Tagen beraten, wie wir den zu befürchtenden Schaden von Liga und Vereinen noch abwenden können", kündigte Pangl an. Für Liga-Vizepräsident Martin Pucher stellte die Entscheidung ein Signal in die falsche Richtung dar. "Für die Auswirkung auf die künftigen Werte und in Bezug auf die existenzielle Basisabsicherung der Vereine bedeutet dies eine mittlere Katastrophe", befürchtet der Präsident des SV Mattersburg. (apa/red)