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OPEC-Treffen in Wien - Saudi-Arabien zu Förderkürzung bereit

Verhandlungen konzentrieren sich auf 32,5 Mio. Fass täglich als Förderdeckel

Bei den OPEC-Gesprächen über eine Förderbremse haben führende Vertreter des Ölkartells trotz aller Differenzen im Vorfeld Zuversicht verbreitet. Vor allem Äußerungen des saudi-arabischen Energieministers Chalid al-Falih schürten Optimismus. Man sei einer Übereinkunft nähergekommen, sagte er zu Beginn der Beratungen am Mittwoch in Wien.

Im Streit mit dem Erzrivalen Iran deutete er Kompromissbereitschaft an. Zudem sei sein Land zu einer "großen Kürzung" der Förderung bereit, um den Ölmarkt zu stabilisieren. Auch der Iran und der Irak sandten ähnliche Signale. Insidern zufolge wurde sogar über eine größere Kürzung beraten als bisher erwogen. Die Hoffnungen auf eine Einigung trieben den Ölpreis in die Höhe. Die führende Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um acht Prozent auf rund 50 Dollar (47,3 Euro) je Fass.

Falih sagte, die Verhandlungen konzentrierten sich darauf, die Förderung von aktuell 33,64 Mio. Fass auf 32,5 Mio. Fass zu senken. Es wäre die erste Drosselung seit 2008. Bei einem Treffen in Algerien hatten sich die oft zerstrittenen 14 OPEC-Länder im September vorläufig darauf verständigt. In Wien soll die Vereinbarung nun festgezurrt werden. In OPEC-Kreisen hieß es, dass sogar über eine noch größere Kürzung gesprochen werde. Die OPEC hoffe zudem, dass sich Ölländer außerhalb ihres Kreises wie Russland an der Förderbremse beteiligen und die Produktion um insgesamt 600.000 Barrel reduzieren, fügte Falih hinzu. Der Minister versuchte allerdings zugleich, die Erwartungen zu dämpfen. Wegen anziehender Nachfrage sei womöglich keine Kürzung nötig. Der Ölmarkt könne sich auch von alleine langsam erholen.

Der Ölpreis hat sich seit Mitte 2014 in etwa halbiert - in erster Linie wegen des riesigen Überangebots bei schwacher Nachfrage im Zuge der mauen Weltkonjunktur. Unklar blieb aber zunächst, ob die angepeilte Vereinbarung tatsächlich eine konkrete Produktionsdrosselung umfasst.

Die großen Ölexporteure ringen seit Monaten um eine Begrenzung der Fördermengen, um der Rohöl-Schwemme Herr zu werden und den Preis zu stabilisieren. Der Preisverfall hat in vielen Ölländern tiefe Spuren in der Wirtschaft und den Staatsfinanzen hinterlassen. Dennoch laufen ihre Pumpen auf Hochtouren. Unterschiedliche Interessen haben bisher eine Einigung immer wieder verhindert. Wegen der Unstimmigkeiten innerhalb des Ölkartells galt eine Übereinkunft auch bei diesem OPEC-Treffen im Vorfeld zunächst als wenig wahrscheinlich.

Vor allem der Iran und der Irak stemmten sich gegen den Druck Saudi-Arabiens, sich in vollem Umfang an einer Förderkürzung zu beteiligen. Iran will Marktanteile zurückgewinnen, nachdem jahrelange Sanktionen gegen das Land im Zuge des Atomstreits aufgehoben wurden. Der Irak macht geltend, die Einnahmen aus dem Ölgeschäft seien nötig, um den Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS zu finanzieren. Der saudi-arabische Minister deutete nun Bereitschaft an, zumindest dem Iran entgegenzukommen. Es sei akzeptabel, wenn das Land seine Produktion auf Vorsanktionsniveau einfriere. Beide Länder ringen um die Vorherrschaft am Golf und in der muslimischen Welt.

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