Olympisches Feuer brennt auf Sparflamme: Kein Interesse für Winterspiele in Italien

Tomba: "Ich hätte mir mehr Anteilnahme erwartet" Von einer Million Eintrittskarten erst 600.00 verkauft

Einen Monat vor dem Beginn der Winterspiele am 10. Februar in Turin brennt das Olympische Feuer in Italien noch auf Sparflamme. Auch der am 8. Dezember in Rom gestartete Fackellauf hat die Begeisterung nicht spürbar anfachen können.

Alberto Tomba, der als letzter Fackelträger gehandelt wird, steht mit seiner Aussage nicht allein: "Ich hätte mehr Anteilnahme für ein Ereignis dieser Art erwartet", klagte der ehemalige Skistar. Ob die Erfolge eines seiner Nachfolger, des Slalom-Seriensiegers Giorgio Rocca, das Interesse in letzter Stunde anheizen können, bleibt abzuwarten. Von einer Million Eintrittskarten sind erst 600.000 abgesetzt worden.

Vom Ziel 800.000 verkaufter Tickets ist das Organisationskomitee noch weit entfernt, an eine Auslastung von 95 Prozent wie bei den letzten Winterspielen in Salt Lake City (mehr als 1,5 Millionen Zuschauer) ist nicht zu denken. 2.500 der 16.000 offiziell zur Verfügung stehenden Zimmer sind noch frei.

Trotzdem zeigt sich Valentino Castellani, der frühere Bürgermeister und Präsident des Organisationskomitees TOROC 2006, mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden: "Turin wird ein sehr guter Gastgeber sein."

Alle Wettkampfstätten und die drei olympischen Dörfer, die Ende Jänner ihre Türen öffnen, stehen bereit. Erstmals sind die Athleten auf drei Dörfer verteilt, was allen kurze Wege zu den Sportstätten garantiert. Das Verkehrskonzept mit ausgebauten Straßen, Sonderzügen und Sammelbussen in die Berge soll einen reibungslosen Transport für die Zuschauer gewährleisten.

3,4 Milliarden Euro lässt sich Italien nach offiziellen Angaben die Spiele kosten. 2,1 Milliarden wurden in die Infrastruktur gesteckt, 1,3 Milliarden umfasst der TOROC-Etat. Das durch die Kürzung des staatlichen Zuschusses von 64 Millionen entstandene Loch soll noch geschlossen werden, ließe sich aber verschmerzen, zumal an einem Prestigegewinn für Turin und die Region Piemont kaum jemand zweifelt.

Die ehemalige Industriemetropole mit ihren 900.000 Einwohnern soll durch die Spiele ein neues Image als "Stadt der Berge" erhalten. Für Mario Pescante, den "Oberaufseher" der Regierung in Rom, wird die Region zum zweiten Wintersportzentrum Italiens neben dem Südtirol aufsteigen. Denn 16 Tage lang werden Turin und das Piemont die Bildschirme in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens beherrschen.

Die Sicherheitsmaßnahmen sind wie bei allen Spielen der letzten Zeit enorm. Sie sollen auch Großdemonstrationen verhindern, die in den vergangenen Wochen wegen einer geplanten Bahntrasse durch die Region für Unruhe sorgten. In Bezug auf mögliche "atmosphärische Störungen" zwischen den Gastgebern und dem Internationalen Olympischen Komitee wegen der Antidoping-Gesetze im Lande setzt man allgemein auf eine "italienische Lösung". (apa/red)