Jetzt ist es also passiert. Das österreichische Team fährt - falls kein Wunder passiert - ohne eine einzige Medaille von den Olympischen Spielen in London nach Hause. Die Sportler können aber nur wenig dafür. Im Gegenteil. Dafür, überhaupt so weit gekommen zu sein, gebührt ihnen großer Respekt. Schuld an der Medaillenarmut sind Funktionäre und Politiker, die sich gerne in zufälligen Erfolgen sonnen. Ein System steckt nämlich nicht dahinter. Für Österreich gilt vielmehr: Erfolg ist, wenn man ihn trotzdem hat.
Da wäre etwa das angebliche Schwimmwunder, das es nie gab. Für die Erfolge waren Markus Rogan und Mirna Jukic quasi im Alleingang zuständig. Und während Jukic die Karriere beendet hat, durfte sich Rogan in London nur deshalb zum Kasperl machen, weil ihm immer noch kein heimischer Schwimmer das Wasser reichen kann. Außer Dinko Jukic. Der hat seine besten Jahre sogar noch vor sich, wird aber wohl auch allein bleiben. Was diese drei nämlich gemeinsam haben ist, dass sie sich ihre Erfolge in Eigenregie erarbeitet haben. Noch dazu gegen diverse Widerstände. Die Jukic-Familie musste sich deshalb sogar von einem Funktionär als "Tschuschen" beschimpfen lassen. Gewichtheber Matthias Steiner wollte sich das gar nicht erst antun, flüchtete nach Deutschland und wurde dort Olympiasieger.
Ein weiteres Beispiel für die heimische Misere bietet das Tischtennis. Österreich hat beachtliche Erfolge gefeiert, Werner Schlager wurde sogar Weltmeister. Eben jener Werner Schlager hat aber mittlerweile mit 39 Jahren ein biblisches Sportalter erreicht und ist immer noch unersetzbar. Chen Weixing ist überhaupt schon 40, der gebürtige Ungar Robert Gardos mit 33 der Junior. Die Damen Li Qiangbing, Liu Jia und Amelie Solja sind zwar jünger, haben den Sport aber allesamt nicht in Österreich erlernt. Der eigene Nachwuchs dürfte einen bestenfalls überschaubaren Druck auf die Spitze ausüben. Und da liegt der Hund begraben.
Zufällige Erfolge
Das ist aber weder ein exklusives Problem einzelner Sportarten, noch neu. Fragen Sie mal Peter Seisenbacher, wie es ihm trotz zweier Olympiatitel ging. Es zieht sich wie ein roter Faden durch Österreichs Sommersport. Zufällig und fast immer in Eigeninitiative feiern Ausnahmekönner große Erfolge. Im Glanz dieser Sportler sonnen sich dann diverse Funktionäre und Politiker und loben die tolle Arbeit, an der sie nicht beteiligt waren. Der ÖSV macht im Winter vor, wie es geht: Lückenlose Nachwuchsförderung und Ausbildung, die zu einer riesigen Menge an erfolgshungrigen Jungsportlern führt. Wer sich da durchsetzt, wird erfolgreich. Wer nachlässt, fliegt raus. Erfolg im Sport ist eben ein hartes Brot.
Aber Erfolg ist planbar, kostet Geld und ist auch in Österreich möglich. Statt landesweit verteilter, hochwertiger Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten gibt es bei uns aber ASVÖ, ASKÖ, Sportunion, Bundes-Sportorganisation und das ÖOC. Alles Dachverbände mit Funktionären zum sprichwörtlichen Saufüttern. In den Genuss des Heeressports zu kommen, ist mehr eine Lobbying-Frage als eine der Leistung. Und in den Schulen ist der Sport mittlerweile sowieso fast abgeschafft. Dabei muss Sport schon im Kindesalter gefördert werden. Und allen willigen Talenten muss dann die Möglichkeit geboten werden, sich leistungsorientiert entwickeln zu können.
Österreichische Hindernisse
Hier ist vor allem die Politik gefordert, erfolgsorientierte Rahmenbedingungen zu schaffen - oder sich nicht über mangelnde Erfolge zu beschweren. Aktuell ist Österreich aber leider kein Sportland. Erfolgreiche Athleten werden zwar gefeiert, als viel mehr denn liebe Deppen werden sie aber nur selten gesehen. Und aus Schule, Studium oder Beruf kommen in der Regel mehr Hindernisse als Unterstützung. Die traurige Realität: Sportlicher Erfolg entsteht in Österreich meistens trotz und nicht wegen der Voraussetzungen.
Kommentare
Sport ist Arbeit, Arbeit aus Sport Überlegt mal, wie viele Menschen am Wintersport beteiligt sind, nicht Sportler.
Wenn jede Sportart so gefördert würde wie der Schisport, mit Nachwuchsarbeit etc, wieviele Menschen hätten dann einen Job. Trainer, Betreuer, Zeug- oder Platzwart, sooo viele Arbeitsplätze. Klar, im Fußball gibts diese Leute auch, und trotzdem ist Österreich im intern. Fußball nicht vertreten. Aber im Schisport gibts erst dann Kohle, wenn man einen Leistung vollbracht hat. Jedesmal! Und bei den Fußballern hab ich immer das Gefühl, dass einmal Leistung erbracht wird, genau so lange, bis man einen ordentl. Vertrag in Händen hält, dann schießt man halt ab und an ein Tor und das war es. Ich hab schon lange keinen österreichischen Sportler mehr sagen hören: "Es ist mir eine Ehre für Österreich antreten zu dürfen."
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Keiner zwingt die Leute,dass sie Leistungssportler werden müßen, aber für manche ist es ein gutes Gefühl im Mittelpunkt zu stehen und ausreden erfinden,wenn sie versagen.
Re: !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! auf ein Wort - ich finde es spannend, dass ein Sportminister (welche Ironie, dass er gleichzeitig für die HSNS zuständig ist und dort das Budget kürzt) glaubt, zum Thema Olympiateilnahme plötzlich den scharfen Hund zu markieren. Einer der lebenslänglich vom Turnen befreit war sollte lieber mit seinen Ministerkollegen und innen einmal darüber nachdenken, wieso es so ist wie es ist. Die österreichischen Erfolge waren in den letzten Jahren vor allem bei den Sommersportarten nur dadurch zustande gekommen, da es immer wieder Leute gab, die sich in selbstausbeuterischer Art dem Sport verschrieben hatten. Da solche Typen aber immer weniger zu finden sind, sollte vielleicht einmal dem Übel auf den Grund gegangen werden.
Vorbild Das es auch anders geht zeigt der Skiverband !!! Dort haben wir jede Menge Olympiasieger ;-))
Es muss einfach einmal Schluß sein mit diesen Pensionistenverbänden, da sitzen teilweise Personen auf Sesseln, und wissen gar nicht warum Sie dort sitzen.
Bestes Beispiel ist der ÖFB da gibt es nur Freunderlwirtschaft, Personen werden auf Positionen gesetzt weil Sie das richtige Netzwerk haben. Teilweise werden dann diese Positionen/Sessel schon fast vererbt ;-))
Da muss einfach aufgeräumt werden, das ganze gehört längst auf proffessionelle Beine gestellt.
Änderungen bei Förderungen längst überfällig die Verbände sollten eine Art Mindestförderung bekommen, damit Sie ihre täglichen Arbeiten erledigen können. Dazu dann eine Förderung für besonders begabte Sportler mit Siegchancen
Re: Vorbild Skiverband - international ist Skifahren ja null wert, dass kann man weder weltweit ausüben noch gibt es dort internationale beteiligung.
ich stimme voll zu, es muss förderung für talente geben und es muss professional an die sache herangegangen werden. aber wir sind ein land voll mit schulterklopfern die nur jubeln wenn es gut läuft, da gibt es bis auf die eltern keine echten unterstützer!!!!
Re: Vorbild das stimmt schon, dass skifahren weltweit kaum stellenwert hat. das ändert aber nix daran, dass der skiverband nahezu perfekt arbeitet. wenn man das ähnlich aufzieht, funktioniert das in jedem sport.
Re: Vorbild jetzt weiss es jeder besser,aber das sich jeder selber bei der Nase nehemen muss ist ein Frendwort. Wir trainiere oft mit dem Rennrad aber vieleicht 10 bis 20sec. hinter einer Gruppe herfahren wird man angehubt,beschimpft und alles mögliche genannt.
Re: Vorbild @luekidueki: Also wenn du aus der Sahelzone kommst ist Skifahren vielleicht nichts Wert aber wer sagt das es international nichts wert ist? Welcher Sport (außer Fußball) ist international was wert?
Wir... ...sind weltmeister bei den Funktionären im Sport,zitat von Werner Schlager,dem kann ich nur zustimmen.
So viel nullen auf Posten ,von denen sie nix verstehen,(Regierung inbegriffen!!),kann sich nur Österreich leisten.Wenn man sieht wie manche Sportler unter miesen bedingungen trainieren müssen ist es kein wunder ,dass wir im Leistunssport hinterher laufen
Gratulation zu diesen Artikel. Mein Sohn geht auf eine Sportmittelschule und die Angebote über die Schule sind ausser Fußball wenig bis keine vorhanden. Wenn man da nicht selbst etwas tut geht da gar nichts. Ist leider so und wird sich auch so schnell nichts ändern.
Re: Gratulation Da muss ich Ihnen leider nur zustimmen. Und dort, wo noch halbwegs vereinstaugliche Sportstätten sind (mit Randsportarten), versucht man alles, diese verkommen zu lassen und zu schließen. Traurig, aber wahr. Fußball ist in Wien und Ö alles - und nicht einmal da sind wir erfolgreich. Nicht auszudenken, würde man hier einmal einen Pilotversuch riskieren und andere Sportarten fördern. Wir waren im Springreiten, Judo, Rudern zeitweise wirklich Weltklasse - schade, dass man es hier verabsäumt hat, anzuknüpfen. Und das würde aber schon im Schulsport (mit 2 Sportstunden in der Woche ?!?!) beginnen.
Re: Gratulation So sieht die Wahrheit in Österreich aus.
Wenn man es selbst erlebt hat, kann man es erst beschreiben. Im Sport ist es so, dass die Jugendfunktionäre gerade in Sportleistungszentren Erfolge brauchen, somit werden die meist körperlich Älteren (Jugend sind viele schon mit 14 körperlich wie 18) den talentierten vorgezogen.
Es werden weder, körperliche Analysen zum Talent durchgeführt noch werden die jungen Leute nach den Talenten gefördert.
Wenn dann der Bereich 16bis 18 kommt, am Sprung zum Profi, hören dann viel auf, da die Ausbildung und der Leistungssport nicht möglich ist. Viele gute Sportler gehen in normale Schulen, wie HTL, HAK.
Das System funktioniert nach dem Prinzip. Die Eltern kümmern sich um training, Material und finanzielles.
Re: Gratulation Ein erster Schritt in die richtige Richtung könnte dafür mit der neuen Ballsportakademie geschehen.
Diese entsteht bei der Generali Arena, im 10ten Bezirk und soll dann nahezu alle Ballsportarten abdecken.