ÖSV-Adler räumen ab: Silber und Bronze bei Skiflug-WM - Aber Gold für Norwegen

Ljökelsöy gewinnt Einzel - Swider 2. Morgenstern 3. Koch geht als 4. leer aus - Ahonen, Janda geschlagen

Zwei Medaillen am Kulm! Österreichs Skispringer haben mit tollen Vorstellungen bei der 19. Skiflug-WM die bisher mäßigen Saisonleistungen vergessen lassen und die ersten Einzelmedaillen bei Großereignissen seit fünf Jahren erobert. Andreas Widhölzl und Thomas Morgenstern segelten vor mehreren zehntausend Fans nach vier Flügen von der größten Naturschanze bei Bad Mitterndorf/Tauplitz am Freitag und Samstag zu Silber und Bronze. Besser war nur Roar Ljökelsöy. Der Norweger verteidigte vor den Augen von Box-Legende Muhammad Ali mit 25,6 Punkten Vorsprung seinen Titel von Planica 2004 erfolgreich. Heute (ab 13.45 Uhr LIVE auf networld.at) folgt zum Abschluss der WM das Mannschaftsspringen.

Der 29-jährige Widhölzl durfte sich sechs Jahre nach seinem zweiten Rang in Vikersund (Norwegen) erneut über den Vize-Weltmeistertitel im Skifliegen freuen. Er schob sich am zweiten Tag mit 191,0 und 208,5 m von Rang fünf nach vorne. Die Enttäuschung über die schlechten Bedingungen im zweiten Durchgang am Freitag und die verspielte Führung steckte der Tiroler weg und kehrte am Finaltag den großen Flieger hervor.

"Ich habe gehört, dass Morgi 210,5 m geflogen ist und habe mir gedacht 'sauber, jetzt magst einen runterkleschen'. Das hat mich auch angespornt", freute sich der dreifache Familienvater über Edelmetall bei seinem erklärten Saisonhöhepunkt. Und Morgenstern sorgte mit Rang drei dafür dafür, dass der ÖSV zum zweiten Mal nach dem Doppelsieg durch Andreas Felder und Franz Neuländtner 1986 zwei Skiflug-WM-Medaillen holte.

Morgenstern wurde nach seinem letzten Flug auf die Tageshöchstweite von den Gefühlen überwältigt. Martin Koch hatte als Vierter nach drei Durchgängen 199,5 m vorgelegt und sein Villacher Klubkollege nahm volles Risiko. Der 19-Jährige segelte auf die Höchstweite und wurde mit Bronze, seiner ersten Einzel-Medaille bei den "Großen", belohnt. "Ich wollte immer eine Einzelmedaille bei einer WM holen. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen, ein Wahnsinn", jubelte der Ex-Junioren-Weltmeister, der einen Preis für den weitesten Sprung der Konkurrenz erhielt. "Das war ein Flug zum Genießen", sagte er.

Nur "Blech" für Koch
Für Koch blieb trotz starker Leistungen nur "Blech", 10,4 Punkte hinter Morgenstern. Der 23-jährige, der in der Olympia-Saison die Rückkehr an die Spitze geschafft hat, bekommt am Sonntag (13:45/live ORF 1) die Chance, im Teambewerb nachzuziehen. Schon am Samstag bewiesen die erfolgreichen Österreicher in ihren Kommentaren Mannschaftsgeist. "Ich hätte es dem Martin auch vergönnt, er hätte es sich gleich verdient wie ich oder der Morgi", meinte Widhölzl.

Cheftrainer Alexander Pointner fiel ein großer Stein vom Herzen. "Ich bin stolz auf meine Athleten. Wir haben sehr hart gearbeitet und haben uns den Erfolg wirklich verdient. Ich bin überglücklich", sagte der Coach, der sich nach den zwei WM-Goldenen mit dem Team in Oberstdorf 2005 über die ersten Einzelmedaillen freute. "Die Leistung war fantastisch. Es waren vier Leute, die wirklich einwandfrei geflogen sind."

Pointner bestätigte auch gleich das Quartett des Einzelbewerbs - Andreas Kofler, der im Weltcup den bisher einzigen Podestplatz im Olympia-Winter erreicht hatte, belegte Rang 14 - für die Team-Konkurrenz, bei deren Premiere 2004 es Bronze für den ÖSV gegeben hatte. "Die Aufstellung ist fix, die Reihenfolge müssen wir uns noch überlegen. Wir lassen's morgen wieder krachen." Auch diesmal sind Titelverteidiger Norwegen und Finnland die größten Konkurrenten.

Endergebnis
1. Roar Ljökelsöy NOR 788,0 (202,5/207,5/190/207,5)
2. Andreas Widhölzl AUT 762,4 (205,0/182,5/191/208,5)
3. Thomas Morgenstern AUT 752,2 (195,5/195,5/182/210,5)
4. Martin Koch AUT 741,8 (203,0/189/182,5/199,5)
5. Michael Uhrmann GER 721,3 (193/182,5/188/195,5)
6. Andreas Küttel SUI 719,0 (192,5/192,5/177,5/190)
7. Jakub Janda CZE 717,1 (192,5/183,5/177/200)
8. Janne Ahonen FIN 715,8 (192,5/197/167/195)
9. Janne Happonen FIN 714,6 (184/188/184,5/196,5)
10. Björn Einar Romören NOR 707,4 (189/192,5/168,5/197)
11. Matti Hautamäki FIN 702,0 (178,5/188/187/189)
12. Tommy Ingebrigtsen NOR 701,1 (179,5/193,5/181,5/188,5)
13. Michael Neumayer GER 689,2 (187,5/192,5/177/181,5)
14. Andreas Kofler AUT 681,8 (191,5/172,5/172,5/190)
15. Robert Kranjec SLO 678,5 (193/195/172/170)

(apa/red)