Österreichs Skistar Benjamin Raich in NEWS
kämpferisch: "Ich will in Kitzbühel siegen"

Etabliert sich Benni in Kitzbühel als Olympia-Star? PLUS: Raich im Interview: "Wirke vielleicht zu brav"

Wenn Benni Raich mit dem strahlendsten Bubenlächeln im Skizirkus die Zähne blitzen lässt, könnte er fast den Schnee zum Schmelzen bringen. Das allerdings käme ihm fürwahr ungelegen, hat diesen doch zurzeit niemand besser im Griff als er. Benni Raich in Zahlen, die letztlich immer das letzte Wort haben:

* Knapp mehr als 100 Punkte Vorsprung in der Gesamtwertung nach nur 21 Rennen.

* Erklärter Favorit für die Olympiadisziplinen Slalom, Riesenslalom & Kombination.

* Und präsumtiver Winner des kommenden Ski-Happenings in Kitzbühel.

Zuzutrauen ist dem 27-Jährigen schlicht alles - selbst ein Ausfall, niemals aber Ausfälligkeiten. "Der Benni ist", sagt ein Insider aus den Reihen des ÖSV, "der programmierte Siegertyp. Wenn wir ihn nicht hätten, käme nach Hermann Maier nichts."

Wutausbrüche? Fehlanzeige
Als Raich vergangenen Sonntag in Wengen, zum vierten Mal Halbzeitführender, im Slalom den dritten Ausfall verzeichnete, ließ der Wutausbruch zu wünschen übrig: "Sicher schaut ein Fehler bei Tor drei blöd aus." Vielleicht hätte Raich auch gerne auf den Schnee eingeprügelt, der ihm schon kurz nach dem Start so übel mitspielte. Jedenfalls wedelte er ins Ziel, um Rede und Antwort zu stehen. Natürlich wäre es höchst ungewöhnlich für ihn gewesen, hätte er geschmollt und sich heimlich, still und leise ins Hotel verdrückt. Die Medien sind an seine Professionalität gewöhnt - und nehmen dankend an. Während also Hermann Maier gänzlich unbelästigt durchs Hotel schleicht, kurvt Raich zwischen Interviews und Fototerminen, als hätte er keine Pausen nötig. Frei von Allüren beantwortet er jede Frage, als würde sie das erste Mal gestellt, und zwar auch in fließendem Englisch.

"Der Benni ist total unkompliziert. Der setzt sich zu jedem an den Tisch, egal ob der Maier oder Pimpelhuber heißt", beschreibt ihn etwa Masseur Martin Patsch. "Er ist diszipliniert und zuverlässig", sagt Cheftrainer Toni Giger. "Er will immer das Beste geben", meint Gruppentrainer Andi Evers, "auch vor der Presse." Eine löbliche Tatsache, die ihm diese mit dem Etikett "Musterschüler" dankt.

Dass der nette Benni genau weiß, was er will, hat sich früh manifestiert. Schon als Jugendlicher trainierte er hie und da mit Stephan Eberharter & Co in der damaligen WC-3-Mannschaft von Toni Giger mit, und zwar nicht, weil dieser ihn darum gebeten hat, sondern aus Eigeninitiative. Wohl ahnte der heutige Cheftrainer, welches Potenzial der Teenager in sich trug, dieser wusste längst, wohin er wollte, in den Weltcup, und das so schnell wie möglich. Zur obligatorischen Europacup-Saison musste er fast gezwungen werden, ein Jahr später strahlte Bennis Lächeln schon über die TV-Bildschirme. Bereits als 21-Jähriger feierte er drei Siege und etablierte sich in der Folge in der Weltspitze der technischen Bewerbe.

Beziehung im Rampenlicht
Weichgespült ist Benni Raichs private Beziehung zu Alpin-Kollegin Marlies Schild. Obwohl er mit Informationen über die Liaision, die alle so brennend interessiert, sparsam umgeht. "Wir müssen uns nichts erklären. Es ist beiden klar: Wenn's Zeit zum Trainieren ist, ist eben Zeit zum Trainieren." Diesbezüglich sind also keine Probleme zu erwarten. Vorbei die Zeiten, als Schild vom ÖSV eingeschworen wurde, auf Reporteranfragen Folgendes zu replizieren: "Ja, es stimmt. I hab wen gern, aber i sag net, wen." Als Traumpaar in die Schlagzeilen zu kommen ist aber beiden immer noch unangenehm.

Dort will sich Raich allein der Leistung wegen verewigen. Themen, die über den Sport und seine Leidenschaft, das Reisen, hinausgehen, meidet er, obwohl sein Allgemeinwissen oft und gern gepriesen wird. "Ich gebe nur Meinungen von mir, wenn ich über dementsprechendes Wissen verfüge", bleibt er dennoch vorsichtig. Mit der noblen Zurückhaltung ist es jedoch spätestens bei der Definition seiner Ziele vorbei: "Ich will heuer den Gesamtweltcup gewinnen", ließ er verlauten. Nun denn, am Selbstbewusstsein wird es nicht scheitern.

Und wenn es klappt, weiß er, wem er das zu verdanken hat: seiner skibegeisterten Familie, die ihn von Kindesbeinen an gefördert hat, dem ÖSV und vor allen Dingen sich selbst. Und darüber, so findet Raich, muss er keine großen Worte verlieren. Auch wenn's fad ist.

Die ganze Story lesen Sie im aktuellen NEWS!