Österreicher sind nicht sehr streikfreudig: Das Rekordjahr seit 2. Weltkrieg war 2003

Nach einem ruhigen "Streikjahr 2004" drohen heuer die Postler wegen des geplanten Börsegangs mit Kampfmaßnahmen. Abgesehen von dem Rekordjahr 2003 gelten die Österreicher im internationalen Vergleich nicht als streikfreudig.

Bereits im Dezember 2005 haben die rund 100 Spitzenfunktionäre der Postgewerkschaft einen Streikbeschluss gefasst, für den Fall, dass die Regierung die Österreichische Post AG 2006 an die Börse bringen sollte. Ein Antrag auf "gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen im Falle eines Börsegang-Beschlusses im Ministerrat" ist, wie berichtet, im höchsten Gremium der Gewerkschaft, dem Zentralvorstand, einstimmig - also auch mit Stimmen der Christfraktion angenommen worden.

Streikdrohungen hat es bei der Post allerdings schon häufig gegeben. Große Poststreiks sind aber bis jetzt ausgeblieben.

Im Jahr 2003 streikten fast 780.000 Österreicher unter anderem gegen die Pensions- und die ÖBB-Reform, dazu kam der Gehaltskonflikt der AUA-Piloten. In der Streikstatistik des ÖGB schlug sich das Rekordjahr mit 10,4 Millionen Streikstunden oder 1,3 Millionen Streiktage zu buche. Die Streikdauer je Beschäftigten betrug 3 Stunden 16 Minuten und 48 Sekunden.

Allein am Aktionstag am 6. Mai 2003 gelang es der Gewerkschaft, rund eine halbe Million Menschen gegen die Pensionspläne der schwarz-blauen Regierung zu mobilisieren. Am 3. Juni folgte der größte Streik der Zweiten Republik, an dem rund eine Millionen Menschen in rund 18.000 Unternehmen teilnahmen und die Arbeit einen Tag lang niederlegten. Genützt hat der Streik nicht viel: Die Pensionsreform wurde trotzdem beschlossen.

2004 war die Streiklust der Österreicher wieder vorbei. Lediglich 30 Beschäftigte der Fahrradbotenfirma Veloce haben im März und im April gestreikt.

Das zweitstärkste Streikjahr seit 1950 war 1962 mit 779.182 Beteiligten. Damals streikten die Metaller und die Exekutive. Drittstärkstes Jahr war 1950 mit 4,04 Millionen Streikstunden gegen Preis- und Lohnabkommen.

Die offizielle Streikstatistik des ÖGB gibt es seit 1950. Berücksichtigt werden darin nur vom ÖGB anerkannte Streiks.

Die zehn stärksten Streikjahre der Zweiten Republik
Jahr Streikstunden Beteiligte
2003 10,443.727 779.182
1962 5,181.762 207.459
1950* 4,042.368 28.093
1965 3,387.787 146.009
1948* 2,440.320 5.120
1952 1,283.150 116.991
1956 1,227.292 43.249
1961 911.025 38.338
1973 794.119 78.251
1949* 691.064 25.157

* In den Jahren 1945-1950 wurden nicht anerkannte Streiks nicht erfasst

(apa)