Österreich an letzter Stelle bei Zustimmung
zu EU: Salzburger stolz "Europäer zu sein"

Tiroler und Kärntner halten am wenigsten von Union Aufnahme der Türkei bei Österreichern unten durch

Die Befürwortung eines EU-Beitritts der Türkei tendiert in Kärnten gegen null. Dies ist eines der Ergebnisse der jüngsten Eurobarometer-Umfrage der Europäischen Kommission. Der Detail-Länderbericht für Österreich wurde am Montag in Wien präsentiert. Weitere Ergebnisse: 98 Prozent der Salzburger sind stolz, Europäer zu sein, in keinem anderen Bundesland als diesem sehen so viele Menschen die EU-Mitgliedschaft als "gute Sache". Wie schon zuvor bei der Vorstellung der Gesamt-Umfrage im Dezember in Brüssel bekannt wurde, ist Österreich Schlusslicht unter den 25 EU-Staaten sowohl in der Frage nach der Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft als auch bei der Befürwortung neuer EU-Mitglieder.

93 Prozent der Kärntner lehnen eine Aufnahme der Türkei in die Gemeinschaft ab. In Tirol sind es sogar 96 Prozent, bei drei Prozent Befürwortern. Niedrig auch die Zustimmung im Burgenland mit vier Prozent. Lediglich Salzburg mit den meisten Befürwortern übertrifft den EU-Schnitt von 31 Prozent - allerdings nur um einen Punkt.

Nur 29 Prozent für künftige Erweiterung
Generell sind nur 29 Prozent der Österreicher für künftige EU-Erweiterungen (EU-Schnitt: 49 Prozent), 60 Prozent sind dagegen (EU-Schnitt: 39 Prozent). Insgesamt sind rund 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung gegen einen Beitritt der Türkei. Selbst bei der Aufnahme Kroatiens, für die sich die österreichische Politik einsetzt, liegt die Zustimmung mit 50 Prozent einen Prozent unter dem Durchschnitt der EU-25. Die Erweiterung der Union um Rumänien und Bulgarien, die bereits Anfang 2007 erfolgen könnte, wird in Österreich jeweils nur von 17 bzw. 20 Prozent begrüßt.

Salzburger am EU-freundlichsten
Im Bundesländer-Vergleich sind die Salzburger Spitzenreiter, sowohl was das Vertrauen in die EU als auch was die Identifikation mit Europa betrifft. 61 Prozent der Österreicher sind stolz, Europäer zu sein. In Salzburg sind es jedoch 98 Prozent. Harald Pitters vom Gallup-Institut führte dies unter anderem auf den jahrzehntelangen, konstanten pro-europäischen Kurs der Landesregierungen sowie auf die "Weltoffenheit" durch den Tourismus zurück. In einem anderen westlichen Bundesland mit großem Fremdenverkehrsaufkommen, Tirol, sind mit 43 aber die wenigsten Österreicher "stolze Europäer" - noch vor Kärnten mit 52 Prozent.

Vertrauen in EU in Steiermark am niedrigsten
Das Vertrauen in die EU ist in Wien (38 Prozent), im Burgenland (30 Prozent) und in der Steiermark (26 Prozent) am niedrigsten. Der Vertreter der EU-Kommission in Österreich, Karl Doutlik, erklärte dieses Ergebnis mit den Landtagswahlen und dazugehörigen Wahlkämpfen, die während des Befragungszeitraumes - Oktober/November 2005 - andere Themen in den Hintergrund gedrängt hätten. Im Österreich-Schnitt hatten zuletzt 41 Prozent Vertrauen in die Union, im EU-Schnitt 45 Prozent. Hinter Spitzenreiter Salzburg (56 Prozent) folgen im Bundesländer-Ranking in dieser Frage Vorarlberg (53 Prozent) und Kärnten (51 Prozent).

An letzter Stelle noch hinter der Steiermark rangiert das Burgenland bei der Frage, ob die EU-Mitgliedschaft "eine gute Sache" ist. Ein Resultat, dass Doutlik näher analysieren möchte, zumal dort der zehnjährige Status als Ziel Eins-Fördergebiet von allen politischen Kräften positiv beurteilt und entsprechend kommuniziert worden sei. Im europaweiten Schnitt sah jeder Zweite die EU-Mitgliedschaft als "gute Sache", im Österreich-Schnitt nur jeder Dritte.

Nur 71 Prozent wissen von unserer EU-Präsidentschaft
71 Prozent der Österreicher wissen laut den Erhebungen unter rund 1.000 Menschen Bescheid, dass Österreich heuer im ersten Halbjahr den EU-Ratsvorsitz inne hat. In Kärnten sind es aber nur 29 Prozent. Insgesamt 72 Prozent halten den Vorsitz für sehr wichtig bzw. wichtig. Aber auch hier gibt es große Unterschiede im Bundesländer-Vergleich: Während in Tirol 95 Prozent die Ratspräsidentschaft für wichtig halten, sind es am anderen Ende der Skala nur elf Prozent in Kärnten.

Angesichts der negativen Meinung über die EU in Österreich sei er fast versucht gewesen, mit einer schwarzen Krawatte zur Präsentation der Umfrage zu kommen, zeigte sich Doutlik betroffen. "Wir müssen die Politik und die Darstellung der Politik ändern." Vor allem auf lokaler Ebene müsse man besser agieren. "Ich glaube unerschütterlich an eine Verbesserung."
(apa/red)