ÖIAG gibt Startschuss für Post-Börsegang:
Postler lassen im Widerstand aber nicht nach

Investmentbanken: Goldman Sachs Lead-Manager Aufsichtsrat winkt das Privatisierungskonzept durch

Die Staatsholding ÖIAG hat mit der Auswahl der Investmentbanken für den Post-Börsegang und mit einer Reihe formeller Beschlüsse die geplante Teilprivatisierung des staatlichen Dienstleisters auf den Weg gebracht. Von Bankenseite gemanagt wird das IPO von Goldman Sachs, Raiffeisen Centrobank (RCB) und Erste Bank. Rund 200 Postler protestierten gegen die erwarteten Beschlüsse.

Nach Angaben aus ÖIAG-Kreisen benötigen die Investmentbanken mindestens acht Wochen, um den Börseprospekt zu erstellen. Ein März-Termin für den Post-Börsegang, wie von Finanzminister Karl-Heinz Grasser zuletzt noch favorisiert, wird daher in der ÖIAG als kaum machbar beurteilt. Für das IPO ist die Post-Bilanz 2005 vonnöten, diese soll am 3. März vorliegen.

Die ÖIAG hat bisher erklärt, die Börseeinführung noch im ersten Halbjahr anzustreben. "Der Zeitpunkt wird von der ÖIAG festgelegt, und das wird jedenfalls noch vor dem Sommer sein", sagte Grasser am Montag vor Journalisten.

Ist Börsefähigkeit gegeben?
Den internationalen Part unter den Lead-Managern des Börsegangs wird wie erwartet Goldman Sachs spielen. Die US-Investmentbank hat der Post in einem Gutachten, das - wie die Gewerkschaft betont - bis heute noch nicht zur Gänze bekannt ist, Börsefähigkeit attestiert.

Als österreichische Joint Lead Managers fungieren Raiffeisen Centrobank (RCB) und Erste Bank. Die Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K soll für das Mitarbeiterprogramm und für österreichisch Privatanleger, die Deutsche Bank für institutionelle Investoren (so etwa Fonds oder Versicherungen) zuständig sein.

Privatisierungsauftrag offiziell übermittelt
Vor der Entscheidung des ÖIAG-Aufsichtsrats über die Investmentbanken hat die Bundesregierung in einer außerordentlichen Hauptversammlung der Staatsholding den neuen Privatisierungsauftrag für die Post offiziell übermittelt.

Danach hat das ÖIAG-Kontrollgremium das Privatisierungsprogramm, das bisher auf die Suche nach einem strategischen Partner abgestellt war, geändert und das vom Vorstand vorgelegte Privatisierungskonzept abgesegnet. Die heutigen Beschlüsse erfolgten mit den Stimmen der Kapitalvertreter, gegen jene der Arbeitnehmervertreter.

Post-Gewerkschaft protestiert
Die Sitzungen waren von Protesten vor der ÖIAG-Zentrale in Wien begleitet, zu denen die Postgewerkschaft aufgerufen hatte. Nach Polizei-Angaben haben 200 bis 250 Personen an der Demonstration teilgenommen, in der mit Leuchtkerzen und Trillerpfeifen - von ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch unterstützt - Stimmung gegen den Börsegang (zum jetzigen Zeitpunkt) gemacht wurde. Aus Sicht der Postgewerkschafter ist die Post darauf noch nicht ausreichend vorbereitet.

Der Post-Börsegang ist der letzte Privatisierungsbrocken in dieser Legislaturperiode (bis Herbst 2006). Bis zu 49 Prozent der Bundesanteile sollen an der Börse platziert werden, die Kontrolle soll mit 51 Prozent aber weiter in staatlicher Hand liegen. Eine gesetzliche Absicherung dafür gibt es aber nicht. Finanzminister Grasser verspricht sich einen Verkaufserlös von 400 bis 500 Mio. Euro. Positioniert werden soll die Post-Aktie als "Volksaktie", also als möglichst breit im Publikum gestreut.

AK: "Privatisierungskonzept der ÖIAG ist eine Farce"
Die Arbeiterkammer (AK) hat das Privatisierungskonzept der ÖIAG als "Farce" und Scheinargument" kritisiert: Nach jedem Börsegang großer Unternehmen habe sich gezeigt, dass der Aktienbesitz zu einem überwiegenden Teil bei institutionellen Anlegern - vorwiegend aus dem Ausland - konzentriert gewesen sei.

In das selbe Horn stieß die SPÖ: Für Wirtschaftssprecher Johann Moser ist ein Börsegang vielmehr ein "Postraub". Als Beleg für diese Annahme zog Moser die Ergebniskennzahlen der börsenotierten Deutschen Post und der niederländischen TNT heran: Diese seien doppelt so hoch wie bei der Österreichischen Post AG. Die Umsatzrentabilität bei den Deutschen und Niederländern sei um 50 Prozent höher als in Österreich.

Moser: "Der Gewinn bei der österreichischen Post müsse daher um 45 Millionen Euro gesteigert werden, um an die Zahlen aus den genannten Beispielen heranzukommen. Dieser Betrag entspricht den Ausgaben für 1.200 Post-Arbeitsplätze." (apa/red)