ÖFB-Kader gegen Türkei von

Sie spielen gegen die Türkei

Keine Überraschungen im Aufgebot der Österreicher - Bürger und Sabitzer im Team

ÖFB-Kader gegen Türkei - Sie spielen gegen die Türkei

Teamchef Marcel Koller hat seinen 24-Mann-Kader für das Testmatch am 15. August im Wiener Happel-Stadion gegen die Türkei präsentiert und dabei erwartungsgemäß auf Überraschungen verzichtet. Im Vergleich zum vergangenen Länderspiel-Doppel im Juni in Innsbruck gegen die Ukraine und Rumänien sind die damals verletzt gewesenen Deutschland-Legionäre Christian Fuchs, Martin Harnik und Emanuel Pogatetz wieder dabei, dafür fehlt Bayern-Kicker David Alaba wegen eines Ermüdungsbruchs.

Auch aufgrund der zufriedenstellenden Leistungen in den Spielen und Trainingseinheiten rund um die jüngste Zusammenkunft in Tirol sah Koller von gravierenden Änderungen ab. "Wir haben uns darauf festgelegt, dass wir im Nationalteam ein Team bilden, damit wir nicht bei jedem Lehrgang bei Null beginnen müssen und unsere Philosophie weiterfahren können", meinte der Schweizer.

Janko noch nicht ganz fit
Im letzten Test vor dem WM-Qualifikationsauftakt am 11. September in Wien gegen Deutschland geht es für Koller nun darum, weitere Automatismen einzuüben, etwa das Verhalten bei Ballbesitz oder das Pressing für die Balleroberung. In personeller Hinsicht wird der 51-Jährige möglicherweise noch kleinere Experimente wagen, zumal die Legionäre noch nicht im Meisterschaftsbetrieb sind. "Wir versuchen, eine Mannschaft aufzustellen, die gegen die Türkei ein gutes Ergebnis holen kann."

Wohl kein Thema für die Startformation wird Marc Janko sein. Der Kapitän stieg nach überstandener Muskelblessur erst kürzlich wieder ins Mannschaftstraining des FC Porto ein. "Er ist für uns ein wichtiger Spieler und möchte gerne dabei sein. Aber man kann von ihm nicht erwarten, dass er so wie die Deutschland-Legionäre bei 80, 90 Prozent ist. Er ist mitten in der Vorbereitung", erklärte der Nationaltrainer.

Keine körperlichen Probleme gibt es laut Koller bei Aleksandar Dragovic. Die Auswechslung des Basel-Innenverteidigers am Samstag wegen Muskelbeschwerden sei lediglich eine Vorsichtsmaßnahme gewesen.

Scharner kommt fit zum Team
Ein Kollege von Dragovic in der zentralen Abwehr wurde vom 51-Jährigen neuerlich nominiert, obwohl er in den vergangenen Wochen kein Mannschaftstraining absolvierte. Paul Scharner, der unmittelbar vor einem Wechsel zum Hamburger SV stand, hielt sich zuletzt bei ÖFB-Conditioning-Coach Roger Spry und im Trainingscamp von Eintracht Frankfurt in Schuss. "Doch das ist kein Problem. Er ist ein absoluter Profi, der auf seinen Körper achtet und weiß, was er tun muss, um fit zu sein", sagte Koller.

Ebenfalls wieder mit dabei ist Admira-Teenager Marcel Sabitzer, der Koller im ÖFB-Camp im Juni und auch in den ersten Spielen der neuen Saison überzeugte. Auch Guido Burgstaller zählt wieder zum Kader - dessen nächtliche Eskapade vor einigen Wochen in Klagenfurt ist für Koller erledigt. "Rapid hat schon Maßnahmen gesetzt, für uns ist das Thema gegessen. Wir wollen nach vorne schauen und nicht einen Spieler für einen Fehler drei- oder viermal bestrafen. Er bereut diese Aktion. Das sind Erfahrungen, die man als junger Mensch machen muss und die einen weiterbringen."

Einen ähnlichen Standpunkt nimmt der Teamchef im Zusammenhang mit den Schimpftiraden von Marko Arnautovic gegen einen Polizisten ein. Er werde dieses Thema mit dem Werder-Legionär allerdings noch besprechen, betonte Koller. "Denn es ist uns wichtig, dass Teamspieler nach außen hin gut auftreten."

Schiemer bleibt unberücksichtigt
Keine Berücksichtigung fand Franz Schiemer, dessen Hochzeitstermin im Juni für Unstimmigkeiten mit dem Teamchef gesorgt hatte. "Das ist abgehakt. Aber wir haben eben in Innsbruck Alternativen ausprobiert, und die Jungs haben das dort gut gemacht - warum sollte ich also einen rausstreichen? Ich habe ihm gesagt, er muss Leistung bringen und sich aufdrängen, dann wird er wieder dabei sein."

Gleiches gilt sowohl für die zuletzt starken Roman Kienast und Rene Gartler als auch für Schiemers Salzburger Clubkollegen Stefan Maierhofer. Dafür hat mit Christoph Leitgeb ein anderer "Bulle" die Chance, sich bei Koller positiv bemerkbar zu machen. "Wir wollten ihn schon zweimal dazunehmen, leider war er da immer verletzt. Jetzt sind wir froh, seine Qualitäten im Training sehen zu können."

Leitgeb spielt - Alaba baut Muckis auf
Leitgeb gilt als einer von mehreren potenziellen Ersatzmännern für Alaba, der wahrscheinlich auch für die Deutschland-Partie ausfallen wird. "Wir haben beide die Hoffnung noch nicht aufgegeben, wissen aber auch, dass wir Alternativen suchen müssen." In der Zwischenzeit dürfe sich der Bayern-Legionär im Fitnessstudio austoben, meinte Koller augenzwinkernd. "Er kann an seinem Oberkörper arbeiten und ein bisschen Muckis zulegen."

Koller bittet seine Truppe vor dem Türkei-Match am kommenden Montag und Dienstag jeweils zweimal zum Training - mit Ausnahme der ersten 15 Minuten immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um den kommenden WM-Quali-Kontrahenten keine Informationen zu liefern. "Wir werden gewisse Dinge einüben und wollen nicht, dass uns die Gegner in- und auswendig kennen."

Shopping in der Innenstadt
Gewohnt wird diesmal und wohl auch vor dem Deutschland-Spiel in einem Wiener Innenstadthotel und nicht wie in der Vergangenheit am Stadtrand oder in einem Bundesland außerhalb Wiens. "Das hat nichts damit zu tun, dass die Spieler zu Mittag einkaufen gehen können. Mir ist wichtig, dass sie nicht völlig isoliert sind, das gibt ein bisschen Lockerheit", so die Begründung des Teamchefs.

Die werden die ÖFB-Internationalen auch brauchen, schließlich hat Koller nach Studium aller sechs türkischen Länderspiele unter dem neuen Teamchef Abdullah Avci großen Respekt vor dem Gegner. "Die Türkei spielt mit hoher Aggressivität, mit gutem Pressing und hat auch große individuelle Klasse. Aber unser Ziel ist es, gegen in der Weltrangliste besser platzierte Teams zu spielen, weil man daraus viel lernen kann."

Vor dem Duell mit dem WM-Dritten von 2002, für das bisher 10.000 Tickets abgesetzt wurden, ortete der Nationaltrainer eine teilweise unrealistische Erwartungshaltung. "Manchmal, wenn ich die Zeitungen lese, habe ich das Gefühl, wir sind schon unter den Top Ten der Weltrangliste. Das sind wir aber nicht."

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