OC-Generalsekretär Heinz Jungwirth:
Walter Mayer war Ziel der Polizeiaktion

Kritik an Vorgehen gegenüber Athleten vor Wettkampf Medikamente in ÖSV-Quartieren beschlagnahmt

Mehr als ein Dutzend TV-Teams, mehr als 50 Journalisten - das Österreich-Haus in Sestriere platzte Sonntag mittag aus allen Nähten. Dort, wo wenige Stunden zuvor die Alpin-Rennläufer und Skispringer ausgelassen ihre Medailen gefeiert hatten, stand die Kehrseite des Sports im Mittelpunkt. Nach der Anti-Doping-Razzia der italienischen Behörden in den von ÖSV-Langläufern und Biathleten bei den XX. Winterspielen angemieteten Privatquartieren in der Nacht auf Sonntag stellte sich ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth der Weltpresse.

Leo Wallner, der Präsident des Österreichischen Olympischen Comites, und Jungwirth hatten Sonntag Vormittag ein Treffen mit Jacques Rogge, dem obersten Olympier. Dabei nannte der belgische IOC-Präsident den Grund für die Intervention der Anti-Drogen-Sondereinheit aus Turin und die anschließenden Dopingkontrollen an allen zehn anwesenden Athleten der zwei Sportarten in Sestriere, die sich bis zwei Uhr nachts hingezogen hatten.

Demnach sei am Mittwoch beim IOC in Turin ein Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur eingetroffen, der sich auf den Besuch einer WADA-Kommission im Jänner im ÖSV-Trainingsquartier in Ramsau bezog. Dort waren bei einer versuchten Dopingkontrolle zwar keine Athleten angetroffen, aber ähnliche Dinge gesehen worden, die 2002 die so genannte Blutbeutel-Affäre ausgelöst hatten. Eine Postkarte, die Walter Mayer gemeinsam mit den ÖSV-Biathleten und den Fünf Ringen zeigt, habe zudem den Verdacht genährt, dass Mayer auch bei den Spielen aktiv sei. Man habe gewusst, dass er sich in der Region aufhalte.

Nach diesem WADA-Bericht reagierte der in einer Kommission mit Veranstalter TOROC und dem IOC präsente Regierungsvertreter prompt. Er leitete die Vermutung an die Staatsanwaltschaft Turin weiter, deren Leiter Raffaele Guariniello sich als Doping-Aufdecker einen Namen gemacht hat. "Die Aktion war in keiner Weise gegen Athleten gerichtet, die Staatsanwaltschaft sucht Walter Mayer", gab Jungwirth die Stellungnahme Rogges weiter.

"Wir wollen unsere Position im Kampf gegen Doping erfüllen, wir sind wie die Athleten für Kontrollen, aber nicht zu einem Zeitpunkt, wo sie die Sportler behindern könnten", machte Jungwirth der Presse den ÖOC-Standpunkt deutlich. Ein offizieller Protest oder gar eine Boykottdrohung sei nie ein Thema gewesen. Jungwirth wiederholte, dass Walter Mayer kein Mitglied des ÖOC-Teams in Turin und nur als Privatperson bei den Spielen sei. Die Resultate der Tests werden für die nächsten zwei bis drei Tage erwartet. Jungwirth kündigte die Einsetzung einer ÖOC-Prüfkommission an.

Jungwirth erklärte, die Fahnder hätten aus den Quartieren in San Sicario bzw. Pragelato "gewisse Medikamente" mitgenommen. "Nichts Besonderes, jeder hat gewisse Pulverl", sagte der ÖOC-Generalsekretär. Was genau gefunden wurde, wisse man noch nicht, da gelte es den Polizeibericht abzuwarten. "Aber unsere Athleten wurden hier mehrfach kontrolliert, sie sind sauber. Leider sind sie in ein schiefes Licht geraten."

Zur Tatsache, dass Walter Mayer eine Nacht im Quartier der Biathleten geschlafen habe, sagte Jungwirth, dass die Privatquartiere vom ÖSV angemietet wären und auch unter dessen Aufsicht stünden. Mayer agiere während der Spiele nicht mit dem Team.

(apa)