Nur "Blech" für Perner: Fehlschuss kostet
eine sichere Medaille im Biathlon-Sprint

20 Sekunden fehlen auf einen Platz am Siegerpodest Erster Einzel-Titel für Deutschen Sven Fischer

Ein Zentimeter fehlte Wolfgang Perner zur Glückseligkeit. Der siebente Schuss, stehend abgefeuert, verfehlte das Ziel knapp und verhinderte einen weiteren Medaillengewinn des Olympia-Dritten von Salt Lake City. Der 38-jährige Steirer war aber im Biathlon-Sprintbewerb aber auch nach Rang vier zufrieden. Für den Deutschen Sven Fischer erfüllte sich hingegen bei seinen letzten Spielen der Traum von der ersten Einzel-Goldmedaille.

Der 34-jährige Fischer, der zweimal Staffel-Olympiasieger und siebenmal Weltmeister war, setzte sich dank fehlerfreier Schießleistung mit 8,2 Sekunden Vorsprung auf den Norweger Halvard Hanevold (0 Strafrunden) und 19,7 auf den Norweger Frode Andresen (1) durch. Im Ziel fiel er völlig erschöpft in den Schnee und blieb gleich eine Minute lang liegen. Genug Zeit, um viele Dinge Revue passieren zu lassen. "Ich wollte auch für kurze Zeit meine Ruhe haben. Denn damit ist es jetzt vorbei", sagte der Oberhofer, der Deutschland zum zweiten Biathlon-Gold nach Michael Greis zum Auftakt über 20 km verhalf.

Auch Fischer hatte wie in Salt Lake City den 20-km-Bewerb verpatzt (Rang 17 mit drei Strafminuten), als WM-Zweiter von Hochfilzen 2005 aber dennoch um seine Chance im Sprint gewusst. "Wir laufen über 10 km wieder beide auf das Podest", hatte er der Olympia-Zweite von 2002 zu Perner vor dem Rennen lachend gesagt. "Fast wäre es wieder so weit gewesen", meinte Österreichs Team-Senior.

Verflixter siebenter Schuss
Bis zum zweiten und letzten Schießen war Perner auf Medaillenkurs gelegen. Auf der enorm harten Strecke lief der Ramsauer, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Untertauern lebt, seiner Schwäche vom Auftaktrennen davon. Vor dem Start war er unsicher gewesen, doch die ersten Zwischenzeiten bestätigten ihn. Die Topform war zurück. "Fünf Sekunden hinter Platz eins', haben sie mir zugerufen", erzählte Perner, auf den im Finish alle Augen gerichtet waren. War er doch als viertletzter Starter der letzte Anwärter auf Edelmetall.

Nach dem verflixten siebenten Schuss wusste er, dass die Chance auf Bronze vertan war. Dennoch merkte man ihm keinen Ärger an. "Platz vier ist traumhaft", sagte Perner. "Man weiß, dass man im Sprint Null schießen muss, so gesehen geht der vierte Platz in Ordnung. In Salt Lake City war ich 0,2 Sekunden vor dem Vierten, vielleicht war das die Retourkutsche." In der Strafrunde verlor er rund 25 Sekunden und viel Kraft. Die 20 Sekunden Rückstand auf Andresen waren auf den letzten zwei Kilometern nicht mehr aufzuholen. "Ich war am Ende", gab Perner zu.

Volles Risiko machte sich nicht bezahlt
Recht gut hielt sich auch Christoph Sumann bei seinem Comeback nach einer Verkühlung mit Rang 16 (+1:30,7). "Zwei Fehler sind einer zuviel. Aber man muss im Sprint volles Risiko nehmen", sagte der Steirer. Wolfgang Rottmann unterliefen drei Fehler, da blieb im ersten Einsatz nach einer Erkältung nur Rang 27 (+2:00,2). "Läuferisch habe ich mich nicht schlecht gefühlt, aber die Gesamtleistung hat nicht gepasst", bilanzierte der Salzburger nüchtern. Ludwig Gredler landete mit vier Fehlern nur an der 54. Stelle (3:06,0).

Superstar Ole Einar Björndalen, der 1998 und 2002 jeweils Olympiasieger im Sprint gewesen war, musste sich nach drei Fehlschüssen mit Rang 12 begnügen. "Das war nicht mein Tag", sagte der Norweger. 1:13,9 Minuten fehlten ihm zum sechsten Olympiasieg, der in der Verfolgung nur mit optimaler Schießleistung möglich sein wird. Auftaktsieger Michael Greis belegte ebenfalls nur Rang 35.

Ergebnisse Biathlon-Sprint:
1. Sven Fischer GER 26:11,6 Min. (0)
2. Halvard Hanevold NOR +8,2 (0)
3. Frode Andresen NOR +19,7 (1)
4. Wolfgang Perner AUT +40,0 (1)
5. Vincent Defrasne FRA +42,6 (1)
6. Iwan Tscheresow RUS +54,4 (0)
7. Ricco Gross GER +1:03,5 (0)
8. Mattias Nilsson SWE +1:06,9 (0)
9. Raphael Poiree FRA +1:07,4 (1)
10. Maxim Tschudow RUS +1:08,9 (0)
11. Zdenek Vitek CZE +1:12,8 (1)
12. Ole Einar Björndalen NOR +1:13,9 (3)
13. Ilmars Bricis LAT +1:15,3 (1)
14. Björn Ferry SWE +1:19,5 (2)
15. Alexander Wolf GER +1:22,9 (2)
16. Christoph Sumann AUT +1:30,7 (2)
27. Wolfgang Rottmann AUT +2:00,2 (3)
54. Ludwig Gredler AUT +3:06,0 (4)

(apa/red)