Nordkorea von

Abschied von Kim Jong-il

Beisetzung des verstorbenen Diktators wird von hunderttausenden Menschen begleitet

  • Bild 1 von 15 © Bild: Reuters

    Die Beisetzung von Kim Jong-il glänzt nicht unbedingt mit Bescheidenheit. Hier fährt das Fahrzeug mit dem Sarg auf dem Dach durch die Hauptstadt Pjöngjang.

Mit einer pompös inszenierten Staatstrauer hat die Atommacht Nordkorea vom verstorbenen Diktator Kim Jong-il Abschied genommen. Das Staatsfernsehen zeigte, wie der mit weißen Blumen und einer Parteifahne geschmückte Sarg des Machthabers in einem Autokorso durch Pjöngjang geführt wurde. Vor dem Leichenwagen fuhr eine Limousine mit dem überdimensionales Bild des vor knapp zwei Wochen verstorbenen Staatschefs.

Nach zehn Tagen organisierter Massentrauer säumten noch einmal Zehntausende Nordkoreaner bei starkem Schneefall die Straßen der Hauptstadt, um Kim die letzte Ehre zu erweisen. Viele Menschen, darunter etliche Soldaten, weinten offenbar zügellos oder standen mit gesenkten Häuptern.

Den Leichenwagen begleiteten der Sohn und nicht einmal 30-jährige Nachfolger des Diktators, Kim Jong-un, sowie dessen Onkel Jang Song-thaek (Sung-taek) sowie der Stabschef der Armee, Ri Yong-ho. Ihre herausragende Stellung bei der Zeremonie lässt auch auf die künftigen Machtverhältnisse schließen. Kim Jong-un selbst gilt als politisch wie militärisch unerfahren.

Die Feierlichkeiten glichen, wie zuvor in Südkorea erwartet worden war, in der Gestaltung der Beisetzung von Kim Jong-ils Vater, dem "Ewigen Präsidenten" Kim Il-sung im Juli 1994. Auch dessen Sarg wurde damals in einer Prozession durch Pjöngjang geführt.

"Vater, Vater"
Die Fernsehbilder zeigten schluchzende Bürger, die von Tränen geschüttelt "Vater, Vater" rufen, als der von Armeefahrzeugen begleitete Trauerzug an ihnen vorbeifährt. "Wenn ich den weißen Schnee fallen sehe, muss ich an die Errungenschaften des Generals denken und das treibt mir die Tränen in die Augen", sagte eine Soldatin dem nordkoreanischen Fernsehen. Zu den Mythen, die den langjährigen Herrscher des weitgehend von der Außenwelt abgeschotteten, stalinistisch geführten Landes umranken, zählte seine angebliche Fähigkeit, das Wetter zu beeinflussen. In den staatlichen Medien war im Zusammenhang mit seinem Tod von ungewöhnlicher Kälte die Rede gewesen.

Zahlreiche Trauernde hätten das Bewusstsein verloren, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. "Ich verlor das Bewusstsein, als ich hier trauerte. Ich vermisse Führer Kim Jong Il sehr", wurde die 86-jährige An Ri-ho zitiert.

Zurück im Mausoleum
Die Beisetzungsfeierlichkeiten hatten im Kumsusan-Mausoleum begonnen, wo Kim Jong-il nach seinem Tod in einem Glassarg aufgebahrt worden war. Nach drei Stunden kehrte der Kondukt laut Berichten wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück. Es wurde in Südkorea vermutet, dass der einbalsamierte Leichnam Kim Jong-ils ebenfalls im Mausoleum beigesetzt wird, wo auch sein toter Vater in einem Glassarg ausgestellt wird.

Die staatlich ausgerufene Trauerzeit soll am morgigen Donnerstag mit einer landesweiten Gedenkfeier zu Ende gehen. Zur Mittagszeit sind die Nordkoreaner aufgerufen, eine Schweigeminute einzulegen.

Kaum ausländische Gäste
Ausländische Trauergäste waren am Mittwoch nicht eingeladen - von Ausnahmen abgesehen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking teilte nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap mit, dass der chinesische Botschafter in Pjöngjang an den Feierlichkeiten teilnehmen werde. China pflegt nach wie vor gute Kontakte zu dem weitgehend isolierten Nachbarstaat.

Kim Jong-il ist nach offizieller Darstellung am 17. Dezember im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Er war 17 Jahre an der Macht gewesen. Unter seiner Herrschaft starben nach Schätzungen Hunderttausende von Nordkoreanern an Hunger.