Nordische Kombination: Medaillenkandidat Gottwald will das "Glück herausfordern"!

"Bin bestens vorbereitet und freue mich auf Spiele" Salzburger erwartet auch eine "Materialschlacht"

Er hat fast alles gewonnen, was man gewinnen kann. Nur eines fehlt Felix Gottwald, eine der größten rot-weiß-roten Medaillenhoffnungen für die am Freitag beginnenden XX. Olympischen Winterspiele in Turin, noch in seiner schon umfangreichen Medaillensammlung: Ein großer Einzeltitel. Drei Mal hat er sich vor vier Jahren in Salt Lake City Bronze geholt, für die XX. Winterspiele in Turin bzw. Pragelato hat er sich noch mehr vorgenommen.

Mit konsequentem Formaufbau und konstant guten Leistungen hat er sich wieder ins internationale Blickfeld gebracht, auch wenn diesmal mit Mario Stecher und Christoph Bieler sogar Konkurrenz aus dem eigenen Lager "droht". Zusätzliches Selbstvertrauen gibt dem 30-jährigen Salzburger wohl auch die Tatsache, dass er vor beinahe exakt einem Jahr, am 12. Februar 2005, die Olympia-Generalprobe der Nordischen Kombinierer im Sprint-Bewerb für sich entschieden hat. Am Samstag folgt der erste von drei olympischen Akten, der Einzelbewerb. Gottwald will mit Freude hingehen und es "einfach passieren lassen".

Frage: "Mit welchem Gefühl sind sie zu den Olympischen Spielen gereist?"
Felix Gottwald: "Ich war als sehr junger Athlet in Lillehammer dabei, wo ich einfach einmal die Erfahrung gemacht habe, was Spiele bedeuten. Dann war ich 1998 dabei, wo wir relativ viele Fehler gemacht haben. In Salt Lake habe ich eine ganz gute Leistung gebracht mit drei Medaillen und jetzt schauen wir, was Turin bringt. Ich bin bestens vorbereitet, ich freue mich auf die Spiele und viel mehr kann man eh nicht tun. Es ist nur wichtig, gut Ski zu springen und noch besser lang zu laufen."

APA: "Zuletzt drei Mal Bronze bei den Spielen 2002, welche Chancen rechnen Sie sich jetzt aus?"
Gottwald: "Ich tue nicht Chancen ausrechnen, sondern schau', dass ich meine Leistung bring'. Entscheidend ist, dass man seine Routine und sein Potenzial abrufen kann. Ich freue mich auf den ersten Wettkampf-Tag. Man arbeitet lange genug darauf hin, und dann ist es ein befreiendes Gefühl, wenn man endlich das rauslassen kann, was man sich angeeignet hat."

APA: "In der unmittelbaren Vorbereitung haben Sie die Einsamkeit auf der Höhe gewählt..."
Gottwald: "Ich habe vier Nächte auf der Türlwandhütte, das ist aber ein Hotel, verbracht. Das war einsam, aber eh nur zum Schlafen. Trainiert habe ich unten in der Ramsau teilweise, einmal waren wir unten in Ruhpolding. Die Langlaufeinheiten habe ich schon auch auf 1.700 Metern gemacht, in Filzmoos. Ich wollte nach dem Training in St. Moritz in der Höhe bleiben, weil wir einfach in Sestriere auch relativ hoch schlafen, damit das keine Umstellung wird."

APA: "Natürlich müssen viele Komponenten zusammenspielen, doch alles was Ihnen noch fehlt zum sportlichen Glück ist doch Olympia-Gold?"
Gottwald: "Ich als Athlet habe ganz klare Ziele, habe mich sehr gut vorbereitet und habe aus der Vorbereitung das Optimum ausgereizt. Das Feeling für die Wettkämpfe ist gut, die Freude ist da und das sind Grundvoraussetzungen. Es gibt so viele Athleten, die das gleiche Ziel haben wie ich. Dass ein Sportler eine Olympia-Goldmedaille machen will, ist für keinen ein Geheimnis. Aber eine Goldmedaille machst nicht einfach so. Da muss so viel zusammenpassen, da musst du das nötige Glück auch dazu haben. Aber du kannst das Glück herausfordern und das habe ich versucht, zu machen."

APA: Die Strecke in Pragelato gilt als sehr schwierig, oder?
Gottwald: "Ich habe selten so eine selektive Strecke gesehen. Vor allem, weil sie auf 1.600 m liegt und weil ein Anstieg drinnen ist, der über einen Kilometer lang ist. Was sehr entscheidend sein wird, ist, wie die Verhältnisse sein werden, ob es schnell oder langsam ist, und es ist natürlich auch eine Materialschlacht, keine Frage. Ich hoffe, dass wir gut gerüstet sind, aber wir haben genug Zeit, dass wir im Vorfeld die Strecken austesten. Man darf sich keine Fehler erlauben und man muss gut beieinander sein."

APA: "Kann man sich auf so eine Strecke besonders vorbereiten? Wie sieht es mit der Simulation auf dem Laufband aus?
Gottwald: "Ich habe mir die Strecke beim Weltcup sehr gut angeschaut, war heuer im Herbst noch einmal dort und habe mich wirklich verbunden mit der Strecke. Bisher ist ja noch niemand die 15-km-Strecke da gelaufen, weil wir bis jetzt nur einen Sprint- und einen Team-Wettkampf hier gehabt haben. Man muss sicher ein gutes Feeling in die Strecke reinlegen, weil es am Schluss beinhart ist. Ich habe es nicht auf dem Laufband simuliert, sondern ich habe einfach versucht, die Trainingskomponenten in der Natur einzubauen. Da gibt es ja genügend Anstiege, wo du trainieren kannst."

APA: Und Ihre Meinung zu den beiden Schanzen?"
Gottwald: "Von den Schanzen kennen wir auch nur die große, weil wir nur auf der großen gesprungen sind. Auf das Training im Sommer haben wir verzichtet, weil Sommer und Winter sowieso schwer zu vergleichen sind. Die große Schanze ist mir ganz gut gelegen, da hab ich ein ganz gutes Resultat gemacht, letztes Jahr (lacht). Aber letztes Jahr ist letztes Jahr und heuer ist es wieder was anderes. Jetzt heißt es: Darauf freuen, die Vorbereitung hat gepasst, gesund bleiben und nachher lassen wir es einfach passieren."

(apa/red)