Noch läuft nicht alles rund in Torino: IOC-Präsident Rogge bleibt dennoch gelassen

"Begeisterung wird rasch die Oberhand gewinnen" Knapp vor dem Start kaum olympisches Flair in Turin

Noch läuft der Olympia-Motor in Turin nicht ganz rund, doch Chef-Maschinist Jacques Rogge bleibt trotz der Anlaufprobleme ganz gelassen. "Was zählt ist doch, was ab dem Tag der Eröffnungszeremonie passiert, und nicht, was davor abläuft", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). "Wenn die Spiele einmal angefangen haben, wird die Begeisterung bei den Wettkämpfen die Oberhand gewinnen."

Der Countdown läuft, und eigentlich sind Probleme und Problemchen in der heißen olympischen Vorbereitungsphase normal. Das weiß auch Rogge aus Erfahrung. Der 63-jährige Belgier hat den wichtigsten Posten im internationalen Sport 2001 vom Spanier Juan Antonio Samaranch übernommen, und bei der Vorbereitung von Olympischen Spielen sieht er sich selbst schon als "Oldtimer". Nur: "Die Leute haben ein kurzes Gedächtnis. Es ist nie leicht gewesen, Olympische Spiele zu organisieren."

Die eigentliche Nagelprobe für die Spiele seien die Spiele selbst und nicht deren Vorbereitung, betonte der Belgier. Beispiel Atlanta 1996: Da sei man zuvor regelrecht exstatisch gewesen, alles lief wie geschmiert, "und dann hatten wir Probleme in Atlanta". Gegenbeispiel Athen 2004: Da gab es vorher fast täglich Kritik an den Organisatoren und Medienschelte - "und dann wurden es absolut wundervolle Spiele".

Kaum olympisches Flair in Turin
Die sollen es auch in Torino werden. Noch versprüht die Stadt am Po aber kaum olympisches Flair. Knackig wie eine Kirsche ist die Piemont-Metropole sowieso nicht, ohne Schneekleid sowie wenig Olympia-Schmuck an den Hauptstraßen ist vom größten Wintersport-Spektakel kaum etwas zu spüren. Nach dem Schmuddelwetter mit Regen, Schnee und Matsch der vergangenen Tage war am Dienstag nur die Sonne schon in olympischer Hochform.

Die Vorhut der Turin-Besucher wird auf harte logistische Proben gestellt: Die Ausschilderung in der Stadt ist vor allem für ortsunkundige Autofahrer mangelhaft. Nach Lingotto? Das ist schon mal richtig, wenn man ins Herz der Spiele will, aber die beste Anfahrt zu den Sportstätten, Medienzentren, Hotels und Parkhäusern gerät zum Rätselraten. Nicht nur die Olympia-Touristen, auch die vom Organisationskomitee TOROC angeheuerten Busfahrer, die nicht aus Turin kommen, müssen die Stadt erst regelrecht erfahren.

Während die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen von Tag zu Tag verschärft werden, müssen die Techniker an manchen Wettkampfstätten noch einen olympischen Endspurt hinlegen. Für die ersten Journalisten an der Bobbahn gab es nicht einmal Strom, Glasfaserkabel waren falsch verlegt, Standplätze für die Fotografen noch nicht aufgebaut.#

Noch sind es zwar zehn Tage bis zum Start, aber die Techniker haben harte Vorgaben: Spätestens bis zum 6. Februar muss alles installiert und getestet sein. Dies scheint nur noch mit einem Notplan möglich.

"Jedes Mal, wenn ein Sportereignis in Italien stattfindet, ist es ein kleines Abenteuer", meinte IOC-Mitglied Richard Pound. "Der Transport ist offenbar ein Problem. Turin hatte Glück, dass die Athener fast nicht rechtzeitig fertig wurden und deshalb alle nach Athen schauten. Die Turiner Probleme gerieten so in den Hintergrund", sagte der Kanadier.

(apa/red)