Noch immer im Koma: Sharon nicht auf Kandidatenliste seiner Partei für Israel-Wahl

Das fünfjährige Amtsjubiläum verging unbemerkt Kadima schießt sich im Wahlkampf auf Netanyahu ein

Der seit Wochen im Koma liegende israelische Ministerpräsident Ariel Sharon wird auf der Kandidatenliste seiner Partei "Kadima" (Vorwärts) für die Parlamentswahl am 28. März nicht aufscheinen. Dies berichtete die Tageszeitung "Jerusalem Post" am Dienstag in ihrer Internetausgabe. Eine Kandidatur Sharons werde als "unpassend" angesehen, abgesehen davon, dass er auch nicht die für eine Bewerbung erforderliche schriftliche Erklärung abgegeben habe.

Sharons Amtsantritt als israelischer Regierungschef jährte sich am Montag zum fünften Mal, was aber in der israelischen Öffentlichkeit kaum bemerkt wurde. Selbst die von Sharon gegründete Partei gedachte des Jubiläums laut "Jerusalem Post" nicht, sondern war damit beschäftigt, die bis Mittwoch einzureichende Kandidatenliste für die Knesset-Wahl fertig zu stellen. Bei den 70 der 120 noch zu besetzenden Sitzen ging es aber nur noch um symbolische Plätze, da die Partei allen Umfragen zufolge kaum mehr als 50 Mandate erringen wird. Die Kandidaten für die ersten 50 Knesset-Sitze waren bereits Ende Jänner bestimmt worden.

Im Wahlkampf will sich die Partei offenbar ganz auf den Führer des Likud-Blocks, Benjamin Netanyahu, einschießen. So wurden am Montag Aufkleber mit dem untergriffigen Slogan "Stark gegen Hamas: Khaled Mashaal explodiert vor Lachen" präsentiert. Es handelt sich dabei um eine Anspielung auf den Likud-Slogan "Stark gegen Hamas: Nur der Likud/Netanyahu" und die Tatsache, dass unter Netanyahu als Premier (1996-99) ein israelischer Mordanschlag gegen den Führer der radikalen Palästinenserorganisation Mashaal fehl geschlagen war.

Befragt, wieso die Partei nicht auch die ihr ideologisch ferner stehende Arbeiterpartei angreife, sagte ein Kadima-Stratege der Zeitung: "Dafür besteht keine Notwendigkeit, denn (Arbeiterpartei-Chef Amir) Peretz arbeitet jedes Mal für uns, wenn er den Mund aufmacht." In Likud-Kreisen wurde die harte Gangart der Sharon-Partei als Beleg dafür gewertet, dass ihr Stern im Sinken begriffen ist.

Likud-Block im Aufschwung
Tatsächlich zeigen Meinungsumfragen jüngst ein Erstarken des Likud-Blocks an, nachdem im Zuge der dramatischen Verschlechterung des Gesundheitszustands von Sharon zum Jahreswechsel alles auf einen Kadima-Erdrutschsieg hingedeutet hatte. Sharon hatte den Likud-Block im Vorjahr wegen des innerparteilichen Widerstands gegen die Aufgabe von israelischen Siedlungen im Westjordanland und Gaza-Streifen verlassen. Ihm schloss sich auch der langjährige Arbeiterpartei-Chef Shimon Peres an, der seiner politischen Heimat nach der Abwahl durch die Parteibasis den Rücken kehrte.

Peres führt nun gemeinsam mit dem amtierenden Regierungschef Ehud Olmert die Kadima-Liste für die Knesset-Wahlen an. Umfragen zeigen für die beiden aber deutlich niedrigere Beliebtheitswerte als für Sharon.

(apa/red)