Noch in Haft: Holocaust-Leugner Irving attackiert österreichisches Justizsystem

"Lasse mich von keiner Regierung einschüchtern" Die Aufseher "behandeln mich wie einen Star"

Der britische Holocaust-Leugner David Irving (67) hat in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung "La Stampa" das österreichische Justizsystem scharf kritisiert. "Die österreichische Justiz ist ganz anders als jene in Großbritannien oder Italien. Vieles ist schon von den politischen Parteien beschlossen worden, noch bevor ich vor Gericht auftreten werde. Es ist ein abgekartetes Spiel, oder zumindest fast. Schuldig ist die österreichische Verfassung, nicht ich. Sie verletzt Artikel 19 der Menschenrechtserklärung der EU: Meinungsfreiheit", sagte Irving.

"Ich lasse mich von keiner Regierung einschüchtern. Ich lasse mir nicht sagen, was ich und wo ich etwas denken kann. Vor allem nicht von einem Land wie Österreich, das beweisen will, nicht mehr nationalsozialistisch zu sein, indem es einen bekannten Historiker durch acht bewaffnete Polizisten verhaftet. Und dies wegen einer Meinung, die ich vor 16 Jahren ausgedrückt hatte", sagte der Historiker im Gespräch mit der Turiner Tageszeitung.

Irving betonte, er fühle sich verraten. "Es ist offensichtlich, dass man mich in eine Falle gelockt hat. Man hat mich im modernen Europa mit Gestapo-Methoden behandelt", meinte Irving. Adolf Hitler sei seiner Ansicht nach als "Vater des modernen Europas" zu betrachten. Er sei für die Kristallnacht im Jahr 1938 ungerechtfertigt verantwortlich gemacht worden. Dabei habe er versucht, die Gewaltwelle zu stoppen.

Der Brite betonte, er arbeite im Gefängnis an einem Memoirenbuch. "Ich wollte dieses Buch kurz vor meinem Tod schreiben, doch die Umstände sind hier perfekt für eine Zwischenbilanz meines Lebens. Ich habe bereits 500 Seiten geschrieben", sagte der Historiker.

"Von der Welt gut abgeschottetes Leben"
Irving beschrieb sein Leben hinter Gittern. "Es ist ein von der Welt gut abgeschottetes Leben. Meine Zelle ist zwei Meter mal 2,5 Meter groß, WC inkludiert. Sie ist warm und akustisch gut isoliert (...) Das Gefängnis in Wien ist das älteste von ganz Österreich. Es wurde 1840 für 800 Sträflinge gebaut, jetzt sind wir 1.400 Personen. Der Raum, in dem 70 Menschen essen müssen, ist kleiner als das Wohnzimmer meiner Londoner Wohnung", berichtete Irving.

Das Verhältnis zu den Aufsehern sei gut. "Sie behandeln mich wie einen Star und sind sehr freundlich. Jemand hat bei mir sogar heimlich angeklopft und mich um ein Autogramm gebeten", so Irving.

Sein größter Wunsch sei, nach London zu seiner schwer kranken Frau und zu seiner zwölfjährigen Tochter Jessica zurückzukehren, sagte der Historiker, der bis zu seinem Prozess in Wien in U-Haft bleibt. Irving muss sich dort am 20. Februar wegen Wiederbetätigung nach Paragraf 3 g Verbotsgesetz vor einem Schwurgericht verantworten. Im Fall eines Schuldspruchs drohen ihm ein bis zehn Jahre Haft. Begründet wurde die Verlängerung der U-Haft mit Fluchtgefahr.

(apa)