"Nicht so einfach wie Fiebermessen": IOC vertröstet - Noch keine Doping-Ergebnisse

Rogge: Testresultate eventuell erst am Samstag Neue Ermittlungen gegen zwei weitere ÖSV-Athleten?<br>IOC-Chef: "Mayer der Mann, der Doping organisiert"

Die Ergebnisse der an zehn österreichischen Athleten genommenen Dopingtests liegen laut IOC-Pressesprecherin Giselle Davies weiterhin nicht vor. Aus dem Büro von IOC-Chef Rogge sei aber etwas präziser zu erfahren gewesen, dass es doch bis Samstag so weit sein könnte. Unterdessen wurde bekannt, dass die Ermittlungen der italienischen Justiz auf zwei ÖSV-Athleten ausgedehnt werden sollen. Namen wurden zunächst keine genannt, formelle Schritte wolle die Staatsanwaltschaft erst dann unternehmen, wenn die Ergebnisse der Doping-Tests offiziell vorliegen.

Die Ergebnisse dieser Tests seien nur ein Teil des "großen Bildes", das man sich von der ganzen Affäre machen wolle, erklärte Davies. Die Analyse von Tests dauert normalerweise 72 Stunden. "Dieses Zeitfenster ist aber eine Schätzung. Das ist nicht so eine einfache Sache wie Fiebermessen. Wir untersuchen sehr genau und gewissenhaft. Die Labors machen hunderte von Tests, das kann einige Tage dauern", so Davies. Über die Einsetzung der Disziplinarkommission, wie es IOC-Chef Jacques Rogge angekündigt hatte, wurde noch nicht entschieden.

Sanktionen auch ohne positive Ergebnisse?
Das IOC kann auch ohne positive Testergebnisse nachträglich noch Sanktionen verhängen. "Um jemanden des Dopings für schuldig zu befinden, braucht man nicht notwendigerweise Urin- oder Blutproben", sagte Rogge. "Es kann auch auf Grundlage von Beweisen erfolgen." Ein negativer Test sei nur ein Teil des Verfahrens. "Wir haben Beweise der Polizei, die wir in Kürze bekommen werden. Wenn wir die Schuld von Athleten prüfen, haben wir verschiedene Methoden."

"Mayer der Mann, der Doping organisiert"
"Es ist eine Geschichte, wie sie nicht einmal Hollywood in Szene hätte setzen können." Mayer war nach einer "Blutbeutel-Affäre" 2002 in Salt Lake City bis 2010 vom IOC von Olympischen Spielen verbannt worden. "Für mich ist Mayer der Mann, der Doping organisiert", meinte Rogge. "Die Polizei hat die Schritte getan, die Drogen-Händler zu identifizieren. Und das IOC wird nun deutlich zeigen, dass wir diese Leute nicht dulden, auch nicht in privaten Unterkünften."

ÖSV erwägt Klage gegen Mayer oder Athleten
Der ÖSV schließt eine Klage gegen die Verantwortlichen des Doping-Skandals nicht aus. "Der Verband beabsichtigt, gegen die für die illegalen Dinge Verantwortlichen vorzugehen", erklärte der italienische Rechtsanwalt Gian Paolo Zancan, den der ÖSV nach der Doping-Razzia der Polizei mit der Vertretung beauftragt hat. Wenn die italienische Behörden Anklage gegen Personen erheben sollte, könnte der ÖSV als Nebenkläger auftreten.

(apa/red)