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Der Lockout ist da

Die beste Hockey-Liga der Welt könnte - schon wieder - eine Saison ausfallen lassen

Auch Jonathan Quick, Keeper des Stanley Cup-Siegers LA Kings, hat vorerst frei. © Bild: GEPA pictures

Jetzt ist es amtlich: Das Wunder im Arbeitskampf der National Hockey League ist ausgeblieben, die weltbeste Eishockeyliga befindet sich in ihrem dritten Lockout seit 1994. Teambesitzer und Spielergewerkschaft schafften es nicht, sich auf einen neuen Kollektivvertrag zu einigen. Die letzte Frist für eine Vereinbarung verstrich in der Nacht von Samstag auf Sonntag um Mitternacht ereignislos.

Damit bleiben die Trainingscamps geschlossen, die rund 700 NHL-Profis sind von den Vereinsgeländen ausgesperrt. Aufgrund der verfahrenen Situation könnte der Lockout laut Experten zumindest bis Jahresende dauern. Zuletzt war 2004/05 eine gesamte Saison wegen eines Arbeitskampfes ausgefallen. Daran wagt vorerst noch niemand zu denken. Wann sich beide Seiten jedoch wieder an einen Tisch setzen werde, war vorerst offen. Am 21. September sollten die Camps beginnen, am 11. Oktober die reguläre Saison.

Die Spielergewerkschaft (NHLPA) zeigte sich am Samstag gesprächsbereit, wurde von der Gegenseite aber abgewiesen. "Die NHL teilte uns mit, dass man keinen Grund für ein Treffen sehe", sagte Steve Fehr, der Berater und jüngere Bruder von NHLPA-Chef Don Fehr. Der stellvertretende NHL-Commissioner und Chefjurist Bill Daly bedauerte die Situation: "Wir sind nicht dort, wo wir gehofft haben. Keine Seite ist in der Position, ihr letztes Angebot zu verbessern."

Streit um Rekordeinnahmen

Es geht natürlich ums Geld. Die Spieler haben laut jüngstem Rahmenkollektivvertrag (Collective Bargain Agreement/CBA) bisher 57 Prozent der Jahreseinnahmen erhalten. Sie sind derzeit bereit, ihre Einkünfte für die kommenden fünf Jahre auf 53,2 Prozent zu reduzieren. Jeder Prozentpunkt entspricht pro Jahr rund 25 Millionen Euro. Die Teambesitzer bieten ihren Arbeitskräften bis 2018 aber nur einen Mittelwert von 48 Prozent an.

Dabei macht die NHL jährlich Rekordumsätze. Die Einnahmen sind im aktuellen CBA von 2,1 Milliarden US-Dollar (1,63 Mrd. Euro) im Jahr 2006 auf 3,3 Milliarden (2,56 Mrd. Euro) in der Vorsaison gestiegen. Der Ausfall einer ganzen Saison 2004/05 hatte die Liga davor einigen Kredit und auch Fans gekostet. Zumindest eine Wiederholung dieses Szenarios will die NHL verhindern. "Wir werden in Kontakt bleiben und Sitzungen ansetzen, wenn wir sie für sinnvoll halten", erklärte Daly.

Starschwemme in Europa?

Was schlecht für die amerikanischen Hockeyfans ist, könnte jedoch zum Glücksfall für die europäischen werden. Denn sollte sich nicht bald eine Lösung abzeichnen, werden, wie beim letzten Lockout, zahlreiche Cracks in Europa anheuern. So auch die Österreicher in der NHL. Thomas Vanek (Buffalo Sabres), Michael Grabner (New York Islanders) und Andreas Nödl (Carolina Hurricanes) haben bereits Interesse an einem EBEL-Engagement geäußert, nur Thomas Pöck (Colorado Avalanche) wird wohl in den Vereinigten Staaten bleiben. Er hat einen Zweiwege-Vertrag, weswegen er auch in der zweitstärksten nordamerikanischen Liga, der AHL, spielberechtigt ist. Und die wird regulär beginnen, inklusive Pöck, der für die Lake Erie Monsters, das Farmteam der Avalanche, auflaufen wird.

Andere Stars sind aber bereits in Europa. Die Russen Evgeni Malkin (Pittsburgh Penguins) und Sergei Gonchar (Ottawa Senators) trainieren bereits beim KHL-Verein Magnitogorsk, Superstar Sidney Crosby (Pittsburgh) hat auch angekündigt, sich einen Job in Europa suchen zu wollen und Vaneks Teamkollege Christian Ehrhoff hofft, kommenden Freitag bereits in der DEL für seinen Stammverein Krefeld Pinguine auflaufen zu können. Allerdings wird es wohl weniger "Flüchtlinge" geben als 2004. Damals waren rund 400 Profis in Europa tätig, diesmal haben attraktive Ligen wie die russische KHL oder die schwedische Elitserien aber Hürden aufgebaut, was die Anzahl deutlich verringern wird.

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