Gastkommentar von

Wenigter ist mehr - vom Alten

Sparen ist „Nixtun“: Schulmeister übt massive Kritik am EU-Budget

Stephan Schulmeister © Bild: Format/Michel Debor Heidi Auftrag

Hurra, die EU-Regierungschefs haben sich auf ein Budget geeinigt: Auch die EU muss jetzt sparen, wie ihre Einzelstaaten auch. Allerdings: In anderen Regionen wurde das Sparen nicht zum höchsten Ziel erklärt, dort ist die Wirtschaft auch nicht schon wieder in eine Rezession geschlittert. Grund: Sparen ist ein „Nixtun“. Wenn ich täglich essen gehe, schaffen meine Ausgaben anderen ein Einkommen. Beschließe ich, das einzusparen, so entziehe ich anderen Einkommen. Wo „Nixtun“ zur Leitlinie der Politik wird, schrumpft die Wirtschaft. Der Staat entzieht den Unternehmen und Haushalten Einkommen, also sparen auch sie: Der Wirtschaftskreislauf beginnt an Verstopfung zu leiden. Der Befund ist eindeutig: Je radikaler die Sparpolitik, desto stärker schrumpft die Wirtschaft – von Griechenland bis Italien –, und desto stärker steigt die Staatsverschuldung. Bei immer höherer Arbeitslosigkeit kann man die Staatsfinanzen nicht konsolidieren. Am klarsten zeigte sich dies in der Weltwirtschaftskrise. Die ökonomischen Experten können diese Zusammenhänge nicht wahrnehmen. Sie haben ja der Politik jene Navigationskarte geliefert, deren Anweisungen – „Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, Löhne und Arbeitslosengeld kürzen“ oder „Wenn das Staatsdefizit steigt, mehr sparen“ – uns immer tiefer in die Krise führen. Eine Wende zum Besseren wird es erst geben, wenn diese Navigationskarte entsorgt ist. Die Ökonomen werden das nicht tun (die Karte ist ja ihr Baby), eher schon Politiker, die den Mut haben, eigenständig zu denken. Wie Präsident Roosevelt am Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise. Hätte er nicht die Ökonomen heimgeschickt und lieber selber nachgedacht, hätte es keinen „New Deal“ gegeben.

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