Neuerlich Misshandlungen in russischer Armee? Rekrut soll geschlagen worden sein

Sibirien: Ermittlungen gegen Offizier eingeleitet

Nach der grausamen Misshandlung eines jungen russischen Soldaten ist in Sibirien ein neuer Fall von Gewalt gegen einen Rekruten bekannt geworden. Die Staatsanwalt habe Ermittlungen gegen einen Unteroffizier aus Nowosibirsk aufgenommen, der einen Einberufenen geschlagen haben soll, meldete die russische Nachrichtenagentur RIA-Nowosti am Dienstag. Gegen den Kommandanten sei ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem durch Misshandlungen lebensbedrohlich verletzten Rekruten eine Wohnung angeboten. Bei einer Regierungssitzung nannte Putin den Skandal in einer Militärschule der Stadt Tscheljabinsk ein "tragisches Ereignis" und ein Verbrechen. Dem 19-jährigen Rekruten, dem nach der Misshandlung durch Dienstältere beide Beine, die Genitalien und ein Finger amputiert werden mussten, ging es nach Angaben von Ärzten etwas besser.

Putin forderte in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme eine vollständige Aufklärung des Verbrechens durch Staatsanwaltschaft und Armee. Verteidigungsminister Sergej Iwanow müsse organisatorische Maßnahmen "zur Verbesserung der Erziehungsarbeit in den Streitkräften" ergreifen, ordnete der Präsident an.

Die Armee hatte die Misshandlung und ihre Folgen fast drei Wochen lang geheim gehalten. Die Mutter des Rekruten sagte nach einem Bericht der Zeitung "Komsomolskaja Prawda", unbekannte Anrufer hätten sie mit Drohungen und dem Angebot von Geld zum Schweigen bringen wollen.
(apa/red)