Neuer Vogelgrippe-Infektionsherd in Slowenien: Krankheit rückt nach Westen

PLUS: Erster Verdachts-Fall auch in Deutschland WHO: Verbreitung fast nicht mehr zu stoppen

In Slowenien breitet sich die Vogelgrippe offenbar weiter aus. Bei einer im Ort Legen fünf Kilometer östlich von Slovenj Gradec (Windischgraz) verendeten Graureiher sei das H5-Virus festgestellt worden. Rund um den neuen Infektionsherd nahe der Kärntner Grenze sei eine drei beziehungsweise zehn Kilometer breite Schutzzone erklärt worden, berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA am Dienstagabend unter Berufung auf die Laibacher Veterinärbehörden. Unterdessen ist auch in Deutschland der erste Verdachtsfall von Vogelgrippe aufgetreten.

Damit ist die Vogelgrippe in Slowenien weiter nach Westen vorgedrungen. Da der Ort Legen mehr als zehn Kilometer von der Kärntner und steirischen Grenze entfernt ist, dürften die Schutzmaßnahmen nicht auf österreichisches Gebiet reichen.

Bei weiteren fünf verendeten Vögeln sei der Vogelgrippe-Verdacht bestätigt worden. Sie seien aber bei den zwei bisherigen Infektionsherden Muta und Marburg (Maribor) aufgefunden worden, sodass keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen notwendig seien. Von den Untersuchungsergebnissen seien die Bürgermeister der Städte Marburg und Slovenj Gradec sowie die österreichischen und EU-Behörden informiert worden, teilte die slowenische Veterinärbehörde (VURS) weiter mit.

Unklar sei, ob die sechs Vögel mit der für den Menschen gefährlichen Variante der Vogelgrippe (H5N1) infiziert waren. Entsprechende Untersuchungen sollen durch das EU-Referenzlabor im britischen Weybridge vorgenommen werden.

Erster Verdachtsfall in Deutschland
In Deutschland ist der erste Verdacht auf Vogelgrippe aufgetreten. Auf Rügen seien vier tote Schwäne gefunden worden, sagte die Sprecherin des Bundesagrarministeriums der dpa am Dienstagabend in Berlin. Ein Schnelltest habe bei zweien dieser Schwäne den Verdacht auf den gefährlichen Virus H5N1 ergeben. Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) will sich am Dienstagabend vor der Presse dazu äußern.

WHO-Experten warnen
Die Ausbreitung des Vogelgrippe-Erregers H5N1 ist nach Ansicht des Vorsitzenden des Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Klaus Stöhr, fast nicht mehr zu stoppen. "Das haben wir zwar geglaubt, als das Virus bei den Wildvögeln noch nicht verbreitet war", sagte Stöhr. Durch diesen Übertragungsweg seien aber die bisherigen Eindämmungsmaßnahmen des Erregers wie Gepäckkontrollen und Verbote von Tiertransporten ineffektiv geworden.

"Das zeigt die neue Dimension, die diese Tierseuche genommen hat", sagte Stöhr. "Mit den konventionellen Maßnahmen stehen wir ein bisschen auf verlorenem Fuß."

Der WHO-Experte sieht nun keine effektiven Maßnahmen mehr, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Auch bei der Dauer der Vogelgrippe-Welle zeigte Stöhr sich gegenüber dem Sender pessimistisch. In Asien werde die Seuche beim Hausgeflügel noch "mindestens drei bis fünf Jahre" vorkommen, zudem habe es die Vogelgrippe binnen kürzester Zeit nach Europa geschafft.

"Die Seuche wird sich in den nächsten Jahren sicherlich noch halten." Grund für Panik bestehe aber nicht, da es sich noch um eine reine Tierseuche handle.

Rund 80.000 Hühner in Italien beschlagnahmt
Die Nachricht vom Nachweis des auch für den Menschen gefährlichen Vogelgrippe-Virus H5N1 bei Schwänen in Süditalien hat im Stiefelstaat Besorgnis ausgelöst. Rund 80.000 Hühner und 7.000 Eier wurden von der Polizei seit Samstag beschlagnahmt, teilten die italienischen Gesundheitsbehörden am Dienstag in Rom mit. Beschlagnahmt wurden die Hühner hauptsächlich in Kalabrien und Sizilien.

Die Polizei kontrollierte das Gebiet in drei Kilometer langer Entfernung von den Orten, in denen die toten Schwäne gefunden worden waren. Die meisten Hühner wurden in der Nähe der sizilianischen Stadt Syrakus beschlagnahmt.

In Sizilien, Kalabrien und Apulien waren vor wenigen Tagen insgesamt 22 tote Schwäne gefunden worden. Mindestens sechs der Tiere waren mit dem gefährlichen H5N1-Virus infiziert. Mehrere Landwirte töteten aus Sorge vor der Krankheit ihre Schwäne und Hühner.

Nach einem Treffen mit Experten in Rom versuchte Gesundheitsminister Francesco Storace, die Bevölkerung zu beruhigen. Da es sich bei den toten Tieren um wilde Schwäne und nicht um Zuchttiere gehandelt habe, sei eine Ausbreitung des Virus in Italien höchst unwahrscheinlich. Auch könnten die Menschen weiterhin unbesorgt Hühnerfleisch verzehren, betonte Storace: "Es gibt gute Gründe, die Ruhe zu bewahren", sagte er.(apa/red)