Neuer Gas-Streit bahnt sich an: Jetzt Türkei,
Bulgarien & Moldawien im Clinch mit Moskau

Gazprom will Vertragsänderung: Bulgarien lehnt ab Türkei und Moldawien wollen nicht mehr zahlen

Nur wenige Tage nach der Beilegung des russisch-ukrainischen Gas-Streits zeichnen sich neue Konflikte über von Russland geforderte Preisanhebungen ab. Bulgarien lehnte am Freitag eine von dem russischen Gasversorger Gazprom geforderte Preissteigerung entschieden ab. Die von Gazprom verlangte Vertragsänderung sei für Bulgarien nicht akzeptabel, sagte eine Sprecherin des Energieministeriums in Sofia.

Die Türkei erwog, ein internationales Schiedsgericht anzurufen, wenn die Verhandlungen mit Russland über die Gaspreise scheitern sollten. Auch Moldawien hat sich bisher nicht bereit erklärt, künftig höhere Preise für russisches Gas zu zahlen und musste daher am Freitag den sechsten Tag in Folge auf Lieferungen aus dem Nachbarland verzichten.

Zwischen Russland und Bulgarien gibt es nach bulgarischen Angaben einen bis 2010 gültigen Liefer-Vertrag. Bulgarien bezieht einen Großteil seines Gases vom weltgrößten Gasversorger Gazprom. Durch das Land laufen auch die Leitungen, die die Türkei, Griechenland und Mazedonien mit russischem Erdgas versorgen. Gazprom verrechnet dafür eigentlich zu zahlende Durchleitungsgebühren mit der Gas-Rechnung an Bulgarien und berechnet Sofia einen Sonderpreis.

Nun will Gazprom nach bulgarischen Angaben die Preise auf "marktübliches Niveau" anheben und im Gegenzug die Gebühr für die Durchleitung in Bar bezahlen. Nach Angaben des bulgarischen Energieministeriums kostet unter den derzeitigen Bedingungen geliefertes Gas etwa 83 Dollar (68,6 Euro) pro 1.000 Kubikmeter. Außerhalb dieses Vertrages zugekauftes Gas koste 257 Dollar. Bulgarien deckt seinen Energiebedarf zum Großteil über Atomkraft und Kohlekraftwerke ab und hat deshalb zwischen Jänner und November 2005 nur moderate 2,73 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht. Durch die Leitungen über bulgarisches Gebiet strömen aber 14 Milliarden Kubikmeter in die Nachbarländer.

Die Türkei importiert 65 Prozent ihres Gases aus Russland, ein Teil davon strömt durch Pipelines in Bulgarien. Der Preis, den die Türkei zahlt, ist an den Ölpreis gekoppelt. "Die Ölpreise sind auf über 60 Dollar gestiegen und dies hat die Gas-Preise auf ein maßloses Niveau erhöht", sagte ein Vertreter des türkischen Energieministeriums. "Die Türkei verlangt eine Preissenkung." Nach Schätzungen der türkischen Pipeline-Gesellschaft Botas müsste die Türkei ab diesem Monat 273 bis 274 Dollar für 1.000 Kubikmeter Erdgas bezahlen.

Erst am Mittwoch hatten Russland und die Ukraine auch unter internationalem Druck unter anderem der USA ihren Streit um höhere Preise beigelegt. Zuvor hatte Gazprom der Ukraine zeitweise das Gas abgedreht, was auch in vielen Ländern Europas zu Lieferausfällen geführt hatte.

Russland stellte am Neujahrstag auch seine Gaslieferungen an Moldawien ein. Die Verhandlungen mit Gazprom würden fortgesetzt, sagte der Chef der moldawischen Gas-Gesellschaft, Gennadij Abaschkin. Bisher sei allerdings noch keine Einigung auf einen Gas-Preis gefunden worden.

(apa/red)