Neuer Coach, neuer Kurs: "Hicke" fordert von Teamkickern mehr Eigenverantwortung

Teamchef will keine willenlosen Befehlsempfänger Lindenberger: Einser-Leibchen ist noch nicht besetzt

Was schon mit Rapid funktioniert hat, soll nun auch im Nationalteam zum Erfolg führen: Teamchef Josef Hickersberger verzichtet auf Autoritätsgehabe und fordert seine Kicker stattdessen auf, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. "Ich will nicht Befehlsempfänger haben, die keine Eigeninitiative entwickeln, sondern mündige Spieler", sagte der 57-Jährige im Trainingslager in Dubai.

Um dieses Vorhaben voranzutreiben, bat "Hicke" seine Schützlinge zu einem intensiven Meinungsaustausch. Ziel des Gesprächs war es, Richtlinien für eine optimale Vorbereitung auf die EURO 2008 aufzustellen. In diesem Zusammenhang verlangte der Niederösterreicher einen Input von seinen Teamkickern, stellte aber auch selbst Regeln auf. "Das Wichtigste ist der gegenseitige Respekt. Ich will nicht, dass Spieler übereinander in der Öffentlichkeit, sondern mehr miteinander reden", meinte Hickersberger.

Daher soll künftig weniger via Mobiltelefone geplaudert werden. "Es kann nicht sein, dass während einer Besprechung oder während eines Mannschaftsessen das Handy läutet. So wichtig wie die Nahrungsaufnahme kann gar kein Gespräch sein", erklärte der Teamchef, der seinen Spielern in punkto Zapfenstreich mehr Freiheiten einräumt: Jeder müsse selbst wissen, wie er sich vor einem Länderspiel vorbereitet, so der frühere Rapid-Meistermacher.

Jeder Goalie hat gleiche Ausgangsposition
Mit dem Amtsantritt von Hickersberger und dessen Tormann-Trainer Klaus Lindenberger hat die Suche nach einem Einser-Goalie wieder bei Null begonnen. "Im Moment hat jeder Torhüter die gleiche Ausgangsposition", erklärte Lindenberger im ÖFB-Team-Trainingslager in Dubai.

Wer im ersten Länderspiel des Jahres am 1. März im Wiener Happel-Stadion gegen Kanada zwischen den Pfosten stehen wird, hängt nicht nur von den Leistungen der drei Goalies (Helge Payer, Andreas Schranz, Ramazan Özcan - Jürgen Macho spielt mit Kaiserslautern am Wochenende in der deutschen Bundesliga) in den Vereinigten Arabischen Emiraten ab. "Diese Entscheidung werden wir erst nach den ersten Frühjahrsrunden treffen", kündigte Ex-Internationale an.

Als aussichtsreichste Anwärter für das Einser-Leiberl gegen die Kanadier gelten Payer und Macho, der vom ÖFB-Tormann-Trainer am 8. Februar gegen den 1. FC Köln beobachtet wird. Im Hinblick auf die EM 2008 ist der Kandidatenkreis aber weit größer. "Was bis dahin passiert, kann man jetzt noch nicht sagen. Da hat jeder seine Chance, auch Mandl oder Manninger", sagte Lindenberger.

Säumel: "Von Rapid hat sich keiner gemeldet"
Jürgen Säumel scheint im österreichischen Fußball die Ausnahme zu sein, die die Regel bestätigt. Als einzigem Mitglied der Stammformation des bronzenen ÖFB-U19-Teams vom Juli 2003 gelang es dem Sturm-Graz-Kicker, zu einer fixen Größe eines Oberhaus-Klub zu reifen. Für seine Kollegen von damals blieb der große Durchbruch noch aus - sie reihten sich bisher in die lange Liste jener Jugend-Kicker ein, die trotz großen Talents den Sprung vom Nachwuchs in die Kampfmannschaft nicht geschafft haben.

Säumel besiegte diesen "Fluch" und avancierte im vergangenen Jahr sogar zum Sturm-Kapitän und A-Teamspieler, verzichtet aber dennoch auf Eigenlob. "Für mich war es ein großer Vorteil, dass es Sturm finanziell nicht gut gegangen ist. Dadurch habe ich meine Chance bekommen.

Wie lange er selbst noch Bestandteil der "Blackies" sein wird, ist hingegen offen, denn immerhin hat Rapid bereits Interesse signalisiert. "Aber bei mir hat sich noch keiner gemeldet. Ich gehe davon aus, dass ich die Frühjahrssaison für Sturm spiele", sagte Säumel, der mit den Grazern einen bis 2008 gültigen Vertrag besitzt.

ÖFB-Teamkader für das Trainingslager in Dubai:

TOR: Helge Payer (Rapid/7 Länderspiele/0 Tore), Andreas Schranz (GAK/5/0), Ramazan Özcan (Austria Lustenau/0)

ABWEHR: Andreas Dober (Rapid/2/0), Anton Ehmann (GAK/13/0), Ferdinand Feldhofer (Wacker Tirol/4/0), Ronald Gercaliu (Salzburg/3/0), Martin Hiden (Rapid/32/1), Markus Katzer (Rapid/6/0), Mario Sonnleitner (GAK/0), Joachim Standfest (GAK/9/1)

MITTELFELD: Martin Amerhauser (GAK/12/3), Rene Aufhauser
(Salzburg/29/5), Christian Fuchs (Mattersburg/0), Andreas Ivanschitz (Salzburg/18/2), Zlatko Junuzovic (GAK/0), Markus Kiesenebner (Austria/10/1), Michael Mörz (Mattersburg/1/0), Jürgen Säumel (Sturm Graz/2/0), Markus Schopp (Salzburg/56/6)

ANGRIFF: Muhammet Akagündüz (Rapid/4/1), Sanel Kuljic (Ried/4/0), Roland Linz (Austria/13/2)

(apa/red)