Neue Märkte im Auge: Erste Bank will in
den Jahren 2008/09 wieder groß zukaufen

Treichl: Vorerst 2-3 Jahre keine Großakquisition Kritik an Abschottung des Jobmarktes in Österreich

Nach dem jetzigen Kauf der Mehrheit an der rumänischen Großbank BCR (Banca Comerciala Romana) für 3,75 Mrd. Euro wird es nach Worten von Erste-Bank-Chef Andreas Treichl in den nächsten zwei bis drei Jahren keine großen Akquisitionen geben. Abhängig davon, welche Banken dann zu kaufen sind, kann sich Treichl in der Folge aber schon wieder vorstellen, "dass wir uns in zwei bis drei Jahren einen neuen größeren Markt anschauen".

Das müsse nicht die Ukraine sein, so der Erste-Boss in der ORF-Radioreihe "Im Journal zu Gast". Sollte es dort kleinere Akquisitionsziele geben, werde man schon früher zukaufen. Wo die Expansion endet, könne niemand voraussagen, meinte Treichl, ohne auf Fragen nach neuen riesigen Märkten wie Russland oder China konkret einzugehen. Die Erste Bank habe sich mit ihren bisherigen Bankenkäufen "eine langfristige Zukunft eingekauft", die Aktie sei ein Wachstumswert für Jahrzehnte.

Wenn sich Gelegenheit ergebe "und wir zu günstiger Zeit am richtigen Ort sind", werde man die weiteren Expansionsschritte überlegen. Grenzen der Expansion sieht Treichl für die Erste Bank jedenfalls nicht.

Dass trotz der Erfolge Österreichs durch die Ost-Expansion der Unternehmen die heimische Bevölkerung gegenüber der EU und der EU-Erweiterung extrem skeptisch ist, führt der Erste-Bank-Chef darauf zurück, dass es es in Österreich zu viele "provinzielle" politische Bewegungen gebe, die bewusst Angst davor schürten, dass mit der Erweiterung Arbeitskräfte "aus dem bösen Ausland" hereinströmten. Treichl kritisierte Bewegungen und Allianzen von Gruppierungen, die die Globalisierierung als Schreckgespenst an die Wand malten, die alles, was mit Erweiterung, Expansion, Internationalisierung zu tun habe, als prinzipiell schädlich ansähen. Dennoch hofft er, dass man letztlich mit "Fakten" gegen "etwas dümmlich-provinzielle Erweiterungsgegner" ankommt.

Kritik an Abschottung des Jobmarktes in Österreich
Längere Übergangsfristen für Arbeitskräfte aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten sind für Treichl ein "Fehler". Man könne nicht eine europäische Gemeinschaft haben, neue Länder aufnehmen "und dann wieder Grenzen ziehen". Man könne nicht für den gemeinsamen Markt sein und den Arbeitsmarkt ausnehmen.

Er sei "erschüttert", welche Politiker hierzulande dafür seien, die neuen EU-Länder vom Arbeitsmarkt abzuschotten. Das, so fürchtet Treichl, "wird Österreich noch einmal auf den Kopf fallen". In 15 bis 20 Jahren werden, so vermutet er, viele neue EU-Länder Österreich wirtschaftlich eingeholt haben "und wir müssen hoffen, dass die das unfaire Verhalten Österreichs dann vergessen haben."

Die Erste Bank hat im Konzern nun mehr als 50.000 Mitarbeiter, mit Abstand die meisten arbeiten außerhalb Österreichs in den Ländern Ost- und Südosteuropas. Treichl selbst hatte für das Geschäftsjahr 2004 eine zwei Millionen Euro schwere "Treueprämie" für den Verbleib in der Bank erhalten. Er hätte aber auch ohne Prämie die Erste Bank nicht verlassen, bekannte Treichl heute in dem ORF-Hörfunktinterview. "Ich verdiene sehr gut und ich hoffe, dass ich auch in Zukunft noch viele Prämien bekomme, wenn ich gute Leistungen bringe." Dass er in der "Kleinen Zeitung" als "Robert Redford der österreichischen Bankenszene" beschrieben wurde, schmeichelt dem Erste-Chef nicht. Redford schaue ganz anders, älter ("total verrunzelt") aus. Da habe er noch einige Jahre Zeit.

(apa/red)