Neue Enzyklika für Schönborn wegweisend:
"Wenn du die Liebe siehst, siehst du Gott"

Caritas im Rahmen des "Ringens um Gerechtigkeit"

Papst Benedikt XVI. stellt nach den Worten von Kardinal Christoph Schönborn mit der Enzyklika "Deus caritas est" die kirchliche Caritas in den großen Rahmen des "Ringens um die Gerechtigkeit". "Grundlegendes über Staat und Religion, Aufgaben und Grenzen des Staates, über den Aufbau und den Schutz gerechter Strukturen, über die ökumenische Zusammenarbeit im Karitativen ist hier gesagt. Es ist wegweisend für eine immer wichtigere kirchliche Caritas", heißt es in einer Erklärung des Wiener Erzbischofs.

"Nun liegt sie vor mir, die erste Enzyklika von Papst Benedikt. Was wird er wohl an Programmatischem sagen, so lautet seit Wochen die Frage? Der hochbetagte Apostel Johannes hatte in seinen Briefen eigentlich nur eines zu sagen. Nur eines lag ihm am Herzen, und deshalb kommt er immer wieder darauf zurück: 'Gott ist die Liebe' (1 Joh 4,16). Papst Benedikt hat als erstes und wichtigstes Wort zu Beginn seines Pontifikats nur dieses eine zu sagen, das alles andere zusammenhält und allem Sinn gibt: 'Gott ist die Liebe'. Wenn ich einen ersten Eindruck von dieser ersten Enzyklika zu formulieren suche, so ist es der: voll Kraft, Klarheit und Hoffnung!"

"Durch 23 Jahre war Kardinal Ratzinger Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation. Alle Irrlehren und moralischen Irrwege, alle Lehrkonflikte und Moralprobleme unserer Zeit sind fast ein Vierteljahrhundert auf seinem Tisch gelandet, mussten von ihm studiert, diskutiert, geklärt und bisweilen auch sanktioniert werden. Er ist darüber nicht bitter geworden. Sein Blick auf die Welt und die Menschen ist nicht von all den Schwierigkeiten und Dunkelheiten verschattet worden. Seine erste Enzyklika ist frisch und voller Zuversicht, ihr Realismus ist ohne Pessimismus. Und dafür gibt es für den 78-jährigen Nachfolger Petri nur einen Grund. Mit dem Lieblingsjünger Johannes sagt er: 'Wir haben der Liebe geglaubt'."

"Diesen Glauben an die Liebe strahlt die Enzyklika vom Anfang bis zum Ende aus. Dieser Glaube ist ansteckend. Er ist zutiefst überzeugend. Er ist ganz und gar vernünftig. Es wäre nicht 'Papa Ratzinger', der hier die Feder geführt hat, wenn sie nicht von A bis Z klar und klug durchargumentiert wäre. Er spricht das Herz ebenso an wie die Vernunft, und es ist wohl nicht leicht, sich der einleuchtenden Kraft seiner Gedankenführung zu entziehen. Die beiden Teile der Enzyklika sind wie die beiden Lungenflügel, von denen Papst Johannes Paul II. so oft sprach. Sie sind wie zwei Hände, die erst im Zusammenwirken ein Ganzes ergeben."

"Wie die Bibel die Liebe sieht, davon handelt der erste Teil: in ihm geht es um 'die Liebesgeschichte Gottes' mit seinem Volk, und durch es mit allen Menschen. Die Liebe zwischen Menschen fließt aus dem Urquell der Liebe Gottes; das Einander-Suchen der Liebenden ist Abbild eines Gottes, der den Menschen, sein Geschöpf, sucht. So deutlich wie selten zuvor ist in dieser Enzyklika dargelegt, dass auch die 'Agape', die Nächstenliebe, ihren Ursprung im 'Eros' hat. In Christus, der 'Fleisch gewordenen Liebe Gottes' nimmt diese Suche 'dramatische Form' an. Gott geht in Jesus selber dem 'verlorenen Schaf', 'der leidenden und verlorenen Menschheit' nach. Die Kirche kann und darf nicht anders handeln."

"Darum geht es im zweiten Teil. Er spricht von der 'Caritas', dem aktiven 'Liebesdienst' der Kirche. Eine 'Caritas-Enzyklika'? Vielleicht sogar die erste in der Geschichte der päpstlichen Rundschreiben? Gewiss, und doch auch mehr als das. Caritas gehört untrennbar zur Kirche, 'wie Sakrament und Wort', von Anfang an!"
(apa)