Neue Aufregung im Irak: Empörung
über Video prügelnder britischer Soldaten

Gewalt als Reaktion auf brutale Bilder befürchtet Blair verteidigt Teilnahme Großbritanniens an Invasion

Auch nach der Zusage einer umfassenden Aufklärung haben Videoaufnahmen von prügelnden britischen Soldaten im Irak am Montag weiter für Empörung gesorgt. Im Nahen Osten und in Großbritannien wurden neue Gewalttaten als Reaktion auf die zwei Jahre alten Bilder befürchtet, auf denen Soldaten irakische Jugendliche mit Knüppeln schlagen und unter üblen Beschimpfungen in die Genitalien treten. Die britische Militärpolizei geht inzwischen nach britischen Medienberichten davon aus, dass die Videoaufnahmen echt sind.

Nach Regierungsangaben ist schon eine Person festgenommen worden. Die Festnahme sei bereits Sonntagnacht erfolgt, sagte ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums am Montag in London. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt. Eine Spur führe laut Zeitungsberichten nach Deutschland. Die Täter könnten zur 20. Panzerbrigade gehören, die in der Nähe von Paderborn stationiert ist. Angehörige dieser Einheit seien bis April 2004 in der südirakischen Stadt Basra stationiert gewesen, wo das Video im März desselben Jahres aufgenommen worden sei.

Das Band war der Sonntagszeitung "News of the World" zugespielt worden. Das Blatt weigerte sich, Informationen über die konkrete Einheit herauszugeben, deren Soldaten auf dem Band zu sehen sind.

Premierminister Tony Blair und Schatzkanzler Gordon Brown hatten ebenso wie die Militärführung noch am Sonntag eine umfassende Aufklärung der Misshandlungsvorwürfe versprochen. Am Montag bekräftige Blair dies. Zugleich verteidigte er in einem Interview erneut die Teilnahme Großbritanniens an der von den USA angeführten Irak-Invasion. Auch mit dem Kenntnisstand von heute hätte er "die Entscheidung gefällt, Saddam zu stürzen, denn die Alternative wäre, dass er trotz Verletzung von UNO-Resolutionen mit all den Ambitionen, die er hatte, an der Macht geblieben wäre".

Der Generalsekretär des Rates der Muslime Großbritanniens, Sir Iqbal Sacranie, erklärte: "Vorfälle wie diese fügen unserem Ansehen in der muslimischen Welt enormen Schaden zu und bringen auch die britischen Truppen, die gewissenhaft ihre Pflicht erfüllen, in große Gefahr." Es sei dringend erforderlich, dass die beteiligten Soldaten rasch vor Gericht gestellt würden.

Verschiedene Moslem-Gruppen riefen für den kommenden Samstag zu Protestaktionen auf. Die Organisatoren gingen selbst davon aus, dass es nicht leicht sein werde, den wachsenden Ärger besonders unter jungen Moslems im Zaum zu halten, berichtete die konservative Zeitung "The Times".
(apa)