Neo-Rapid-Trainer Zellhofer traut seinem Team einiges zu: "Ziel muss Platz zwei sein"

PLUS: Das Pokern um Andi Ivanschitz hat begonnen UMFRAGE: Ivanschitz-Schritt moralisch vertretbar?

Seinen Amtsantritt beim österreichischen Fußball-Rekordmeister SK Rapid hätte sich Georg Zellhofer wohl anders vorgestellt. Schon vor der ersten Trainings-Einheit des Hickersberger-Nachfolgers am Donnerstag hatte sich Kapitän Steffen Hofmann Richtung 1860 München verabschiedet, und da auch der Abgang des derzeit freigestellten Andreas Ivanschitz zu Red Bull Salzburg unmittelbar bevorstehen dürfte, sind dem Oberösterreicher bei seinem neuen Klub gleich die zwei wohl besten Spieler abhanden gekommen.

Was der Abschied der beiden Mittelfeld-Stars für Rapid bedeutet, wagt Zellhofer nicht zu prognostizieren. "Das ist das große Unbekannte. Es kann sowohl ein Rückschlag als auch eine Chance sein. Vielleicht blüht einer auf und schlüpft in die Rolle von Hofmann oder Ivanschitz", sagte Zellhofer, der seiner Mannschaft trotz des erheblichen Aderlasses in der Frühjahrssaison einiges zutraut. "Unser Ziel muss Platz zwei sein", hofft der Ex-Paschinger auf eine Platzierung, die einen neuerlichen Start in der Champions-League-Qualifikation garantieren würde, und will nun "eine Mannschaft formen, die vorne mitspielen kann."

Zellhofer will Kommunikation verbessern
Um dies zu erreichen, gelte es einiges zu verändern: "Die Kommunikation innerhalb der Mannschaft muss verbessert werden. Außerdem ist der Kader zu groß. Was die Legionäre betrifft, sind wir am Plafond, wir wollen versuchen, das zu reduzieren", kündigte Zellhofer an. Der erste diesbezügliche Schritt erfolgte bereits am Donnerstag, als der Vertrag mit dem slowakischen Verteidiger Vladimir Labant aufgelöst wurde. Auch Helmut Prenner verlässt Rapid schon in der Winterpause.

Mindestens ein neuer Spieler wird kommen
Dafür stößt zumindest ein neuer Kicker zu den Grün-Weißen. Die Einnahmen aus der Champions League, dem Hofmann-Transfer sowie dem zu erwartenden Ivanschitz-Wechsel werden laut Zellhofer in einen Spieler investiert, der "sehr gut sein muss und Perspektiven und Rapid-Geist haben muss." Gesucht wird ein offensiver zentraler Mittelfeldspieler, der möglichst variabel einsetzbar ist und einen österreichischen Pass besitzt. "Einen Ausländer holen wir nur dann, wenn es ein absoluter Top-Spieler ist."

Rapid an Jürgen Säumel interessiert
Das Anforderungsprofil des früheren Vöest-Spielers erfüllt unter anderem Sturm-Kapitän Jürgen Säumel, wie auch Zellhofer bestätigte. "Er ist einer, der auf drei oder vier Positionen Top-Leistungen bringen kann." Als weiterer Kandidat gilt Yüksel Sariyar, der bei Zellhofers Ex-Klub Pasching die Fäden zieht. "Er hätte Riesenpotenzial. Sein Problem ist aber, dass er fast nie richtig fit in eine Vorbereitung gehen kann", meinte der Coach über seinen Ex-Schützling, der die Herbstsaison wegen einer Knieverletzung nicht zu Ende spielen konnte.

Zellhofer von Ivanschitz-Abgang überrascht
Dass Rapid überhaupt am Transfermarkt aktiv werden muss, liegt nicht am Abgang von Hofmann, der von den Klub-Verantwortlichen schon vor Wochen vorhergesehen worden war, sondern vielmehr am drohenden Abschied von Ivanschitz. "Mit dem Hofmann-Wechsel habe ich gerechnet. Die Sache mit Ivanschitz hat mich aber schon überrascht. Ich habe nach dem Salzburg-Match am 10. Dezember mit ihm gesprochen, da hatte ich nicht den Eindruck, dass er geht", erklärte Zellhofer, der den wahrscheinlichen Verlust beider Kreativ-Spieler weder als Ausrede für allfällige Misserfolge noch als Instrument verwenden will, um die Erwartungshaltung in Wien-Hütteldorf herunterzuschrauben. "Druck ist bei Rapid immer da, auch wenn die zwei Kapitäne gehen."

Ivanschitz hätte neuer Rapid-Kapitän werden sollen
Ivanschitz wäre von Zellhofer als Kapitäns-Nachfolger von Hofmann vorgesehen gewesen, nun muss er sich um einen neuen Spielführer umsehen. "Dafür gibt es zwei Kandidaten, die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen", meinte Zellhofer, der in absehbarer Zukunft auch noch einen Konditionstrainer in den Betreuerstab nehmen wird. Der neue Coach wird möglicherweise schon am kommenden Dienstag an Bord sein, wenn Rapid zum ersten Trainingslager aufbricht. Ursprünglich war ein Aufenthalt in Bad Radkersburg vorgesehen gewesen, auf Grund der starken Schneefälle in den vergangenen Tagen muss aber wohl umdisponiert werden.
(apa/red)