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Letzter Arbeitstag

Der deutsche Versandhändlier schließt seine Tore - letzter Interessent abgesprungen

Die Neckermann-Zentrale in Frankfurt. © Bild: REUTERS/Alex Domanski

Letzter Arbeitstag für die meisten der rund 2.000 Neckermann-Beschäftigten: Nachdem am Donnerstag der letzte Interessent abgesprungen war, ist der insolvente deutsche Versandhändler nicht mehr zu retten und wird abgewickelt - 62 Jahre nach seiner Gründung durch den Kaufmann und späteren Sportfunktionär Josef Neckermann. Am 1. Oktober beginnt dann der endgültige Ausverkauf. Für diesen Tag ist auch die Eröffnung des ordentlichen Insolvenzverfahrens geplant. Den meisten Beschäftigten am Stammsitz Frankfurt und in Sachsen-Anhalt droht zunächst die Arbeitslosigkeit. Über die österreichische Tochter Neckermann.at läuft ein gesondertes Insolvenzverfahren.

Neckermann Österreich soll fortgeführt werden, die Sanierungstagsatzung findet am 22. Oktober statt. Bis dahin soll ein neuer Investor präsentiert werden.

In Deutschland soll nur eine kleine Rumpfmannschaft noch bei der Abwicklung des Unternehmens helfen. Während die letzten Waren an Großabnehmer gehen sollen, will die Insolvenzverwaltung im Auftrag der Gläubiger unter anderem die Markenrechte, Internetadressen und die Kundenliste von Neckermann zu Geld machen.

Alle Investoren abgesprungen

Der potenzielle Investor habe wie zahlreiche andere Interessenten zuvor letztlich abgewunken, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Kühne. Der finanzielle Aufwand sei wegen des lange Jahre entstandenen Investitionsstaus im zweistelligen Millionenbereich zu groß gewesen. Dem letzten, erst kurzfristig eingesprungenen Interessenten habe letztlich die Zeit zur Prüfung auch kartellrechtlicher Fragen gefehlt. "Der Markt hat entschieden, dass dieses Unternehmen nicht mehr zu retten war. Vollprofis haben sich das Unternehmen angesehen und festgestellt, dass die Kosten für ein Durchstarten viel zu hoch gewesen wären."

Internet verschlafen

Nach Meinung von Experten hat der klassische Katalogversand Neckermann den Wandel zum Internetversender nicht gepackt. Zahlreiche Eigentümer- und Managementwechsel haben wichtige Investitionen zum Beispiel in die Informationstechnologie verhindert. Zuletzt hatte der US-Investor Sun Capital weitere Geldspritzen abgelehnt und das Unternehmen in die Pleite entlassen. Gerettet werden konnte lediglich die auf Übergrößen spezialisierte Tochter "Happy Size", die mit 80 Arbeitsplätzen an den Konkurrenten Klingel aus Pforzheim verkauft wurde.

Letzte Bestände an Großabnehmer

Nach Einschätzung der Gewerkschaft ver.di werden ab der kommenden Woche nur noch knapp über 100 Menschen bei Neckermann arbeiten, um das Unternehmen sauber abzuwickeln. Ein Ausverkauf sei nicht geplant, die restlichen Waren gingen an Großabnehmer, sagte der Frankfurter Gewerkschaftssekretär Wolfgang Thurner. Bereits in den vergangenen Wochen waren Produkte mit hohen Rabatten an die Kunden gebracht worden. Viele Artikel erscheinen auf der Internet-Seite bereits mit dem Vermerk "ausverkauft". Laut Insolvenzverwalter Kühne wird noch so lange ausgeliefert, wie Waren über die Seite bestellbar sind.

Endzeitstimmung

In den Neckermann-Büros und -Hallen herrschte am Donnerstag erst einmal Endzeitstimmung. "Viele haben sich schon voneinander verabschiedet. Es war sehr emotional", berichtete Betriebsratschef Thomas Schmidt, der mit seinen Kollegen auch zu einer letzten Betriebsratssitzung zusammengekommen war. Viele Arbeitnehmer haben nahezu ihr ganzes Berufsleben bei dem Versandhandel bestritten.

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