Nach Unglück in Schönbrunn: Pechlaner bietet Rücktritt an, Bartenstein dagegen!

Rätselraten: Warum attackierte "Abu" seinen Pfleger? PLUS: Tragödie im Tiergarten Schönbrunn in Bildern!

Nach Unglück in Schönbrunn: Pechlaner bietet Rücktritt an, Bartenstein dagegen!

Nach der Attacke des Elefantenbullen Abu am Sonntag, bei der der Chefpfleger Gerd Kohl ums Leben gekommen ist, schloss der Tiergartenchef Helmut Pechlaner persönliche Konsequenzen am Montag bei einer Pressekonferenz nicht aus. Wenn das von den Gesellschaftern des Zoos gewünscht werde, könne er sich einen Rücktritt vorstellen, sagte Pechlaner. Die Unfallursache ist für die Verantwortlichen im Tiergarten Schönbrunn weiterhin ein Rätsel. Pechlaner und der Elefantenexperte Harald Schwammer erklärten, dass alle Sicherheitsbestimmungen "hundertprozentig" erfüllt worden seien.

Der in der Pubertät befindliche Abu war bei der routinemäßigen Waschung am Sonntagvormittag aggressiv geworden und hatte den 39-jährigen Kohl mit den Stoßzähnen tödlich verletzt. "Ein schicksalshafter Vorfall, wir trauern um einen guten Freund", sagte Pechlaner.

Bartenstein gegen Rücktritt
Ein Rücktritt Pechlaners stehe "nicht zur Diskussion", betonte der zuständige Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) am Montag in einer Aussendung. Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass es keine Versäumnisse bezüglich der Sicherheitsmaßnahmen bei der tödlichen Attacke des Elefanten Abu gegen den Tierpfleger Gerd Koch gegeben habe.

Polizei: Keine Versäumnis bei Sicherheitsmaßnahmen
Der Tod des Tierpflegers war ein Unglücksfall, mit dem nicht zu rechnen war. Das haben nun auch die Ermittlungen der Polizei ergeben. Es sei kein erkennbares Versäumnis bei den Sicherheitsmaßnahmen festzustellen gewesen, sagte der Leiter des Kriminalkommissariats Süd, Max Edelbacher, am Montag. Indessen wurden im Tiergarten Schönbrunn die ersten Sofortmaßnahmen gesetzt. Bis auf weiteres darf es keinen direkten Kontakt mehr zu "Abu" geben.

Schwammer: Zukünftige Angriffe nicht auszuschließen
"Wenn Abu dem anderen Bullen in der Herde einen Stoß versetzt, dann hat dieser sozusagen einen blauen Fleck", sagte der stellvertretende Zoo-Direktor Harald Schwammer. "Wenn der 1.600 Kilo schwere Elefant das bei einem Menschen versucht, endet es tragisch." Der Elefant habe zeigen wollen, wer der Stärkere ist, sagte Pechlaner.

Derartige Vorfälle seien auch für die Zukunft nicht auszuschließen, so Schwammer. "Ein nicht kalkulierbarer Faktor bleibt immer." Abu sei gar nicht bewusst, was er getan habe, er sei jetzt deshalb auch nicht aggressionsbereiter als vorher. Vor 14 Tagen habe Abu zahlreiche Röntgenaufnahmen unter der Leitung des tierärztlichen Leiters Thomas Voracek ohne jegliche Aggression über sich ergehen lassen.

Elefanten-Chefpfleger Gerd Kohl, der ein anerkannter Fachmann gewesen war und auf der ganzen Welt Schulungen abgehalten hatte, hatte von Abu immer von seinem "Kind" gesprochen. Am Sonntag hat sich das "Kind" wie ein Halbstarker gegen seinen Vater aufgelehnt - mit tödlichen Folgen.

Konsequenzen für den Elefanten gebe es vorerst keine, so Schwammer. Allerdings sei es mit Pambo, einen zweiten Bullen, und zwei erwachsene Bullen in einer Herde keine optimale Lösung. Deshalb gebe es bereits Gespräche mit anderen Zoos, einen der beiden Schönbrunner Bullen in ein paar Jahren zu übernehmen. Am Montag sei in der Gruppe alles normal verlaufen. Das Elefantenhaus ist bis auf weiteres geschlossen.

Kein direkter Nachfolger von Kohl
Einen direkten Nachfolger für Kohl, der Abu mittels so genannten ungeschützen Kontakt betreut hatte, wird es nicht geben. Der Jungbulle werde künftig, so Schwammer, nur noch im geschützten Kontakt für die künftige Pflege trainiert. Die Sicherheitsstandards seien jetzt schon so hoch, dass man daran nichts ändern müsse oder könne.

Simon Stöger, jener Pfleger, der den Vorfall miterlebt hatte, dessen laut Pechlaner "mutiger Einsatz" aber zu spät kam, befindet sich nach wie vor in ärztlicher Betreuung. "Er steht unter Schock", sagte der Zoo-Direktor. "Er hat zwar mit der Polizei gesprochen, sonst bringt er nur Wortfetzen heraus. Er steht unter einer psychischen Belastung, die kein Mensch verkraften kann." Die polizeilichen Ermittlungen sollen die Verschuldensfrage klären. (apa/red)