Nach Tod von afrikanischem Schubhäftling: Staatsanwalt stellt Ermittlungen in Linz ein

"Keine genügenden Gründe" für Strafverfahren Oö. Grüne: "Ungeheuerliche Vorgangsweise"

Nach Tod von afrikanischem Schubhäftling: Staatsanwalt stellt Ermittlungen in Linz ein

Nach dem Tod eines 18-jährigen afrikanischen Schubhäftlings in Linz Anfang Oktober hat die Staatsanwaltschaft nun ihre Ermittlungen eingestellt. Die Strafanzeige sei laut Zeitungsbericht zurückgelegt worden. Die Anzeige gegen unbekannte Täter zum Nachteil des Verstorbenen sei geprüft worden. Es hätten sich jedoch "keine genügenden Gründe" gefunden, ein Strafverfahren zu veranlassen.

Der Menschenrechtssprecher der oberösterreichischen Grünen, Klubobmann Gunther Trübswasser, sieht in der Verfahrenseinstellung "angesichts der vielen offenen Fragen eine ungeheuerliche Vorgangsweise der Staatsanwaltschaft Linz". Der Anwalt der Familie des toten Häftlings setzt seine Hoffnung auf den Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS). "Wir haben dort Beschwerde eingereicht, da wir erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Schubhaft und vor allem an der Unterbringung in der Einzelzelle haben", wird er in einem Bericht des "Standard" zitiert.

Der Termin für die mündliche Verhandlung in Wien sei mit 31. Jänner fixiert, am 14. Februar habe der UVS zusätzlich die Eltern und den Bruder des Afrikaners geladen. Parallel erwäge man beim Landesgericht Linz einen Antrag auf die Einleitung von Voruntersuchungen, so der Jurist. Dann müsste sich ein Drei-Richter-Senat mit dem Fall beschäftigen.

Der verstorbene Afrikaner war im Frühjahr in Wien wegen eines Drogendelikts verurteilt und Mitte September bedingt aus der Haft entlassen worden. Da seine Identität vorerst nicht bekannt war, wurde er in Schubhaft genommen und aus Platzgründen nach Linz überstellt. Der Mann verweigerte ab 28. September die Aufnahme von fester Nahrung. Er trank lediglich.

Er wurde schließlich ins Linzer AKH zur Untersuchung gebracht, wo er angeblich eine Krankenschwester mit den Füßen trat. Der Mann landete daraufhin wieder im Anhaltezentrum der Bundespolizeidirektion. Dort wurde er wegen aggressiven Verhaltens in einer Sicherungszelle untergebracht. Dort wurde er bei einem Kontrollgang tot aufgefunden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Linz dürfte eine "Verkettung unglücklicher Umstände" zum Tod des Schubhäftlings geführt haben. Der Verstorbene habe an einer erbbedingten Anomalie im Blutfarbstoff gelitten, die im Zusammenwirken mit Flüssigkeits- und Kalorienmangel eine Verklumpung des Bluts und schließlich ein Herz-Kreislauf-Versagen verursacht habe, so das Obduktionsergebnis. (apa)