Nach Niederlage um Kampf um Elite-Uni: Wien überlegt ein eigenes Institut zu bauen

Entscheidung dazu soll im kommenden Jahr fallen Zeilinger fürchtet Politik-Entscheidungen bei Personal

Nach dem Zuschlag für den Standort Gugging (Niederösterreich) für eine "Elite-Uni" will Wien ein neues Projekt ins Leben rufen. Vizebürgermeister Sepp Rieder kündigte im "Standard" an, er wolle nach einer Atempause "einen neuen Anlauf" nehmen. Die von Gugging abgesprungenen "geistigen Väter" des Vorhabens - Anton Zeilinger und Peter Schuster - sollen eingeladen werden, auf dem Wiener Flugfeld Aspern nun ein eigenes Postgraduate- und Forschungsinstitut zu realisieren. Auch eine Kombination mit Neubauten für WU und/oder TU wäre dort möglich. Die Entscheidung darüber soll im kommenden Jahr fallen.

Rieder: "Wir wollen das nicht sofort tun, denn sonst wäre das Projekt gleich wieder belastet." Jedenfalls sei das nun angedachte Projekt eines Spitzeninstitutes gemeinsam mit den Elite-Uni-Initiatoren Anton Zeilinger und Peter Schuster "nicht als Konkurrenz zu Gugging" gedacht.

Wobei Rieder ohnehin vermutet, dass der Bund und Niederösterreich nach dem Absprung der beiden "geistigen Väter" in Gugging nur "irgendeine künstlich beatmete Klein-Uni am Leben erhalten" werden. Die Stadt Wien wolle nun "ein internationales Forschungsinstitut in Kombination mit einem Postgraduate- Lehrgang" etablieren.

Zeilinger befürchtete Politik-Entscheidungen bei Personal
Nur mit einer Rücknahme der Entscheidung für die Elite-Uni in Gugging könnte man den Vater des Projekts, den Physiker Anton Zeilinger, zur Rückkehr bewegen. Das sagte er in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Man müsste neu anfangen und festlegen, unter welchen Kriterien Entscheidungen getroffen werden. "Da müssen unabhängige internationale Wissenschafter mitwirken. Das dürfen nicht wir paar Hansln entscheiden", so Zeilinger.

Ein zentraler Punkt bei so einer Entscheidung sei die Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft in Organisation und Personalauswahl, so der renommierte Physiker. Diese Unabhängigkeit sah man offenbar nicht mehr gegeben: "Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Standortfrage von der Politik entschieden wurde und wir dazu nur mehr Ja sagen sollten." Und: "Wir hatten das Gefühl, dass das bei Personalentscheidungen so weiter geht."

(apa/red)