Nach Kombination: "Versilberte" Marlies Schild will jetzt Medaille im Spezialslalom!

Salzburgerin hatte nicht viel Zeit Medaille zu feiern Die Technikerin hofft auf einen Lauf bei den Spielen

Mit einem "Super!" hatte Benni Raich seine Freundin Marlies Schild am Samstag nach deren Kombi-Silbermedaille im Olympischen Dorf empfangen. Viel Zeit blieb den beiden alpinen Turteltauben freilich nicht, um die erste Olympiamedaille der 24-jährigen Salzburgerin zu feiern. Schon Sonntagmittag stand für Schild wieder Riesentorlauf-Training auf dem Programm.

In der Abfahrt hatte Kombi-Slalomsiegerin Schild genau die erwartete Sekunde auf die Abfahrtsweltmeisterin Kostelic verloren, dafür die favorisierte Anja Pärson knapp abgehängt. Eine tolle Überraschung, aber auch der Beweis dafür, dass Schild tatsächlich die blendende Allrounderin ist, als die sie vor ihren mittlerweile sechs Knieoperationen begonnen hatte. Obwohl sie dreimal jährlich Knie-Injektionen erhalten muss, will Schild wieder dorthin zurück. "Mein großes Ziel ist ja der Gesamtweltcup, den gewinnt man aber nur, wenn du in allen Disziplinen gut bist", betonte sie nach Kombi-Silber.

Schilds linkes Knie ist durch die vielen Operationen wetterfühlig. Als in Sestriere der Schnee kam, schwoll es mächtig an. Trotzdem zeigte Marlies Freitagabend im Slalom eine famose Leistung, obwohl die Eispiste auf dem flachen Hang auch noch aufgeraut worden war. Das macht Mut für den Spezialslalom am Mittwoch, denn Schild liebt es an sich steil und eisig.

"Freue mich total auf den Slalom"
"Aber ich habe hier vor zwei Jahren meinen ersten Weltcupsieg gefeiert und war da schon im Flachen sehr schnell. Deshalb freue ich mich jetzt total auf den Slalom", erklärte Schild. "Eine Medaille war ja mein Ziel bei diesen Spielen." Die hat sie jetzt überraschend schon. "Ich möchte schon auch noch eine im Slalom gewinnen."

Für Schild ist olympisches Kombisilber die dritte Medaille nach Slalom-Silber bei der WM in St. Moritz 2003 und Kombi-Bronze im Vorjahr in Santa Caterina. In der Schweiz hatte sie Kombi-Bronze um zwei hundertstel Sekunden verpasst, so gesehen waren die fünf Hundertstel Vorsprung auf Pärson in San Sicario eine kleine Wiedergutmachung. "Sie hat mir gratuliert, aber dabei dreingeschaut, als ob die Welt untergehen würde", erzählte Schild. "Ich würd's verstehen, wenn sie Vierte geworden wäre."

"Will oft schneller fahren als es geht"
Schild hatte vor der Saison im Training alles in Grund und Boden gefahren, dann aber fast bis zum Jahreswechsel benötigt, um aus einer unerklärlichen Krise zu kommen. Im Auftakt-Riesentorlauf in Sölden hatte sie die Qualifikation verpasst, war danach in ein tiefes Formloch gefallen. Erst ihr Mentalbetreuer half ihr, "loszulassen". "Ich will im Rennen oft schneller fahren als es geht", gestand die Linkshändern, die sich selbst als "Perfektionistin" und manchmal auch als "ungeduldig" bezeichnet.

Wenn es bei Schild aber läuft, dann gewaltig, wie ihre drei jüngsten Slalomsiege in Folge beweisen. Ihr großes Ziel ist dennoch der Gesamtweltcup und damit auch die neuen Super-Kombinationen. Hier hat die Saalfeldenerin eine klare Priorität. "Die Super-Kombi mit einem Super G und einem Slalomdurchgang, das ist das Beste, weil man davor keine Trainings braucht." Dann würde es laut Schild auch Sinn machen, dafür eine eigene Kristallkugel zu vergeben.

(apa/red)